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Urologie 13. Juni 2012

Organerhalt mit Kombi-Therapie

Bei der Behandlung von Blasenkrebs im fortgeschrittenen Stadium ist die Strahlenbehandlung mit gleichzeitiger Chemotherapie weitaus wirksamer als alleinige Bestrahlung.

Die meisten Blasenkrebsarten wachsen nur oberflächlich in der Schleimhaut und sind relativ harmlos; sie können meist bei einer Blasenspiegelung durch die Harnröhre entfernt werden. Die Blase wird dabei erhalten. Doch in jedem fünften Fall hat das Karzinom schon auf die Blasenmuskulatur übergegriffen. Dann wird für gewöhnlich die gesamte Harnblase entfernt, oft samt umliegender Organe wie Prostata oder Gebärmutter.

Die Bestrahlung bietet eine Alternative zur Operation. Bisher hielten viele Ärzte die Operation aber für besser und setzten die Bestrahlung deshalb nur bei inoperablen Patienten ein. Schon seit Jahren wird daher versucht, die Bestrahlung durch zusätzliche Zytostatika wirksamer zu machen. Die aktuelle Studie beweist erstmals klar, dass die Kombinationsbehandlung besser und der Unterschied zur reinen Strahlenbehandlung sogar noch größer als erwartet ist.

Echte Alternative

An der Untersuchung nahmen insgesamt 360 Patienten teil, deren Tumor schon in die Muskulatur der Blase vorgedrungen war. Sie wurden entweder nur bestrahlt oder erhielten zusätzlich noch eine Chemotherapie. Mit der Radiochemotherapie lebten zwei Jahre danach gut zwei Drittel der Patienten tumorfrei. Durch die kombinierte Therapie konnten die Ergebnisse gegenüber der alleinigen Bestrahlung um mehr als zehn Prozent weiter verbessert werden. Allerdings führte die zusätzliche Chemotherapie etwas häufiger zu Nebenwirkungen. Diese blieben jedoch auf die Dauer der Behandlung beschränkt. Die Harnblase konnte bei etwa 85 Prozent der Patienten erhalten werden.

Die Ergebnisse der Kombinationstherapie sind somit ähnlich gut wie bei vollständiger Entfernung der Blase. Damit eröffnet dieses Vorgehen eine organerhaltende Alternative zur Radikaloperation bei fortgeschrittenem Blasenkrebs.

James ND et al.: NEJM 2012; 366 (16): 1477–1488

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