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Urologie 16. März 2012

Beckenbodentraining nach Prostatakrebs-Operation

Körperliche Aktivität verkürzt die Dauer einer Inkontinenz.

Eine Übersichtsstudie über 25 Publikationen mit Daten von über 2.500 Patienten, die an der Deutschen Sporthochschule Köln durchgeführt wurde, zeigt die Sinnhaftigkeit des Schließmuskel- und Beckenbodentrainings für Männer mit Prostatakarzinom.

 

Durch ein gezieltes Schließmuskel- und Beckenbodentraining lässt sich das Risiko und die Dauer einer Inkontinenz als Folge einer Prostata-krebs-Operation senken. Dies konnten Sportmediziner bei der Analyse von Studiendaten von über 2.500 Patienten mit Prostatakarzinom nachweisen.

Mehr Lebensqualität

Durch professionelle bewegungstherapeutische Interventionen verbessert sich die Lebensqualität der Patienten. Außerdem werden unerwünschte Begleiterscheinungen der Tumortherapie, wie zum Beispiel Fatigue, beeinflusst.

Schon vor der OP beginnen

Der Studienautor Dr. Freerk Baumann (Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln, Abteilung für Molekulare und Zelluläre Sportmedizin) untersuchte in einem systematischen Review über 25 randomisierte kontrollierte Studien, die sich mit den Auswirkungen körperlicher Aktivität bei Patienten mit einer Prostatakrebserkrankung sowohl während als auch nach der medizinischen Therapie befassten. „Männer, die regelmäßig trainieren, sind gegenüber Männern ohne gezieltes körperliches Training klar im Vorteil. Das betrifft die Parameter Inkontinenz, Fatigue, Muskelkraft, Lebensqualität und Fitness“, so Baumann.

Im Idealfall wird schon vor einer Operation mit Übungen für Schließmuskulatur und Beckenboden begonnen. Auch nach dem Eingriff gilt: „Je früher der Patient startet, desto schneller regeneriert er sich.“ Es wird daher empfohlen, schon 48 Stunden nach der Entfernung des Katheters mit dem Training anzufangen. „Die Patienten werden durch einen unmittelbaren Trainingsbeginn schneller wieder kontinent und bleiben es dann auch“, so der Sportwissenschaftler. Jedoch müssen Patienten und Therapeuten geduldig sein, denn nicht selten treten Besserungen erst nach einem halben Jahr regelmäßigen Trainings ein.

Professionelle Anleitung

Die besten Erfolge stellen sich dann ein, wenn ein Patient unter Anleitung eines geschulten Therapeuten trainiert. Das gilt für die allgemeine Fitness, aber insbesondere für die Inkontinenz. Laut Baumann „hilft es wenig, wenn Patienten nach einer kurzen Einführung oder anhand eines Flyers für sich alleine trainieren“. Um therapeutische Erfolge zu erzielen, bedürfe es eines langfristigen und angeleiteten Trainings. Untersuchungen zeigen, dass inkontinente Patienten ein reduziertes Aktivitätsniveau haben. Die Folgen sind psychosoziale Isolation und Bewegungsmangelsymptome und damit verbunden die Gefahr einer weiteren stationären Behandlung. Die Kosten dafür könnten, so die Forscher, vermieden werden, wenn die Patienten Zugang zu bewegungstherapeutischen Programmen hätten. Es nehme allerdings nicht jeder Prostatakrebspatient an qualitativ hochwertigen bewegungstherapeutischen Angeboten teil, geben die Autoren zu bedenken.

Keine Aussage zu Biofeedback und Elektrostimulation

Zur Wirksamkeit weiterer Therapiemethoden wie Biofeedback oder Elektrostimulation können die Wissenschaftler aufgrund der vorliegen-den Daten keine Angaben machen: „Die Ergebnisse der verschiedenen Studien waren widersprüchlich, so dass wir derzeit keine eindeutigen Empfehlungen aussprechen können“, schreiben die Studienautoren in einer Aussendung. Auch bezüglich der Übungsauswahl im Hinblick auf die Übungseffektivität seien weitere Untersuchungen nötig.

 

 

Baumann, F.; Zopf, E. M.; Bloch, W.: Clinical exercise interventions in prostate cancer patients - a systematic review of randomized controlled trials. Supportive Care in Cancer. 2012; 20 (2): 212–33

DSHS Köln/PH, Ärzte Woche 11 /2012

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