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Die erektile Dysfunktion gilt heute auch als besonders früher Marker für ein erhöhtes kardio-vaskuläres Risiko.
 
Urologie 28. Februar 2012

Was Herz und Hose verbindet

Eine erektile Dysfunktion (ED) kann mit Maßnahmen verbessert werden, die auch das KHK-Risiko senken.

Die erektile Dysfunktion ist ein früher und gut wahrnehmbarer Marker für ein erhöhtes Herzrisiko. Patienten sollte daher beizeiten nahegelegt werden, etwas für die „Pumpe“ zu tun, denn damit werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Körperliche Fitness und gesunde Ernährung senken nicht nur das KHK-Risiko, sondern tragen auch dazu bei, dass es im Bett besser klappt.

 

Erektionsstörungen sind mehr als ein „Potenzproblem“. Sie belasten die Partnerschaft, beeinträchtigen die Lebensqualität, bei vielen Betroffenen besteht eine direkte Verknüpfung zu Depressivität und Angstsymptomen.

Vor allem aber gilt die erektile Dysfunktion (ED) heute auch als Marker für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Bei Männern, die über eine gestörte Sexualfunktion klagen, ist die Wahrscheinlichkeit, innerhalb der nächsten fünf Jahre an einem Herzinfarkt zu versterben, doppelt so hoch wie bei ihren potenten Geschlechtsgenossen. Dies zeigten die Ergebnisse einer ED-Substudie mit 1.176 bzw. 373 Teilnehmern aus den großen Therapiestudien ONTARGET und TRANSCEND an Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren.

Gemeinsame Pathogenese

Die erektile Dysfunktion entsteht wie kardiovaskuläre Erkrankungen auch auf der Basis einer Endotheldysfunktion, die über eine chronische Entzündung zur Atherosklerose führt.

Es verwundert daher nicht, dass sich die erektile Dysfunktion eine Reihe modifizierbarer Risikofaktoren mit der KHK teilt, u. a. Hochdruck, Diabetes, Dyslipidämie, Rauchen, Übergewicht, metabolisches Syndrom und Bewegungsarmut. Im Umkehrschluss müsste sich eine Behandlung dieser kardiovaskulären Risikofaktoren auch positiv auf die erektile Dysfunktion auswirken.

Tatsächlich belegen mehrere Studien, dass die erektile Dysfunktion sich durch Modifikation von Lifestyle-Faktoren und medikamentöse Therapie kardiovaskulärer Risikofaktoren bessern lässt.

In einer aktuellen Studie haben nun Bhanu P. Gupta et al. die Daten von insgesamt 740 ED-Patienten aus sechs Studien zusammengetragen (Arch Intern Med. 2011;171(20):1797-1803). In vier davon hatten die Autoren die Auswirkungen einer Lifestyle-Intervention, in zweien den Effekt von Statinen auf die erektile Dysfunktion ermittelt. Das mittlere Patientenalter lag bei 55,4 Jahren, die Studiendauer variierte zwischen 12 und 104 Wochen. Als Maßstab für die Verbesserung der erektilen Dysfunktion wurde der „International Index of Erectile Dysfunction“ (IIEF-5) herangezogen.

Ein Plus an Lebensqualität

Das Ergebnis der Metaanalyse: Nahm das kardiovaskuläre Risiko ab, besserte sich die Sexualfunktion um nahezu 2,7 Punkte im IIEF-5 (95% KI: 1,86–3,47). Das Resümee der Autoren: Wer etwas für sein Herz tut, bessert damit auch seine sexuelle Gesundheit, was wiederum zu einem Plus an Lebensqualität führt.

Die gegenwärtigen Empfehlungen zur Therapie der erektilen Dysfunktion beinhalten die Verschreibung von Phosphodiesterase-5-Inhibitoren. Gupta et al. attestieren diesen oralen Therapeutika hohe Effizienz; bei maximalen Dosierungen lassen sich im IIEF-5 Verbesserungen um sieben bis zehn Punkte erzielen. Die Reduktion kardiovaskulärer Risikofaktoren hat hier aber noch einen zusätzlichen Nutzen. In drei der untersuchten Studien nahmen die Teilnehmer, 240 Männer, parallel PDE-5-Hemmer ein. Hier ließ sich der IIEF-5-Score durch zusätzliche kardioprotektive Maßnahmen um weitere 2,1 Punkte verbessern (95% KI: 0,22–3,95).

Die Autoren plädieren dafür, die ED auch in der Praxis als frühen modifizierbaren Risikofaktor für die Entwicklung einer kardiovaskulären Erkrankung zu akzeptieren. Zwischen dem ersten Auftreten einer erektilen Dysfunktion und einer manifesten KHK liegen zwei bis fünf Jahre, es bleibt also ausreichend Zeit, zu intervenieren. Für den Arzt ist es ein Vorteil, eine klar begrenzte Patientengruppe vor sich zu haben, bei der er mit der Motivation zu einem gesünderen Lebensstil ansetzen kann. Und schließlich ist die erektile Dysfunktion, anders als die KHK, eine Störung, die vom Betroffenen schon sehr frühzeitig bemerkt wird.

 

Springermedizin.de/PH, Ärzte Woche 9 /2012

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