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Das Internet könnte mehr, als Patienten das Geld aus der Tasche zu ziehen, meinen Mediziner.
 
Urologie 31. Oktober 2011

Dr. Youtubes Rat zu Nephrolithiasis

Forscher schauten nach, ob ein Videoportal Patienten medizinische Inhalte seriös vermitteln kann.

Akshay Sood und Kollegen durchsuchten fast zweihundert Youtube-Videos zu relevanten Informationen in Bezug auf Nierensteine. Als Suchworte gaben sie „nephrolithiasis“, „renal calculi“, „renal stones“ und „kidney stones“ an. Nur Beiträge in englischer Sprache wurden bewertet.

 

Inhalte, die über Präventionsmaßnahmen und anerkannte Therapien aufklärten oder bekannte Symptome beschrieben, stuften die Wissenschaftler als nützlich ein.

In der Kategorie „irreführend“ landeten Darstellungen über pflanzliche Heilmittel, Diäten mit Bier, Cola oder Fleisch sowie selbsternannte Heiler, die versprachen, Steinleiden durch Hüpfen oder Heraussaugen zu beseitigen.

Eine dritte Gruppe bildeten Videos mit persönlichen Erfahrungen.

Die hochgeladenen Videos stammten unter anderem von Universitäten, Nachrichtenagenturen, sowie aus Heilwerbespots und von unabhängigen Nutzern.

Beruhigend: Fast zwei Drittel (58,3 Prozent) der Videos zeigten nach Meinung der Mediziner hilfreiche Inhalte, während 18,1 Prozent als eher irreführend eingestuft wurden. In mehr als einem Fünftel der Fälle schilderten Betroffene eigene Erfahrungen.

Unseriöses bleibt ungeklickt

Die meisten als informativ eingestuften Inhalte stammten von Youtube-Nutzern selbst. Aus dieser Quelle kamen aber auch die meisten als Fehlinformation kategorisierten Videos.

Universitäten veröffentlichten lediglich zehn Videos, öffentliche Regierungsstellen boten gerade mal einen Film an.

Die Mediziner werteten nicht nur die Quellen und den Inhalt aus, sondern auch die Anzahl der Zugriffe. Dabei schienen die Nutzer die Nützlichkeit der Videos gut einzuschätzen: Nur 2,8 Prozent der am Thema Interessierten sahen sich fragwürdige Informationen an. Dagegen klickten 47,2 Prozent auf die als nützlich eingestuften Seiten. Fast die Hälfte (49,9 Prozent) interessierte sich für persönliche Schilderungen Betroffener.

Auch die Benotung der Videos von Seiten der Konsumenten zeigte, dass die Internetsurfer Wichtiges von Unwichtigem trennen können: relevante Informationen wurden signifikant besser bewertet.

Kanal für Prävention

Vor dem Hintergrund, dass monatlich 50 Millionen Amerikaner Informationen zu Gesundheitsthemen aus dem Internet beziehen und Youtube als eine frei zugängliche Plattform täglich über 100 Millionen Nutzer anzieht, sahen die Autoren in dem Videoportal im Prinzip eine Chance für eine glaubwürdige Aufklärung. Auch wenn sie selbstkritisch anmerkten, dass das Studiendesign subjektiv und punktuell sei, wäre das Videoportal eine gute Möglichkeit, an Patienten heranzutreten und so ihr Verhalten präventiv zu beeinflussen. Es müssten allerdings mehr Inhalte aus zuverlässigen Quellen stammen.

 

 

Sood, A. et al.: Youtube as a Source of Information in Kidney Stone Disease. Urology 2011; 77 (3): 558-562

Springermedizin.de, Ärzte Woche 44 /2011

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