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Urologie 24. August 2011

Vom „bedside surgeon“ zum „console surgeon“

„Junior ERUS" ermöglicht jungen Urologen einen Zugang zur roboterassistierten Operationstechnik.

Der Gebrauch des Da-Vinci-Systems wächst in der urologischen Landschaft Europas und macht so die Notwendigkeit einer Ausbildung in dieser neuen Technologie durch Experten deutlich. Junge Urologen haben in Hamburg Ge­legenheit, sich entsprechendes Know-how zu holen.

Die stetige Zunahme roboterassistierter Operationen in der Urologie spiegelt sich auch in der wachsenden Bedeutung der European Robotic Urology Society (ERUS) wider. Die Teilnehmerzahl des ERUS-Kongresses stieg von Jahr zu Jahr, und der 10. ERUS-Kongress, der im Herbst 2010 in Bordeaux, Frankreich, stattfand, entwickelte sich zum meistbesuchten urologischen „Robotic Meeting" weltweit. Dieser Kongress wurde vom ersten Junior-ERUS-Meeting eröffnet, einer Unterabteilung der ERUS, welche sich, bestehend aus jungen robotisch tätigen Urologen, an den robotisch interessierten urologischen Nachwuchs wendet.

Von „Junioren" für „Junioren"

Der Gebrauch des Da-Vinci-Systems wächst in der urologischen Landschaft Europas in einem außerordentlichen Maße und macht so die Notwendigkeit einer Ausbildung in dieser neuen Technologie durch Experten deutlich. In den kommenden Jahren werden nahezu alle größeren Krankenhäuser im Besitz eines Da-Vinci-Systems sein, und von den zukünftigen urologischen Chirurgen wird neben fundierten Kenntnissen in offenen Operationen auch der sichere Umgang mit dieser Techno­logie erwartet. Zum jetzigen Zeitpunkt sind jedoch die Trainings­möglich­keiten roboterassistierter Operationen für junge Urologen sehr limitiert, und von einem gut entwickelten ­Ausbildungsprogramm sind wir weit entfernt.

Das Ziel der Junior-ERUS ist, sich dieses Problems anzunehmen. Sie wendet sich an Urologen, die erste robotische Erfahrungen sammeln möchten. Ihnen wird eine Basis für den Zugang zur roboterassistierten Operationstechnik geboten. Im Wesentlichen wurde die Junior-ERUS also von „Junioren" für „Junioren" gegründet. Während die Hauptzielgruppe sich in der Weiterbildung befindliche Urologen und junge Fachärzte bis zum 40. Lebensjahr sind, wird dennoch niemand ausgeschlossen.

Rückblick auf Padua

Während des 9. ERUS-Kongresses 2009 in Padua, Italien, hatte eine Gruppe junger robotisch tätiger Urologen das Bedürfnis, ihre Erfahrungen mit anderen gleichgesinnten Kollegen zu teilen. Mit der Unterstützung der ERUS konnte die Junior-ERUS schließlich während des ERUS-Kongresses 2010 offiziell vorgestellt werden und dort ein Symposium abhalten. Mehr als 60 Urologen nahmen an dieser Sitzung teil. Das Programm beinhaltete einerseits Aspekte des Lehrens und Lernens roboterassistierter Chirurgie und andererseits einen schrittweisen Zugang zur radikalen Prosta­tektomie mit dem Ziel, eine schematische Einführung in diesen bedeutsamen roboterassistierten Eingriff zu vermitteln.

Einer der Höhepunkte war die Vorstellung eines modularen Trainingskonzeptes der roboterassistierten OP-Technologie, wie es bereits von Prof. Dr. Jens Uwe Stolzenburg, Leipzig, für die laparoskopische Prostatektomie entwickelt wurde. Mit der Umsetzung eines solchen Trainingsmodells für die roboterassistierte radikale Prostatektomie wäre ein in der robotischen Ausbildung befindlicher Chirurg bereits mit Erreichen eines mittleren Erfahrungslevels in der Lage, einen Großteil des Eingriffes eigenständig durchzuführen, und nur noch für besonders schwierige Schritte auf die Hilfe eines erfahrenen Operateurs angewiesen. Dies würde durch mehr praktische Erfahrung zu einer schnelleren Entwicklung auch in den diffizileren Operationsschritten führen. Im Vergleich dazu bestehen konventionelle Ausbildungsmethoden häufig darin, dass der erfahrene Chirurg den Auszubildenden immer wieder den Beginn eines Eingriffes bis zu dem Punkt, an dem er nicht mehr weiter kommt, durchführen lässt. Das führt unweigerlich dazu, dass der „Junior" eigentlich leichte Operationsschritte, die jedoch erst nach dem limitierenden diffizilen Punkt folgen, verpasst. Die Verwendung eines „Da-Vinci-Si-Dualkonsolen-Systems" in Trainingszentren könnte die bislang eher schleppende Einführung eines solchen modularen Ausbildungskonzeptes vereinfachen.

Das Junior-ERUS-Symposium wurde abgeschlossen durch die Präsentation des besten Video- und Posterbeitrags junger Urologen. Die Preise bestanden in einem von Intuitive Surgical gesponserten einmonatigen Fellowship in einem europäischen Trainingscenter der eigenen Wahl. Die letztjährigen Gewinner werden ihre Fellowship-Erfahrungen während des Junior-ERUS-Symposiums 2011 präsentieren.

Auch zukünftig hat Junior-ERUS große Ambitionen. Neben der Unterstützung junger Urologen wird versucht, Trainingsprojekte und Fellowships zu fördern und zu sponsern.

Junior-ERUS 2011 in Hamburg

Das Junior-ERUS-Board hat inzwischen ein Programm für sein nächstes Symposium, welches als Teil des 11. ERUS-Kongresses vom 5. bis 7. Oktober 2011 in Hamburg stattfinden wird, erstellt. Das Halbtages-Meeting wird sich auf die Schwerpunkte zum Thema Training inklusive aller notwendigen Schritte zum console surgeon konzentrieren. Existierende und zukünftige Trainings- bzw. Ausbildungsmethoden werden evaluiert und die wichtige Rolle des bedside surgeon beleuchtet. Zunächst werden die Prinzipien der Konsole erklärt, um im Folgenden eine schrittweise Einführung in die roboterassistierte radikale Prostatektomie als ein Basiszugang zu dieser Technologie zu vermitteln. Ziel ist es, einen schematischen Überblick zu geben, der Anfängern den Eingriff erleichtert.

Außerdem wird erneut eine „Golden-Presentation-Session" abgehalten, in der Preise für die beste Video- und Posterpräsentation vergeben werden. Dies sind ein vollständig finanziertes einmonatiges Fellowship in einem Robotic-Zentrum, eine kostenlose Registrierung für den ERUS 2012 sowie eine kostenlose Teilnahme an der ERUS-Masterclass. Die Themen der Video- und Posterbeiträge sind begrenzt auf die Aspekte „Lab training", Lagerung des Patienten, Assistenz am OP-Tisch oder grundsätzliche Tipps und Tricks für den beginnenden Konsolenchirurgen. Die Abstracts wurden durch das Junior-ERUS-Board evaluiert und die besten Beiträge werden während des Junior-ERUS-Symposiums präsentiert. Die Teilnehmer des Symposiums wählen den Gewinner. Alle für eine Präsentation während des ERUS-Kongresses ausgewählten Abstracts der Video- und Posterbeiträge werden in einem Abstract-Band des European Urology Supplement publiziert.

www.erus2011.com

Weitere Informationen:
Junior ERUS Board
Dr. Daniel Porres, FEBU
Klinik und Poliklinik für Urologie, Universitätsklinikum der RWTH Aachen; EURO Prostatazentrum Aachen
E-Mail:


 

 

Von D. Porres, Ärzte Woche 34/2011

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