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Urologie 27. Juni 2011

Operation zur Behandlung der weiblichen Belastungsinkontinenz

SPARC erweist sich als ein sicheres und effizientes Verfahren bei jedem BMI.

Unsere Ergebnisse zeigen, dass das SPARC-Verfahren bei Patientinnen aller BMI-Kategorien sicher und effizient angewendet werden kann und eine exzellente Methode zur operativen Behandlung der weiblichen Belastungsharninkontinenz darstellt.

 

Übergewicht ist weltweit auf dem Vormarsch. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt bis 2015 mit ca. 2.3 Milliarden Übergewichtigen und mehr als 700 Millionen Patienten mit Fettleibigkeit.

Die Belastungsharninkontinenz ist die häufigste Form der Harninkontinenz bei der Frau und stellt ein gesellschaftliches Gesundheitsproblem von enormer Tragweite dar. Dieses Krankheitsbild betrifft weltweit nahezu 41 Prozent der weiblichen Bevölkerung. In Österreich leiden geschätzt 1 Million Einwohner an Belastungsharninkontinenz, davon sind ca. 85 Prozent Frauen. Es gibt zahlreiche Studien, die den Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und Harninkontinenz zeigen.

Die Operation soll die Belastungsharninkontinenz wirkungsvoll behandeln, schwerwiegende Komplikationen vermeiden, stabile Langzeitresultate gewährleisten und die Lebensqualität entscheidend verbessern.

Schlingenimplantation

Seit Einführung der spannungsfreien Vaginalbänder (TVT) 1995 zur Behandlung der weiblichen Belastungsharninkontinenz wurden zahlreiche modifizierte Systeme der Suburethralschlingen entwickelt. Trotz der teils unterschiedlichen Nebenwirkungsprofile sind alle Schlingensysteme (retropubisch, transobturatorisch, Minischlingen) sehr effektiv in der Behandlung der weiblichen Belastungsinkontinenz.

Im Rahmen unserer retrospektiven Studie wurden 151 Frauen mit urodynamisch verifizierter Belastungsharninkontinenz im Zeitraum von Juni 2001 bis März 2009 mittels SPARC-Schlingenimplantation behandelt. Alle Operationen wurden von einem Operateur (G.P.) durchgeführt. Da ein Minimum-Follow-up von zwölf Monaten festgesetzt wurde, flossen die Daten von 93 Patientinnen in unsere Analyse ein. Auch Patientinnen mit Mischharninkontinenz und nach vorangegangener Harninkontinenzoperation wurden eingeschlossen.

Ausgeschlossen wurden Frauen mit neurologischen Erkrankungen oder Vaginalprolaps > Grad 2 entsprechend des POP-Quantifizierungssystems. Die 93 Patientinnen wurden in Abhängigkeit ihres Body Mass Index nach WHO in drei Gruppen unterteilt:

  • Gruppe A: Normalgewichtige (BMI 18,5 -< 25 kg/m2),
  • Gruppe B: Übergewichtige (BMI 25-< 30 kg/m2),
  • Gruppe C: Fettleibige (BMI > 30 kg/m2).

Präoperativ erfolgten eine genaue Anamnese, eine urogynäkologische Untersuchung, eine Urodynamik im Sitzen, eine Harnanalyse, ein dreitägiges Miktionsprotokoll und eine Zystoskopie. Präoperativ und im Follow-up wurden ein Hustentest (Stresstest) im Stehen mit 250 ml Blasenfüllung, ein Pad-Test nach Hahn und Fall und eine Uroflowmetrie mit Restharnmessung durchgeführt.

Die objektive Heilungsrate wurde definiert als negativer Stress-Test und Pad-Test ≤ 1 g, eine Verbesserung als Pad-Test >1 g-≤ 5 g mit oder ohne positivem Stresstest. Die subjektive Heilungsrate wurde festgelegt als kein Vorlagengebrauch. Weiters wurde die Selbsteinschätzung des Schweregrades der Beeinträchtigung durch die Belastungsinkontinenz mittels Visueller Analog Skala (VAS 0–10) quantifiziert. Es erfolgte auch eine Befragung der Patientinnen über die Zufriedenheit mit dem Operationsergebnis und ob sie sich dieser Operation rückblickend erneut unterziehen würden.

Das durchschnittliche Follow-up betrug 7,6 Jahre. Postoperativ waren der Pad-Test und die Selbsteinschätzung des Schweregrades der Beeinträchtigung signifikant verbessert.

Die objektive Heilungsrate betrug 76 Prozent, 76 Prozent und 49 Prozent für normalgewichtige, übergewichtige und fettleibige Patientinnen. In der Univariatanalyse zeigte sich nur bei kontinuierlich kodiertem BMI ein statistisch signifikanter Zusammenhang mit der objektiven Heilungs- rate (p=0,02). In der Multivariatanalyse nach Ausschluss mehrerer Parameter (Effekt von Alter, Anzahl der Geburten, vorangegangene Harninkontinenzoperation, Vorhandensein von Mischinkontinenz und des MUCP (maximalen Urethraverschlussdrucks) war der BMI, sowohl kontinuierlich (p=0,1) als auch kategorisch kodiert (p=0,3), kein unabhängiger Vorhersagewert mehr.

Hohe Zufriedenheit

Auch in der Univariat-(p=0,1)- und Multivariatanalyse (kontinuierlich p=0,5; kategorisch p=0,7) bezüglich der subjektiven Heilungsrate und der Patientenzufriedenheit (Univariat- p=0,1; Multivariat kontinuierlich p=0,1; kategorisch p=0,7) war der BMI kein unabhängiger Vorhersagewert. Die Patientenzufriedenheit in unserem Kollektiv lag bei 92 Prozent, 85 Prozent und 80 Prozent bei normalgewichtigen, übergewichtigen und fettleibigen Patientinnen.

Doz. Dr. Günter Primus und Dr. Katja Fischereder sind an der Universitätsklinik für Urologie in Graz tätig. 

 

Die SPARC-Methode
Die SPARC-Methode (SupraPubic ARC, up-down) wurde entwickelt, um die Komplikationen bei der blinden Passage des TVT (down-up) durch den retropubischen Raum zu verringern. Bei diesem Verfahren werden deutlich schmälere Trokare mit einer abgerundeten Spitze verwendet und direkt auf den Finger des Operateurs zugestochen. Es sollen möglichst Blasen-, Darm- und Gefäßverletzungen vermieden werden.

Von K. Fischereder und G. Primus , Ärzte Woche 26 /2011

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