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Urologie 21. Juni 2011

Erektile Dysfunktion ansprechen

Patienten sollen nach Potenzproblemen gefragt werden, denn oft schweigt mann lieber darüber.

Im Rahmen der Vorstellung der Kampagne „Frauen, die auf Männer schauen“ (die Ärzte Woche berichtete) ging Dr. Karl Dorfinger, Präsident des Berufsverbandes der Urologen und Landesfachgruppenobmann für Urologie der Ärztekammer für Wien, besonders auf die Erektile Dysfunktion als Prädiktor für kardiovaskuläre Erkrankungen ein.

 

Eine erektile Dysfunktion kann Vorbote einer beginnenden Erkrankung der Herzkranzgefäße sein. Um dem Problem durch eine rechtzeitige Diagnose begegnen zu können, haben Experten aus den Bereichen Allgemeinmedizin, Urologie und Innere Medizin bzw. Kardiologie einen Konsensusbericht erstellt und die Erektile Dysfunktion (ED) aus Sicht ihrer jeweiligen Fachrichtung beleuchtet. Der Konsensus entstand unter Patronanz der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie, des Berufsverbandes der österreichischen Urologen und der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin ÖGAM. Ärzte müssen die Patienten aktiv auf Potenzprobleme ansprechen.

Am 20. Oktober 2010 wurden bei einem Konsensus-Meeting in Wien Empfehlungen erarbeitet, wie interdisziplinär mit dem Problem umgegangen werden soll. Die Grundlage für den Konsensus (Österreichische Ärztezeitung, Supplementung April 2011) sind internationale evidenzbasierte Leitlinien, EAU-Guidelines und die Empfehlungen der Second Princeton Consensus Conference (Princeton II). Unter anderen wurden folgende Feststellungen einstimmig getroffen:

  1. Erektile Dysfunktion ist ein unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen.
  2. Sie ist mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko behaftet.
  3. Verschiedene Wohlstandserkrankungen, wie Hypertonie, Fettstoffwechselerkrankungen, Diabetes mellitus, sind mit ED korreliert.
  4. Frühzeitige Abklärung und konsequente Lebensstilberatung können die ED verbessern und Todesfälle verhindern.

Wer an ED leidet, sollte immer als Patient mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko gesehen werden. Blutdruckmessung, die Bestimmung von Nüchternlipiden und -glukose, und, bei Männern mit ED, die chronisch erkrankt sind (z. B. mit Diabetes), sowie bei jenen, die auf eine PDE-5-Hemmer-Therapie nicht ansprechen, auch der Testosteronspiegel, gehören zur Befunderhebung. Neben der Erfassung der bekannten Risikofaktoren kommt auch der familiären Anamnese ein wesentlicher Stellenwert zu. Die ED ist häufig Zeichen für ein drohendes myokardischämisches Geschehen. Ein beginnendes Gefäßproblem kann somit schon in der Frühphase erkannt werden.

Eine signifikante Verbesserung der ED durch intensive Blutdrucksenkung bei hypertensiven Männern wurde nachgewiesen. Bei Männern mit ED und Hypercholesterinämie kommt es durch die Therapie mit Statinen zu einer deutlichen Verbesserung der Potenzstörung.

Die klinische Datenlage unterstützt die Anwendung von PDE-5-Hemmern als First-line-Therapie bei ED und Komorbiditäten wie stabiler KHK oder Diabetes. Diabetiker haben ein dreimal höheres ED-Risiko als Nichtdiabetiker; zudem tritt die ED bei ihnen bis zu 15 Jahre früher auf. Die frühzeitige Behandlung mit Statinen und PDE-5-Hemmern kann den arteriellen Blutfluss bei Typ-2-Diabetikern verbessern und bei asymptomatischer KHK die Zahl schwerer kardialer Ereignisse deutlich reduzieren.

Männer mit ED und niedrigem kardialen Risiko sollten hinsichtlich ihres Lebensstils beraten werden und können ohne weitere Abklärung eine Medikation gegen ED erhalten. Bei Männern mit intermediärem und hohem kardialen Risiko muss eine weitere Risikoabklärung erfolgen.

 

Quellen: Statement von Dr. Dorfinger am 12. Mai in Wien; Aussendung zum Konsensusbericht.

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