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Foto: Archiv Stadt Klagenfurt Fritzpress
Bei der Eröffnung tropfte es nicht nur beim Lindwurm, sondern es regnete in der ganzen Region. Trotzdem wurde die Tagung ein voller Erfolg.

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Foto: Privat

Prim. Dr. Klaus Jeschke ÖGU-Präsident, Klinikum Klagenfurt/Wörthersee

 
Urologie 21. Juni 2011

Gesicht statt Poster zeigen

Prim. Dr. Klaus Jeschke, Präsident der ÖGU, berichtet im Gespräch mit der Ärzte Woche rückblickend über die Ziele und Hotspots der Jahrestagung in Klagenfurt.

Zum ersten Mal fand die gemeinsame Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie und der Bayerischen Urologenvereinigung in Kärnten statt. Das Wetter spielte zwar nicht ganz so wie erhofft mit, was aber dem wissenschaftlichen und persönlichen Austausch keinen Abbruch tat.

 

Die Themenschwerpunkte waren diesmal die Laparoskopie, der Nierentumor und der Nebennierentumor. Warum gerade diese?

Jeschke: Diese Themen habe ich ausgewählt, weil das die Schwerpunkte sind, mit denen sich unsere Abteilung einen Namen gemacht hat. Wir sind sehr früh in die Urolaparoskopie eingestiegen und damit weltweit bekannt geworden. Wir haben lange Zeit die weltgrößte Serie in der laparoskopischen Nierentumorchirurgie gehabt, bis wir vor rund neun Jahren von Cleveland überholt wurden. Inzwischen sind die großen Zentren natürlich viel weiter als wir. Das liegt auf der Hand, denn nach Cleveland kommen Patienten aus ganz Amerika und die Patientenzahl in Klagenfurt ist viel geringer. Aber in Österreich gibt es kaum eine urologische Abteilung, aus der nicht Mitarbeiter da waren, um sich laparoskopische Operationen anzusehen. Viele Kollegen haben wegen der Laparoskopie auch einen Teil der Ausbildung bei uns gemacht. Da bei uns die Laparoskopie der Niere überwiegt und nicht die der Prostata, ergab sich als weiterer Schwerpunkt eben der Nieren- und der Nebennierentumor.

 

Das Programm war ja sehr umfangreich. Was waren, abgesehen von den Themenschwerpunkten, Highlights des Kongresses?

Jeschke: Der Freitag mit der Nebennieren- und Nierentumor-Sitzung war meiner Meinung nach fachlich sehr gut. Wenn man die Themenschwerpunkte weglässt, war am Samstag der ESU-Kurs mit Prof. Hassan Abol-Enein aus Ägypten und Dr. Lorenzo Martinez-Pineiro aus Madrid ein echtes Highlight. Es ging um Urotraumatologie, also um Verletzungen im Urogenitaltrakt. Das war qualitativ höchstwertig, und es ist auch etwas, was man sonst selten zu hören bekommt. Das war sicher ein fachliches Highlight.

 

Auch Ihr persönliches Highlight?

Jeschke: Leider bekommt man als Kongresspräsident nicht viel von den Vorträgen mit, weil man überall gleichzeitig sein muss. Ich habe mich schon vorher deklariert, dass ich mich auf diesen ESU-Kurs freue, weil man sehr selten über dieses Thema profund Auskunft bekommt. Ich war in dem Kurs selbst eine Stunde drin – er hat ja drei Stunden gedauert – und habe bedauert, dass ich nicht länger drinnen sein konnte. Ich muss ehrlich sagen: Für mich persönlich war das, neben den von mir gewählten Schwerpunkten, mit Abstand das Interessanteste.

 

Eine Veranstaltung trug den Titel „Albtraumsitzung“. Was muss man sich darunter vorstellen?

Jeschke: Die Albtraumsitzung läuft schon lange, nicht nur bei diesem Kongress. Das ist interessanterweise immer etwas, was die Leute sehr anzieht. Sie wird von der GeSRU (German Society of Residents in Urology) gehalten. Von jungen Kollegen in Ausbildung werden Fälle mit oft haarsträubenden Verläufen präsentiert – eben Fälle, die für die Beteiligten ein Albtraum waren. Mit Ausnahme des Moderators kennt niemand den Fall. Die Präsentation wird immer wieder unterbrochen und ein Experten-Panel befragt, wie in der entsprechenden Situation besser hätte gehandelt werden sollen. Am Ende wird der Fall aufgelöst.

Mein Wunsch war, dass Prof. Othmar Zechner vom Wiener Wilhelminenspital moderiert und er in die Fälle eingeweiht ist. Wenn der Moderator den Fall kennt, kann er das Experten-Panel entsprechend befragen – und die Sache so besonders spannend machen. Die Sitzung war sehr gut besucht, obwohl keine sensationellen Fälle vorgestellt wurden. Die Präsentation war sehr, sehr gut.

 

Was macht einen regionalen Kongress aus wie den österreichisch-bayerischen, im Gegensatz zu den ganz großen internationalen Veranstaltungen?

Jeschke: Was ich so wichtig finde, ist, dass man sich nach den Vorträgen auf einer Ebene trifft, es gibt ja dafür auch ein Rahmenprogramm. Das ist für diese Tagung ganz entscheidend, weil man sich da wirklich kennen lernt, da werden Freundschaften geschlossen und intensiviert. Das ist bei einer solchen Tagung viel eher möglich als etwa beim europäischen oder amerikanischen Kongress. Uns war bei dieser Tagung auch wichtig, dass es keine Poster gibt, sondern dass jeder seinen Beitrag mündlich präsentiert. So können die jungen Kollegen auch ein bisschen in das Fach hineinwachsen. Man kann nachher mit ihnen Kontakt aufnehmen und ihnen Rückmeldung geben. Es entstehen Gesichter und Profile hinter diesen Beiträgen. Ich denke, das ist uns gut gelungen.

 

Das Gespräch führte Patricia Herzberger

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