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Urologie 12. Mai 2011

Kolumne: Von Zapfsäulen und PSA-Tests

Männer und Gesundheit. Das ist wie Katz´ und Maus. Und wenn es noch dramatischer sein soll, dann braucht man eine Steigerung wie "Tag und Nacht". Das wären dann Männer und Urologen zum Beispiel. Steht doch die Zunft der Urologie landläufig für die Medizin der Manneskraft. Das ist ein doppeltes Handicap. Wie soll ein Mann der freiwillig kaum den Weg in ein Wartezimmer findet, den freiwilligen Gang zum Urologen wagen? Und warum, so fragt sich mancher Mann seit einigen Jahren, muss "Männergesundheit" überhaupt thematisiert werden?

Zwei Fragen, die seit der Vermarktung von PSA Tests vorrangig mit Kommunikationsexperten diskutiert werden. Lösungen bleiben sie uns schuldig. Aber an amüsanten Ideen mangelt es nicht.

Das zweitbeste Stück des Mannes

Wie in Kärnten zum Beispiel. Wo die Umsetzung einer Prostatakrebs-Früherkennungskampagne mit einem einfachen und archetypischen Kommunikationsweg gelöst wurde: der Tankstelle nämlich. Zwischen symbolträchtiger Zapfsäule und dem zweitbesten Stück des Mannes - seinem Auto - wurde heftig um dessen Gesundheit geworben. Die Frage an den aufmerksamen Lenker: "Schützen Sie Ihr Auto besser als sich selbst?"

Wie viel Zeit, so stellt sich da gleich die Frage, investiert ein Mann in der Woche für sein Auto? Mit putzen, glanzpolieren oder simplen Schraubarbeiten? Obwohl jedes noch so einfache männliche Gemüt versteht, dass das eigene Leben wichtiger als das des Autos ist, bleibt es trotzdem unvorstellbar diese Stunden freiwillig in vernünftig abgesessene Zeit in stickigen Wartezimmern für Vorsorgeuntersuchungen, PSA-Tests oder für Männer-Gruppengymnastik zu investieren. Und Hand aufs Herz, welche Frau würde Ihre Stricknadeln für einen PAP-Test beim Gynäkologen sofort fallen lassen?

Der entmündigte Mann 

Deshalb haben sich jetzt die Kommunikationsexperten der Österreichischen Urologen für einen weitaus listigeren Plan entschieden: Künftig ist nicht der Mann der Ansprechpartner für seine Gesundheit sondern seine Frau. Die neue Kampagne für Männergesundheit, die heute unter dem Titel „Frauen, die auf ihre Männer schauen“ präsentiert wurde, ist das Ende. Entweder das des Mannes, der künftig dem Leben eines Entmündigten tapfer entgegen tritt  oder das einer langen Ehe, weil er sich das nicht bieten lässt.

Auf alle Fälle heißt das nichts Gutes: Mann emanzipiert sich oder Mann fügt sich.  In die individuellen Spielregeln einer langen Beziehung trauen sich nicht einmal die besten Freunde einzugreifen. Im Idealfall geht das Paar allerdings gestärkt aus dem Konflikt und hat in Zukunft einen gemeinsamen Feind und der ist hoffentlich nicht der Urologe, sondern die Frau des ungeliebten Nachbarns.

Andrea Niemann

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