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Urologie 16. März 2011

Inkontinent, aber geschult

Einen wichtigen Beitrag zur Patientenberatung steuern Pflegekräfte bei.

Patientenschulung und Patientenberatung sind wichtige Pfeiler, um den Erfolg einer Behandlung sicherzustellen. Die Beratung von Personen mit Inkontinenz ist, da es sich meist um ältere Personen handelt, mit speziellen Herausforderungen und Anforderungen verbunden. Dr. Elke Müller, Pflegewissenschaftlerin am Geriatrischen Zentrum des Bethanien-Krankenhauses Heidelberg, stellte bei der 1. Dreiländerfachtagung „Professionelle Kontinenzförderung – Argumente, Antworten und Visionen“ im vergangenen Sommer in Berlin Konzepte vor.

„Die Professionalisierung der Pflegeberufe, die Komplexität und Diversität im Gesundheitswesen, aber auch die Einrichtung von Pflegestützpunkten und die Etablierung nationaler Expertenstandards machen Beratung in der Pflege zu einem wichtigen Bestandteil“, stellte Müller fest. Wobei unter Beratung ein nach methodischen Gesichtspunkten gestalteter Problemlösungsprozess zu verstehen sei, der die Rat suchende Person darin unterstützen soll, eigene Kompetenzen in der Bewältigung von Problemen zu verbessern, also Ressourcen-orientiert ist. Der Berater müsse unter anderem über Methodenvielfalt, Feldkompetenz und die Fähigkeit zur Selbstreflexion verfügen.

Als Ziele der Beratung nannte Müller unter anderem Hilfestellung zur Auseinandersetzung mit einer neuen oder veränderten Lebenssituation und zur Wiedererlangung verlorener Ressourcen ebenso wie etwa Hilfsmittelberatung.

In der Kontinenzberatung sind die Ziele klar und vielfältig:

  • Wiedererlangung/Erhaltung von Kontinenz
  • Alltagsbezogene Kompensation von Inkontinenz
  • Selbstständigkeit
  • Unabhängigkeit von Hilfsmitteln bzw. adäquate Hilfsmittelversorgung
  • Psychosoziale Sicherheit.

Grundsätzlich können Beratungsgespräche durch Pflegekräfte hochschwellig, also auf der Ebene einer Institution, in die sich der Betroffene erst begeben muss, oder niederschwellig, auf der Ebene eines präventiven Hausbesuchs oder im Rahmen der Pflegegeldbegutachtung, stattfinden.

Im Vorfeld des Beratungsgesprächs stehe, so Müller, die interdisziplinäre Kontinenzvisite: „Die Kontinenzvisite ist eine regelmäßig stattfindende strukturierte Besprechung von Patienten mit Kontinenzproblemen basierend auf der Pflegedokumentation, der ärztlichen Dokumentation und Berichterstattung der Teilnehmenden. Sie ist eine Form der aufsuchenden Beratung von Pflegefachkräften und/oder Betroffenen durch Kontinenzexperten.“

Daran nehmen die Kontinenzberaterin, die zuständige Pflegekraft, der zuständige Arzt und gegebenenfalls die betroffene Person teil. Dieses Instrument dient in erster Linie der Beratung der Pflegefachkräfte durch die Kontinenzexpertin. Ziele der Kontinenzvisite sind einerseits patientenbezogen, andererseits mitarbeiterbezogen und schießlich institutionsbezogen. Es geht darum, das Kontinenzproblem einzuschätzen und Diagnostik und Therapie zu initiieren. Weiters um die Festlegung der Art und Menge der Hilfsmittel und schließlich auch um die Kontrolle der Umsetzung.

Für die Pflegekräfte bietet die Kontinenzvisite Beratung und Supervision und die Unterstützung im Theorie-Praxis-Transfer. Für die Institution stellt sie einen Beitrag zur Qualitätsentwicklung bzw. -sicherung und ein Instrument des Benchmarkings dar. Aus vielerlei Gründen sind also Beratungsgespräche im Zusammenhang mit Kontinenz wichtig, unterstrich Müller.

 

Quelle: Präsentation Dr. phil. Elke Müller an der 1. Dreiländerfachtagung Kontinenzberatung „Professionelle Kontinenzförderung – Argumente, Antworten und Visionen“ der Charité – Universitätsmedizin Berlin, 24. Juni 2010 in Berlin

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