zur Navigation zum Inhalt
 
Urologie 1. Dezember 2010

Männer mit überaktiver Blase untertherapiert?

In einer Studie, die im Journal European Urology erschienen ist, wurde die Diagnose- und Therapiesituation in Abhängigkeit vom Geschlecht analysiert.

Wenn es um Symptome der überaktiven Blase (ÜAB) geht, wird meist besonders auf die Situation der Frauen geachtet. Zu Unrecht, wie amerikanische Urologen behaupten.

 

Prof. Dr. Brian T. Helfand (Northwestern University, Feinberg School of Medicine, Chicago/IL, USA) und sein Team erklären, dass es ganz offensichtlich Männer gibt, auch die mit benigner Prostatahyperplasie, welche Symptome einer überaktiven Blase aufweisen, die auf eine anticholinergische Behandlung ansprechen. Die Mediziner hatten den Verdacht, dass trotzdem nur wenige von den Betroffenen Medikamente zur Verbesserung ihrer Situation erhielten.

Frauen liegen deutlich vorn

Daher untersuchten sie, wie oft bei Männern und Frauen Medikamente zur Behandlung einer überaktiven Blase erhalten, seien es Anticholinergika oder trizyklische Antidepressiva. Die Daten zu dieser Untersuchung stammen aus dem amerikanischen IMS Health Data Set.

Von den 7.244.501 Patienten im Alter von 45 Jahren und darüber mit ÜAB-Diagnose wurden 24,4 Prozent behandelt. Von denjenigen, die eine Therapie erhielten, waren 25,6 Prozent Männer. Die Häufigkeit sowohl der Diagnose als auch der Behandlung stieg bei Frauen und Männern mit dem Alter an. In jeder Altersgruppe wurden jedoch Männern deutlich seltener Medikamente verschrieben.

Im Detail wurden 452.735 (17,1 Prozent) von den 2.647.539 Männern mit ÜAB-Diagnose Medikamente verschrieben. Bei den Frauen waren es von den 4.596.962 (28,6 Prozent) mit Diagnose 1.314.342, die eine Verschreibung erhielten.

Schlussfolgerung

Die Autoren fassen zusammen, dass viele Patienten trotz vorliegender ÜAB-Diagnose keine medizinische Behandlung erhalten. Darüber hinaus würden Männer signifikant seltener mit ÜAB-Medikamenten therapiert, obwohl die entsprechenden Mittel auch für Männer zunehmend wichtiger würden.

 

Quelle: Helfand, B. T. et al.: A Comparison of the Frequencies of Medical Therapies for Overactive Bladder in Men and Women: Analysis of More Than 7.2 Million Aging Patients. European Urology 2010; 57: 586-91; doi:10.1016/j.eururo.2009.12.025

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben