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Urologie 1. Dezember 2010

An der Schnittstelle von Urologie und Dermatologie

Bei der Behandlung von Hauterkrankungen des äußeren Genitales gilt es, Häufigkeit und Bedrohlichkeit richtig einzuschätzen.

„Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Urologen ist äußerst wichtig und funktioniert sehr gut“, sagte Prof. Dr. Helmut Hintner, Dermatologe an der Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg. Er informierte auf der Fortbildungstagung der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie in Linz über die Dermatologie des äußeren Genitales und was ein Urologe darüber wissen muss.

 

Der Genitalbereich birgt eine „Schnittstellenproblematik“, die neben dem Gynäkologen vor allem den Urologen und den Dermatologen betrifft. Gemeinsam mit dem Patienten muss abgeklärt werden, ob auch außerhalb des Genitalbereichs Veränderungen an der Haut- bzw. Schleimhaut vorliegen. Diese können Teil einer generalisierten oder auch Systemerkrankung sein (z. B.: Lichen ruber planus, Scabies, Morbus Reiter). Als eine postinfektiöse, seronegative Spondylarthropathie ist etwa ein Morbus Reiter gekennzeichnet durch die Symptomtrias Urethritis, Konjunktivitis und Arthritis der großen Gelenke. Auch eine Balanitis circinata an der Glans kann Teil eines Morbus Reiter sein.

Hautveränderungen können auf den Genitalbereich begrenzt sein, wie beim fixen Arzneimittelexanthem, das durch Barbiturate, Sulfonamide, Phenolphtalein oder nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) ausgelöst wird. Mit zunehmender Zahl der Rezidive bekommt dieses Leiden Crescendocharakter, rezidiviert auch in loco und kann bei schwerem Verlauf bullös werden. Seltener ist das Schleimhautpemphigoid, das zu den bullösen Autoimmundermatosen gehört und gravierende Folgen bis hin zu Erblindung, Stenose oder Obstruktion von Lumina haben kann. Darum ist beim Auftreten der ersten Läsion unbedingt eine Biopsie vorzunehmen.

Sexually transmitted disease

Die Candida-Balanitis ist gekennzeichnet durch eine meist nur wenige Tage dauernde Rötung, Schwellung und mildes Brennen, wobei auch starke Ausprägungen mit Pusteln und Schuppenkrausen möglich sind. Sie ist mit einer antimykotischen Lokaltherapie einmalig (200 mg Itraconazol) gut behandelbar. Infektionsquelle ist als „sexually transmitted disease“ die Candida-Vulvovaginitis. Aus diesem Grund kommt dem Patientengespräch eine besonders wichtige Bedeutung zu, wenn nötig ist auch der Partner einzubeziehen.

Bei der Vulvovaginitis herpetica (Balanoposthitis, Proktitis, Zervititis) handelt es sich um eine äußerst schmerzhafte Erstinfektion mit dem Herpes-Virus, wovon meistens junge Mädchen betroffen sind. In den meisten Fällen ist das Virus nicht durch Geschlechtsverkehr übertragen worden. Eine Herpes-Infektion kann auch Ursache für eine Erythema exsudativum multiforme (einfach nachzuweisen mit dem Tzanck-Test oder der direkten Immunfluoreszenzmethode). Der Herpes genitales gilt außerdem als wichtige Eintrittspforte für eine HIV-Infektion.

Mimikry

Eine Bindewebserkrankung wie das Lichen sclerosus et atrophicans weist Primäreffloreszenzen in Form von gruppierten, elfenbeinfarbenen, hyperkeratotischen Papeln und Plaques auf, die mit starkem Juckreiz verbunden sein können. Lokale Kortikostereoide können die Symptome mildern, verhindern aber nicht den progredienten Verlauf, wobei am Ende eine Zirkumzision stehen kann. Häufig auch nicht erkannt wird die Kranzfurchenlymphangitis (Lymphopathia venerea). Merkmal ist die akute, derbe, prall-zystische, strangartige und schmerzlose Verhärtung mit unklarer Ätiologie, mögliche Ursachen sind Traumen (z. B. forcierter Geschlechtsverkehr).

Klinische Ähnlichkeiten wie bei der Plasmazellulären Balanitis (Morbus Zoon) erfordern eine eindeutige Abklärung am besten durch eine Probeexzision. Zur Verwechslung geeignet ist auch die Reinlichkeitsbalanitis, ein Barriereschaden, der durch exzessives Waschen mit Seife hervorgerufen wird. Höchste Aufmerksamkeit gebührt der Erythroplasie Queyrat, da es sich hierbei um ein Karzinom in situ handelt, das sehr schnell in ein metastasierendes Stadium übergehen kann.

Von Reinhard Hofer, Ärzte Woche 48 /2010

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