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Werden Eingriffe miteinander verglichen, müssen viele Faktoren differenziert betrachtet werden: Nicht nur die Effizienz ist ausschlaggebend, sondern auch die Behandlungsdauer, die Häufigkeit von Nebenwirkungen und Komplikationen, die Kosten und vieles me
 
Urologie 1. Dezember 2010

Laser versus TURP

Die transurethrale Resektion der Prostata (TURP) ist nach wie vor Goldstandard in der Behandlung der symptomatischen benignen Prostatahyperplasie (BPH).

Laserbehandlungen der BPH haben geringere Komplikationsraten als die herkömmliche TURP. Langzeiteffektivität und Langzeitkomplikationen sind jedoch noch zu wenig untersucht. Aber auch der ökonomische Aspekt spielt eine Rolle, erfuhr man auf der Fortbildungstagung der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie vom 5. bis 6. November in Linz.

 

„Die minimalinvasiven Alternativen wie das HoLEP (Holmiumlaser-Prostatektomie) und das PVP (Greenlight-Laser) zeigen ein günstigeres Nebenwirkungsprofil als eine TURP“, sagte Dr. Andreas Sommerhuber von der Urologischen Abteilung des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern Linz.

Die Laser ermöglichten eine effiziente Ablation des Prostatagewebes und ein signifikante Verbesserung der objektiven Daten (Qmax, IPSS, RH), außerdem seien sie eine sichere, blutungsarme Methode. Weitere Vorteile seien, dass eine Therapie unter oraler Antikoagulation möglich sei und kein TUR-Syndrom auftrete. Der Laser sei außerdem sehr sicher bei Hochrisikopatienten, und es komme möglicherweise zu einem kürzeren stationären Aufenthalt. Wie bei allen neueren Methoden gebe es derzeit nur wenige randomisierte, prospektive Studien. Ein weiterer Nachteil sei der geringere Gewebeabtrag. „Technisch gesehen stellte auch die Faserqualität immer ein Problem dar“, erklärte Dr. Sommerhuber.

Hingegen wurde die Langzeiteffizienz und die geringe Reinterventionsrate der TURP in großen Langzeitstudien und 23 Metaanalysen urodynamisch bewiesen, wie Prof. Dr. Georg Schatzl, Klinik für Urologie der Medizinischen Universität Wien, betonte. Das TUR-Syndrom liegt zwischen 0 und 7 Prozent und ist durch bipolare TUR mit 0,9 Prozent NaCl vergleichbar bei gleicher Langzeiteffizienz (De Sio M. et al: Urology 2006; 67: 69–72; Starkman, J. S. et al.: BJU Int 2005; 95: 69–71).

„Der HoLEP ist eine gute Alternative zu TURP, es gibt gute Langzeitdaten, eine gute Effektivität, jedoch eine steile Lernkurve“, so Schatzl. Nachteil einer HoLEP sei neben der steilen Lernkurve auch der Anstieg der Operationsdauer (Elzayat EA et al, J Urol 2009;182:133-8).

Bei einer Untersuchung über 1.000 HoLEPS lag der mediane Symptomscore zwischen fünf und acht, und Qmax etwa zwischen 18 und 23. Harnröhrenenge (24 Patienten) und eine Blasenhals-Stenose (16 Patienten) waren nur sehr gering ausgeprägt (Krambeck, A. et al.: J Urol 2010; 183[3]: 1105–9).

Greenlightlaser

Mit dem Greenlightlaser wird eine effektive Vaporisation mit wenig Blutungen und einer ausgezeichneten Hämostase gewährleistet. „Ich bin davon überzeugt, dass bei diesem Eingriff ein volle Antikoagulation mit Aspirin, Clopidogrel, aber auch mit Cumarin möglich ist“, sagte Dr. Sommerhuber. Weitere Vorteile seien das Wegfallen des TUR-Syndroms, ein minimale Kreislaufbelastung, kaum Blutungen und fast keine Transfusionen. Eine Studie über 500 Behandlungen mit einem Greenlightlaser und einer laufenden Antikoagulation bei 45 Prozent brachten nach drei Jahren folgende Ergebnisse:

  • IPPS 8,0
  • QoL 1,3
  • Qmax 18,4 ml/sec.

Bei 3,6 Prozent der Patienten traten Blutungen auf, jedoch wurden keine intraoperativen Konserven benötigt. Es trat kein TUR-Syndrom auf, die Reoperationsrate betrug etwa zwischen vier und sieben Prozent. 14,8 Prozent der Patienten litten jedoch unter Dysuria (Ruszat, R. et al.: Euro Urol 2008; 54: 893–901).

Bei den Vergleichszahlen einer Metastudie war die Operationsdauer beim Greenlight-Laser am geringsten, bei der Katheterisierung schnitt der HoLEP am besten ab. Beim Auftreten von Dysuria war der Greenlightlaser den beiden anderen Methoden deutlich unterlegen (Gupta, N. et al.: BJU Int 2006; 97: 85–9)

In einer Studie aus Großbritannien wurde die Lasertherapie und die TURP aus ökonomischer Sicht betrachtet. Durch den Einsatz von HoLEP und PVP kommt es zu einem signifikanten Anstieg der Kosten für das Gesundheitssystem. Gründe sind die deutlich erhöhte Lernkurve und die Erhöhung der Anzahl der Zweiteingriffe. Die Autoren empfehlen außerdem ein verbessertes Training für TURP zur Vermeidung von Komplikationen (Lourenco, T. et al: Health Technology Assessment 2008; 12: No 35).

Von Reinhard Hofer, Ärzte Woche 48 /2010

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