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Urologie 5. Februar 2009

Neues vom Prostatakarzinom

Modernen radiologischen Verfahren und innovativen Therapieformen kommt eine immer größere Bedeutung zu.

Neueste Entwicklungen zur Frühdiagnose und Therapie wurden am 28. Jänner auf der interdisziplinären Veranstaltung „Updates und Trends in Diagnostik und Therapie des Prostatakarzinoms“ in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften präsentiert.

Entscheidende Fortschritte gab es in den vergangenen Jahren bei der Magnetresonanz-Diagnostik der Prostata durch den Einsatz einer speziellen endorektalen Spule und einer komplexen, dynamischen Computeranalyse der Kontrastmittelanfärbung im Prostatagewebe. Diese diagnostische Methode wird nun auch an der Abteilung für Radiologie im Ambulatorium Döbling in Wien erfolgreich durchgeführt. Durch die exakte Lagebestimmung des Karzinoms mittels MR wird für den Urologen eine gezielte Prostatabiopsie möglich, sodass die Rate der rechtzeitig erkannten Prostatakarzinome deutlich erhöht werden kann.

Auch im Rahmen der Therapie gibt es Neues: „Mittlerweile wurde die Brachy-Therapie als Therapieform so weit optimiert, dass nicht mehr unbedingt ein operativer Eingriff erforderlich ist“, erklärte der Urologe Dr. Stefan Machtens, Marienkrankenhaus in Bergisch-Gladbach.

Auch an der Radioonkologie des SMZ Ost wurde diese Methode schon vor zehn Jahren von Prim. Univ.-Doz. Dr. Robert Hawliczek erfolgreich etabliert. Dr. Renée Oismüller, Radioonkologin im SMZ Ost, erklärte: „Ein großer Fortschritt gelang hier mit einem vollständig neuen Implantationssystem und einer speziellen Planungssoftware, durch die das Tumorgewebe gezielt bestrahlt wird und die umgebenden Organstrukturen nahezu vollständig ausgespart werden können.“

Alternative zur Operation

Damit ist die Indikation zur kurativen Radiotherapie des frühen Prostatakarzinoms durch einen weiteren, sehr schonenden Ansatz erweitert worden. Die moderne Brachy-Therapie stellt im Frühstadium eine Option dar, die den Patienten neben dem Risiko einer großen Operation vor allem auch die sehr belastenden Nebenwirkungen wie zum Beispiel Inkontinenz und Impotenz ersparen kann.

Die klassische Strahlentherapie mittels Linearbeschleuniger unterliegt einer rasanten Entwicklung. Auch hier helfen neue Computertechnologien, den Tumor exakt und selektiv zu treffen. „Diese Methode eignet sich besonders für Patienten, die für eine Brachy-Therapie nicht in Frage kommen“, so Prim Univ.-Prof. Dr. Richard Pötter, Abteilung für Strahlentherapie, AKH Wien.

Eingriffsmodalitäten diversifiziert

Beim kapselüberschreitenden Tumor ist allerdings sehr wohl die Indikation zur Operation gegeben. „Die radikale Prostatektomie wurde technisch verbessert, die Eingriffsmodalitäten diversifiziert“, sagte Prof. Dr. Heinz Pflüger, Abteilung für Urologie, Krankenhaus Hietzing Wien. „So wird heute die offene, transabdominelle bzw. perineale radikale Prostatektomie, die laparoskopische und die roboterunterstützte laparoskopische Prostatektomie angeboten.“

Zur Frage nach dem optimalen Beginn einer Hormontherapie erklärte der Urologe Doz. Dr. Stephan Madersbacher, SMZ Ost Wien: „In klinischen Studien wurden vor allem die Vorteile einer frühen Hormontherapie für Patienten mit Lymphknotenmetastasen nach Entfernung der Prostata oder jene mit lokal fortgeschrittenem, nicht metastasiertem Prostatakarzinom nachgewiesen.“ Die Hormontherapie gewinnt bei fortgeschrittenen Tumoren und bei älteren Patienten an Bedeutung, und auch für die Palliation zeichnen sich neue Ansätze ab.

Einen erfolgreichen Therapieansatz stellt auch die Chemotherapie dar, wie Prof. Dr. Michael Krainer, Universitätsklinik für Innere Medizin I, AKH Wien, beleuchtete: „Neue Studien belegen die Wirksamkeit der Behandlung des hormonunabhängigen Prostatakrebs mit dem Chemotherapeutikum Docetaxel.“ Von großer Bedeutung sei auch hier die Kombination von Strahlentherapie, dem Einsatz von anderen Medikamenten wie Bisphosphonaten und einem adäquaten Management von Schmerz und Nebenwirkungen.

 

B&K/PH, Ärzte Woche

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