zur Navigation zum Inhalt
Foto: photos.com
Nach einem halben Jahr kann noch nicht beurteilt werden, ob die Inkontinenz bestehen bleibt.
 
Urologie 30. Juni 2010

Nicht gleich zum Messer greifen

Kontinenz nach radikaler Prostatektomie kann sich auch noch später einstellen.

Inkontinenz ist eine häufige Folgeerscheinung nach radikaler perinealer Prostatovesikulektomie, die sich in den meisten Fällen jedoch von selbst zurückbildet. Heute wird in der Regel die Indikation zur minimalinvasiven operativen Korrektur nach sechs Monaten gestellt. Doch ist dieser Zeitpunkt nicht zu früh? Dieser Frage wurde jetzt in einer Studie mit radikal perineal prostatektomierten Patienten nachgegangen. Ein, drei, sechs und zwölf Monate nach der Operation wurde bei ihnen anhand validierter Fragebögen erhoben, ob sich die Inkontinenz zurückbildete.

 

Insgesamt konnten Daten von 233 operierten Patienten ausgewertet werden. Hier zeigte sich, dass ungefähr die Hälfte der Patienten, die nach sechs Monaten Einlagen benötigten, nach zwölf Monaten vollständig trocken war. Weniger als ein Drittel (28 Prozent) der Patienten, die höhergradig inkontinent waren (d. h. zu Studienbeginn mehr als zwei Einlagen pro Tag benötigten), waren nach einem Jahr immer noch inkontinent. „Unsere Studie zeigt, dass sechs Monate nach der Operation noch nicht beurteilt werden kann, ob die Kontinenz sich einstellt. Insofern muss mit der Operation länger gewartet werden“, so das Fazit von Dr. Bernhard Beyer, Sana Klinikum Hof (Deutschland). 143 Patienten, die nach einem Jahr noch Einlagen benötigten, wurden weiter beobachtet. Nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 43 Monaten wurde untersucht, ob sie immer noch Einlagen brauchten. Hier zeigte sich, dass 36 Prozent der nach einem Jahr inkontinenten Patienten im weiteren Verlauf vollständig kontinent werden. Immerhin die Hälfte der höhergradig inkontinenten Patienten wurde kontinent oder nahezu kontinent. Nur 33,7 Prozent der Patienten blieben auf Dauer signifikant inkontinent.

Vortrag an der 36. Gemeinsamen Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie, 10. bis 12 Juni 2010 in München

Von Dr. Susanne Kamerer, Ärzte Woche 26 /2010

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben