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Urologie 18. Dezember 2008

Vorsorge mit PCA3-Score

Neben PSA gibt es weitere Marker zur Prostata-Ca-Diagnostik.

Seit Juli wird am Grazer LKH-Universitätsklinikum die Bestimmung des PCA3-Scores zur Diagnose von Prostatakrebs durchgeführt. Die hohe Spezifität des neuen Tests soll Patienten eine weitere Biopsie ersparen.

 

Das Risiko, im Laufe des Lebens mit der Diagnose Prostatakrebs konfrontiert zu werden, trifft laut Statistik jeden sechsten Mann in Österreich. Im Frühstadium bestehen zwar die besten Heilungschancen, doch weist Prostatakrebs in dieser Phase keine Beschwerden oder Symptome auf. Aktueller Vorsorge-Standard ist die jährliche PSA-Bestimmung in Kombination mit rektaler Tastuntersuchung. Bei begründetem Verdacht wird zur Sicherung der Diagnose eine transrektale Prostatabiopsie durchgeführt.

Sowohl die digitale rektale Examination als auch PSA-Wert sind nur von eingeschränkter Bedeutung, da bei verdächtigem Tastbefund in nur zehn bis 30 Prozent der Fälle ein Karzinom vorliegt. Zudem kann auch bei sehr niedrigem PSA-Wert ein Prostatakarzinom vorliegen. Folge der schlechten Spezifität ist eine Vielzahl unnötiger Biopsien, die noch dazu bei negativem Ergebnis kein Garant dafür sind, dass der Patient kein Karzinom hat.

Dies sind Gründe, warum die Suche nach Markern eines vorliegenden Prostata-Karzinoms noch keineswegs abgeschlossen ist. Auch mit dem neuen PCA3-Score ist noch keine 100-prozentige Diagnosegenauigkeit möglich, jedoch zeigte sich, dass die Höhe des Scores sehr gut mit dem Vorliegen eines Karzinoms korreliert (mit steigendem Score wird eine zunehmende Krebshäufigkeit gefunden – als Grenzwert gilt dabei aktuell ein Wert von 35).

PCA3-Score mit hoher Spezifität

Das PCA3-Gen wurde bereits vor einigen Jahren isoliert, was in weiterer Folge zur Entwicklung eines Tests führte, der die mRNA-Mengen von PCA3 und PSA im Urin misst und zueinander in Korrelation setzt. Aus mRNA-PCA3 zu mRNA-PSA ergibt sich mit dem Quotienten der PCA3-Score. Der Test zeichnet sich durch seine hohe Spezifität (ca. 80 %) im Vergleich zu erhöhtem PSA (ca. 25 %) aus, wodurch die Notwendigkeit einer weiteren Biopsie besser abgeschätzt werden kann. Allerdings eignet sich der Test nicht zur Fahndung nach Prostatakarzinomen, da bei einem Score von 35 die Sensitivität lediglich 58 Prozent beträgt. „Geht man mit dem Score nach unten, steigt zwar die Sensitivität, allerdings verschlechtert sich die Spezifität auf das Niveau von PSA“, erklärt Prof. Dr. Karl Pummer, Vorstand der Universitätsklinik für Urologie der Medizinischen Universität Graz.

„Die Bestimmung des PCA3-Scores setzt ein erhöhtes PSA und mindestens eine negative Vor-Biopsie voraus.“

Im Laufe eines knapp halben Jahres wurden in Graz rund 440 PCA3-Bestimmungen durchgeführt. Die Kriterien für die PCA3-Bestimmung sind laut Pummer ein erhöhtes PSA und mindestens eine negative Prostatabiopsie. Nutznießer des Tests sind somit Männer, die bereits aufgrund ihrer erhöhten PSA-Werte in einer Abklärungssituation sind. Dass durch den neuen Test mehr Männer zu Vorsorge motiviert werden, kann Pummer hingegen nicht bestätigen: „Der Test hat keinen Einfluss auf das grundsätzliche Vorsorgeverhalten der männlichen Bevölkerung, die Grundpfeiler einer Prostatakrebs-Vorsorge sind nach wie vor PSA und Tastbefund.“

Verlässlichere Indikation

Vorteil des PCA3-Scores ist die wesentlich bessere Beurteilung des Erkrankungsrisikos. Pummer: „Orientiert man sich ausschließlich am erhöhten PSA-Wert, dann beträgt nach extendierter Erstbiopsie (≥10 Zylinder) die Wahrscheinlichkeit, dass eine Re-Biopsie positiv ist, lediglich zehn Prozent. Dessen ungeachtet muss eine solche erfolgen. Ist in dieser Situation der PCA3-Score über 35, dann steigt die Wahrscheinlichkeit einer positiven Re-Biopsie auf nahezu 80 Prozent, das heißt, die Indikation zu einer solchen Re-Biopsie kann besser gestellt werden. Liegt der Score unter 35, ist die Wahrscheinlichkeit einer positiven Re-Biopsie gering und es kann auf eine solche verzichtet werden. Allerdings gilt es zu beachten, dass der Score keine 100-prozentige Sicherheit bietet, so dass bei dringendem Verdacht trotz eines niedrigen Scores im Zweifelsfall eher biopsiert werden sollte.“

Die Bestimmung des PCA3-Scores erfolgt nach sechsmaligem, etwas festerem Bestreichen der Prostata mit dem Finger, anschließend wird die erste Harnportion aufgefangen und verarbeitet. Ob der Test auch für jene Patienten geeignet ist, deren Karzinomrisiko sich aus einem verdächtigen Tastbefund bei gleichzeitig normalem PSA ergibt, kann laut Pummer derzeit noch nicht gesagt werden. Erste Studien lassen den Schluss zu, dass der Test im Falle eines bioptisch verifizierten Prostatakarzinoms auch hinsichtlich der seiner Aggressivität zwischen „low grade/low volume“ und „high grade/high volume“ unterscheiden kann. Diese Unterscheidung sei besonders dann wertvoll, so Pummer, wenn eine „active surveillance“ ins Auge gefasst werde.

Noch nicht in den Guidelines

Ob der PCA3-Score im Moment als State of the Art der Prostatakarzinom-Abklärung bezeichnen werden könne, sei noch nicht beantwortbar, so Pummer. „Der Test wird erst seit kurzem angeboten und es bedarf noch weiterer wissenschaftlicher Daten, bis er in einschlägige diagnostische Richtlinien aufgenommen wird. Durch die relativ hohen Kosten wird es sicher noch einige Zeit dauern, bis er flächendeckend zur Anwendung kommt.“ Der Test wird für Patienten in Graz sowie am KH der Elisabethinen in Linz kostenlos angeboten. In der Abteilung für Urologie, AKH Wien, kommt der PCA3-Score schon seit Jahren aufgrund der hohen Kosten nur im Bedarfsfall zum Einsatz.

Von Mag. Peter Bernthaler, Ärzte Woche

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