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Urologie 18. Dezember 2008

Optimierte Bestrahlung

Präzise Protonentherapie des Prostastakarzinoms erfordert eine Lokalisationshilfe.

Um bei Prostatakrebs optimale Parameter für eine Strahlentherapie zu erhalten, muss zunächst die anatomische Lage des Tumors genauestens bestimmt werden. Dies soll gewährleisten, dass die ionisierende Strahlung nur tumorbehaftete Zellen vernichtet und keine anderen Organe im Umfeld der Prostata in Mitleidenschaft zieht. Zwei Physikerinnen der TU Wien haben in Kooperation mit der MedUni Innsbruck und dem Sozialmedizinischen Zentrum Ost die mittlere Abweichung bei der Bestrahlung von Prostatakarzinomen evaluiert und unterschiedliche Strahlungsquellen miteinander verglichen.

Bei der Bestrahlung der Prostata kann es zu einer Bewegungsungenauigkeit von bis zu zwei Zentimetern kommen. „Der Patient muss während der Bestrahlung rund 20 Minuten ruhig auf einem Tisch liegen. Mit der Zeit lässt die Muskulatur nach und das Becken sinkt nach unten. So kann es dazu kommen, dass bei der Behandlung die Blase oder andere Organe getroffen werden. Wir haben uns bei unseren Berechnungen damit beschäftigt, wie genau man eine Prostata lokalisieren kann und wo Verbesserungspotenzial in der Behandlung gegeben ist“, erklärt DI. Dr. Karin Poljanc, Atominstitut der Österreichischen Universitäten.

Abweichungen visualisiert

Poljanc ging von einer Reihe von Ultraschalluntersuchungen aus, mit Hilfe derer bei Männern die Organe von außen genau lokalisiert werden konnten. Die Lagerung von 60 Patienten wurde in Folge untersucht und die Abweichungen der Bestrahlungen in verschiedene Raumrichtungen, beispielsweise nach links oder rechts, oben oder unten, evaluiert (420 Bestrahlungspläne von 30 Patienten). Mit Hilfe des Ultraschallsystems werden die Abweichungen bei zeitlich höherem Aufwand sichtbar und nachvollziehbar. Ist die Abweichung größer als 0,8 Millimeter, so hat das radiologisch technische Personal die Aufgabe, den Patienten wieder in die richtige Position zu bringen, sodass wirklich nur das Zielgebiet bestrahlt wird.

In weiterer Folge berechneten Poljanc et al. Normalgewebekompensationsraten und Tumorkontrollwahrscheinlichkeiten. „Das gibt uns einen Überblick, mit welcher Wahrscheinlichkeit der Tumor getroffen wird und mit welcher Wahrscheinlichkeit bei einem individuellen Patienten Nebenwirkungen auftreten können“, so Poljanc. Diese Ansätze dienen als Vorhersagen und geben Aufschluss über die Heilungschancen. Nach rund 2,5 Jahren Projektlaufzeit war es möglich, die errechneten durchschnittlichen Lagerungsungenauigkeiten in ein Bestrahlungsplanungssystem zu implementieren.

Das Resümee: Die Normalgewebekompensationsrate kann je nach zugrundeliegendem Rechenmodell große Unterschiede in den Ergebnissen aufweisen. Rechnet man beispielsweise mit dem Modell A, ergibt dies eine vernachlässigbare Komplikationsrate, der gleiche Vorgang mit dem Modell B ergibt eine Abweichung von bis zu 40 Prozent. Aufgrund des Fehlens von biologischen Parametern kann es zu so großen Abweichungen bei unterschiedlichen Modellen kommen. „Trotzdem können die Ergebnisse der Berechnungen den behandelnden Ärzten Hinweise für eine Verbesserung der Lagerungsgenauigkeit und damit eine Steigerung der Behandlungserfolge liefern“, meint Poljanc.

Lokalisationshilfen erforderlich

„Für die präzise Protonentherapie des Prostatakarzinoms ist eine Lokalisationshilfe, wie mittels einem Ultraschallsystem, unumgänglich. Diese Kombination führt in den meisten Fällen zu einem Therapieergebnis mit hoher Gewebeschonung“, so das Fazit der Forscher. /EM

TU Wien, Ärzte Woche

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