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Urologie 18. Dezember 2008

Editorial

Urologen: Meister auf vielen Gebieten.

Unser Experte für die schriftliche Karikatur, Dr. Ronny Teutscher bringt es auf Seite 41 auf den Punkt: Urologen sind die unfreiwilligen Meister in Sachen Tabu. Ihr Arbeitsplatz, der zumeist unterhalb der Gürtellinie liegt, bringt gezwungenermaßen den Odor der Verschwiegenheit mit sich.

Harninkontinenz, Prostatahyperplasie oder Erektile Dysfunktion eignen sich eben nicht als spannende Krankheitsthemen. Da hat die Narbe vom letzten Sportunfall deutlich mehr Sexappeal. Urologische Leiden sind demgegenüber mit Scham besetzt. Darum gesellt sich im Laufe der Zeit neben dem Schweigen auch ein Selbstvertrauensschwund hinzu – der unheilvolle Mix führt letztlich in die selbst gewählte soziale Isolation. Eine deutsche Studie mit über 2.000 Personen in 47 Pflegeheimen legte den Stellenwert der Harninkontinenz beeindruckend dar: Bewohner mit Neuerkrankung an Harninkontinenz litten stark an der Verschlechterung der körperlichen Gesamtsituation mit Abnahme der Geh- und Bewegungsfähigkeit sowie der Kognition.

Die Urologen wissen längst, dass vor dem Besuch ihrer Praxis zunächst der Tabubruch steht. Dieser wird, oft nach jahrelangem Schweigen, im engsten sozialen Umfeld oder im Gespräch mit einem vertrauten (Haus-)Arzt vollzogen. Daher feilten die Urologen an ihren Marketingstrategien und entwickelten sich zu Meistern in Sachen Kommunikation. Mit Aktionen wie der begehbaren Prostata oder markigen Sprüchen, wie „Der Penis ist die Antenne des Herzens“ gewannen sie die Aufmerksamkeit einer Patientengruppe, die eigentlich zu den Gesundheitsmuffeln gehört – die der Männer.

Unterstützt wurde die Werbetrommel der Urologen vom Rummel, den auch die Entwicklung der PDE-5-Hemmer mit sich brachte. Die Pille gegen Impotenz ließ das Selbstbewusstsein vieler Männer wieder steigen. Und so gelten Urologen heute wie kaum eine andere Ärztegruppe – vielleicht mit Ausnahme der plastischen Chirurgen – als Meister im Wiederherstellen des Selbstvertrauens.

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