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Urologie 1. Dezember 2009

NebenWirkungen Spezial

Reden wir übers Unaussprechliche

Nach Jahren urologischer Geheimniskrämerei kommt das Ende der Stigmatisierung: Heute ist es kein Problem, offen und unzensiert über Dinge wie ErekXXXstörungen oder vorzeitigen SamenerguX zu schreiben. Natürlich: Die Urologen können mehr. Mehr, als peinliche Dinge anzufassen, die der klassische Mediziner aus sicherem Abstand ferndiagnostiziert. Und ihr Aufgabengebiet beschränkt sich nicht nur auf Diagnosen, die dem durchschnittlichen Mitbürger die Schamesröte ins Gesicht treiben.

Doch jedes Fachgebiet hat nun mal seine spektakulären Seiten. Und ein Nierenzellkarzinom, ein aufsteigender Harnwegsinfekt oder auch eine benigne Prostatahyperplasie stellen nicht die massentauglichen Dinge dar, die wir alle hören wollen. Da gibt es spektakulärere Geschichten, die zwar nicht von den Ahnen im Familienkreis weitergegeben werden, dafür umso mehr von den Kump-ahnen am Wirtshaustisch. Paradoxerweise sind es vor allem die unfreiwillig herabhängenden Körperteile, welche die Auflagen der Boulevardmedien in die Höhe schnellen lassen. Dies ist der Stoff, aus dem die Skandale gestrickt werden.

Das, was die Urologen immer wieder bemängeln, dass es nämlich nicht möglich sei, „normal“ und „sachlich“ über durchwegs ernste Erkrankungen zu reden, ist gleichzeitig die große Stärke dieses Faches. Denn das tägliche Brot der Urologen hat einfach mehr Sex-Appeal, mehr Grusel-Faktor, mehr Glamour als ein erhöhter Blutdruck, geschwollene Gelenke oder diabetische Füße.

Und wenn es den urologischen Kollegen dabei immer um die Enttabuisierung geht, so sei zu bemerken: Heute redet man durchaus schon recht offen darüber (was nicht unbedingt mit einem Wegfall der Stigmatisierung einhergeht). Wenn man dieser Tage über ein Thema schreibt, das unter der Gürtellinie angesiedelt ist, so lockt dies keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor. Wurden früher Begriffe über Körperregionen gemieden, die sich auch nur annähernd nabel-abwärts befanden, mussten sich Kinder noch vor zehn Jahren die frechen Münder, die derartig Unflätiges hervorbrachten, mit Seife auswaschen, so verhält sich die Gesellschaft heute diesbezüglich doch recht locker.

Es ist dies dem Bemühen aller beteiligten Personen zu verdanken, die eine Enttabuisierung herbeigeführt haben. Sowohl die Urologen als auch die Hersteller batteriebetriebener vibrierender Plastikringe leisten hier eine bemerkenswert wichtige Arbeit.

Manche mögen befürchten, dass nun das Pendel, das vor kurzem noch in der schamhaften Versenkung verharrte, in die andere Richtung, nach Sodom und Gomorrha, ausschlägt. Doch dies wird nicht passieren. Es wird sich vielmehr alles normalisieren, sich ein völlig unverkrampfter Umgang mit der geschlechtlichen Materie einstellen.

Die Benimmbücher nach Knigge oder Elmayer werden Ejaculatio praecox und Impotenz als Tischgespräche nachdrücklich empfehlen, Penisverlängerungen werden im TV-Vorabendprogramm beworben werden und selbst in sehr konservativen Betrieben wird die „Vorsteher-Drüse“ des Chefs Thema firmeninterner Fortbildungen sein. Treffen zwei betagte Regierungschefs am roten Teppich des Flughafens aufeinander, so werden sie, nebst dem obligaten Händeschütteln, ein freundschaftliches „Na, rinnt‘s noch oder tröpfelt‘s schon?“ zuraunen.

All das ist jedoch – und dies sei an dieser Stelle ausdrücklich positiv bemerkt – nur durch die Initiative der Fachmedien möglich, die schon immer eine sehr offene, sehr mutige Zugangsweise zu dieser Thematik erlaubten, ohne eine pseudomoralische Selbstzensur zu verhängen. So können Begriffe in aller Deutlichkeit beim Namen genannt werden, wie PeniX oder ErektionsstörXXX. Und ich finde es auch fortschrittlich, dass eine seriöse Zeitung wie die Ärzte Woche hier keine Kompromisse macht und diese Worte ohne Zensur abdruckt.

So wird in Zukunft jeder Mann, der beim XexualverkehX mit XotenzstörungeX oder auch Xorzeitigem SamenerguX zu kämpfen hat, jeder Mann, der nach einer ProstatXoperation Schwierigkeiten mit der Xrektion hat, zu erfüllteX und lustvoXXXX Emfindungen fähig sein, ohne sich seiner XXXualität schämen zu müsXXX.

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