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Allgemeinmedizin 7. Mai 2008

Sp(r)itzenleistung

Fußball gehört zwar nicht zu den extrem dopinggefährdeten Sportarten, dennoch sind Aufklärung und Information, etwa über häufig kontaminierte Nahrungsergänzungsmittel, auch hier notwendig, sowohl im Spitzen- als auch im Freizeitsport.

„Doping ist kein vernünftiger Weg, um die Leistungsfähigkeit zu steigern. In einem Mannschaftssport wie Fußball ist es auch kaum sinnvoll“, erklärt Prof. Hans Holdhaus, wissenschaftlicher Koordinator bei allen Olympischen Spielen seit 1984. „Zwar dopen die österreichischen Kicker sehr wenig, gleichzeitig gibt es aber ein großes Wissensdefizit hinsichtlich verbotener Substanzen und deren gesundheitlicher Folgen.“ Doping ist der Gebrauch von Substanzen oder Methoden, die die sportliche Leistungsfähigkeit erhöhen, ein potenzielles Gesundheitsrisiko beinhalten und/oder den „Spirit of sports“ verletzen. Und: Sie müssen auf der internationalen Verbotsliste stehen, wie Anabolika, Hormone, Beta-2-Agonisten, Diuretika, maskierende Substanzen oder Blutpräparate.
Die derzeitigen Kontrollen bezeichnet Holdhaus als knapp ausreichend, für mehr Überprüfungen fehlt das Geld. 2006 wurden im gesamten Sport rund 200.000 Kontrollen durchgeführt, davon 27.000 von der Internationalen Fußballbehörde FIFA. In Österreich gab es im Gesamtsport etwa 700 Kontrollen. 88 Fußballer wurden positiv getestet: Bei 52 wurden Cannabinoide, bei zehn Anabolika und bei 26 Stimulatien und Diuretika festgestellt. „Cannabinoide sind vor allem bei Jugendlichen ein manifestes Problem. Obwohl sie keine Leistungssteigerung bringen, sind sie auf der Verbotsliste, da sie im Sport nichts zu suchen haben“, erklärt Holdhaus.
Eine Dopingfalle stellen einige Nahrungsergänzungsmittel dar. „Eine österreichische Studie hat ergeben, dass 22 Prozent der geprüften Produkte, überwiegend Eiweiß- und Kreatinpräparate, anabol-androgene Steroide, so genannte Prohormone, beinhalteten“, so Holdhaus, der Maßnahmen zum Schutz der Sportler fordert. Ein erster Schritt: Die neue Fassung des Anti-Dopinggesetzes wird auch strafrechtliche Aspekte beinhalten, angedacht ist außerdem, dass in Beipacktexten von Medikamenten Warnhinweise angeführt sein müssen.

Quelle:
„Doping und Fußball“, Vortrag zur Ausstellung herz:rasen im Künstlerhaus Wien, 8. April 2008.

Emanuel Munkhambwa, Ärzte Woche 19/2008

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