zur Navigation zum Inhalt
 
Sportmedizin 6. Juni 2007

Gastrointestinale Nebenwirkungen im Laufsport

Der Ultramarathonlaufsport erfreut sich in den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit. In zahlreichen Publikationen wird jedoch auf die steigende Inzidenz gastrointestinaler Nebenwirkungen, reichend von der Stressgastritis bis hin zur lebensgefährlichen Magenulcusblutung, hingewiesen.

 Spartathlon-Ultramarathon
Der Spartathlon-Ultramarathon führt von der Hauptstadt Griechenlands, Athen, non-stop nach Sparta und umfasst eine Laufdistanz von 246 Kilometern.

Foto: Dr. Gottfried Sodeck

Eine Evidence-based Medicine (EBM) Therapieempfehlung bezüglich gastrointestinaler Nebenwirkungen beim Laufsport konnte mangels entsprechender Studien bis dato nicht gegeben werden.
In einer doppelblind randomisierten, Placebo-kontrollierten Studie wurde nun erstmalig geprüft, ob eine kurzfristige prophylaktische, orale Protonenpumpenblockertherapie (20 mg Pantoloc über 3 Tage einmal täglich) die Inzidenz von gastrointestinalen Blutungen, gemessen an Hämoccult- positiven Stuhlproben, bei Teilnehmern an Ultramarathonläufen reduzieren kann. Als Studienort wurde der Spartathlon-Ultramarathon im Jahre 2005 gewählt, welcher als einer der selektivsten Ultralaufevents international gilt. 246 Kilometer müssen dabei von den Athleten innerhalb von 36 Stunden non-stop absolviert werden. Temperaturunterschiede zwischen 36°C untertags und 5°C während den Nachtstunden, Höhenunterschiede von 1.200 m fordern von den Teilnehmern enorme physische und psychische Leistungsfähigkeit ab. Weitere Details unter http://www.spartathlon.gr

 Verpflegung
Während des Rennens werden die Läufer an 75 Checkpunkten mit flüssiger und fester Nahrung versorgt. An Hand der Illustration der benötigten Verpflegung eines einzelnen Teilnehmers lässt sich unschwer erahnen, dass gastrointestinale Nebenwirkungen häufig auftreten.

Foto: Dr. Gottfried Sodeck

Erfolgreiche Vorbeugung

Von den 70 teilnehmenden Probanden erreichten 37 Läufer das Ziel. Hämoccult-positive Stuhlproben konnten in zwei Läufern in der Interventionsgruppe, jedoch in zwölf Athleten der Placebogruppe nachgewiesen werden (Risk Difference 0.86; 95% Konfidenzintervall 0.45 to 0.96; p = 0.001). Marathonläufer leiden häufig unter gastrointestinalen Nebenwirkungen. Eine kurzfristige prophylaktische, orale Protonenpumpenblockertherapie kann gemäß den Richtlinien der EBM als effizient angesehen werden.
Als Zielgruppe können insbesondere diejenigen Athleten identifiziert werden, die bereits während früherer Laufevents von gastrointestinalen Nebenwirkungen betroffen waren.

Thalmann M, Sodeck GH, Kavouras S, Matalas A, Skenderi K, Yannikouris N,Domanovits H. Proton pump inhibition prevents gastrointestinal bleeding in Ultramarathon runners: a randomised, double blinded, placebo controlled study. Br J Sports Med. 2006;40:359-62. Sackett DL, Rosenberg WM, Gray JA, Haynes RB, Richardson WS. Evidence based medicine: what it is and what it isn‘t. BMJ. 1996;312:71-2.
McCrory P. Evidence-based sports medicine. Br J Sports Med. 2001;35:79-80.

Dr. Gottfried Sodeck

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben