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Sportmedizin 6. Juni 2007

Doping: Was war und was wird kommen?

Die Mechanismen unserer modernen Gesellschaft sind auf Leistungssteigerung hin ausgerichtet. Man denke nur an die Wirtschaft, die Entwicklung der Computer, an Autos oder Flugzeuge. Unsere moderne Welt lebt in und von einem System der kontinuierlichen Leistungssteigerung. Doch nirgends wird dieses Prinzip in einem solchen Ausmaß transportiert wie im Sport, vor allem im Hochleistungssport. Die Leistung auf unerlaubte Weise steigern zu wollen, liegt nahe.

Das Olympische Motto „citius, altius, fortius“ fordert eine kontinuierliche Entwicklung der körperlichen Leistung. Werte wie Fairness und Chancengleichheit stehen in Konkurrenz mit Wettkampf und Leistungsmaximierung.
Dieser Beitrag befasst sich mit dem aktuellen Stand des analytischen Nachweises von verbotenen Substanzen im Spitzensport sowie mit künftigen Trends der internationalen Antidopingarbeit.
Grundsätzlich gibt es für den Dopingnachweis zwei Herausforderungen: der Nachweis exogener, körperfremder Substanzen und der Nachweis endogener, körpereigener Substanzen. Bei Ersterem reicht die eindeutige Identifizierung des Dopingmittels oder eines Stoffwechselproduktes in einer Körperflüssigkeit des Athleten aus. Als „Gold Standard“ gilt die Massenspetrometrie nach chromatographischer Abtrennung störender Substanzen durchgeführt. Diese Technologie gilt als der „Gold Standard“ und ist vor Gericht anerkannt. Beispiele sind der Nachweis von Amphetaminen oder synthetischen Anabolika wie Stanozolol oder Metandienon.
Im Fall endogener Substanzen muss eine abnorme Konzentration (Beispiel Norandrosteron), ein abnormes Verhältnis (Beispiel: Verhältnis von Testosteron zu Epitestosteron) oder ein abnormes Muster (Beispiel: Isofomenverteilung bei Erythropoietin) nachgewiesen werden. Dies basiert auf einem Vergleich zu Referenzwerten ausgewählter Kollektive. Doch speziell die Dopingfälle von Spitzensportlern der letzten Zeit bei der Tour de France oder bei Olympischen Spielen zeigen die Relevanz des Nachweises endogener Dopingsubstanzen.
Mit jeder geschlossenen Lücke im Dopingnachweis scheint sich jedoch ein neuer Weg für die Verwendung verbotener Substanzen oder Methoden zu öffnen. Bis heute existiert kein zuverlässiger Nachweis für Doping mit Wachstumshormon (GH). Ansätze des Nachweises verwenden das Verhältnis der zwei wichtigsten Isoformen und basieren auf der Tatsache, dass endogen produziertes Wachstumshormon aus verschiedenen Variationen, rekombinant hergestelltes jedoch nur aus einer einzigen Isoform besteht.
Künftige Herausforderungen im Dopingnachweis sind auf dem Gebiet der Peptidhormone sowie beim Gendoping zu suchen. Das im Magen produzierte Peptid Ghrelin ist etwa ein endogener Wachstumshormon–Booster, es gelangt über die Blutbahn zur Hypophyse und regt die Sezernierung von GH an.
Weiters wird die Hemmung des Peptidhormons Myostatin als mögliche Form des künftigen Dopings thematisiert. Myostation ist ein endogener Hemmer der Muskelbildung. Wird es inaktiviert, so wächst der Muskel ungehemmt. Bei Myostatin Knock-Out-Mäusen wurde so das Zwei- bis Dreifache der Muskelmasse erreicht.
Der Begriff „Gendoping“ meint die nichttherapeutische Verwendung von Genen oder genetischen Elementen zum Zwecke der Leistungssteigerung. Hauptstoßrichtung dieser „Dopingkraftwerke“ ist die Produktion von Erythrozythen sowie die Stimulierung des Muskelwachstums. An Methoden zur Detektion von Gendoping wird schon gearbeitet, obwohl dies wohl noch kein akutes Problem ist, aber eine ernst zu nehmende Herausforderung der nächsten Jahre.

Dr. Günter Gmeiner,
Dopingkontroll – Labor,
Austrian Research Centers GmbH - ARC

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