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Sportmedizin 6. Juni 2007

Mit der Kraft der Vorstellung zum Ziel

Stellen sich Ängste und Zweifel ein, ist das Rennen schon verloren. Positives Denken kann da kontraproduktiv sein. Es gilt vielmehr, geistige Blockaden zu erkennen und aufzulösen.

Die Überwindung geistiger Blockaden und ein gestärktes Selbstvertrauen gelten nicht nur als probate Mittel zum Sieg – mentale Strategien machen auch unabhängig von illegalem Doping.
Kaum ein WM- oder Olympia-Medaillengewinner, der nicht gezielt an seiner psychischen Stärke gearbeitet hat. „Der Erfolg eines Sportlers basiert zu einem Drittel auf Technik, Kondition und Training. Der Rest passiert im Kopf“, erklärt Mentalcoach Günter Spiesberger. Bei der Sportärztewoche in Zell am See demonstrierte Spiesberger – er trainierte unter anderem Doppel-Olympiasiegerin Michaela Dorfmeister – einige der mentalen Erfolgsgeheimnisse von Spitzenathleten.

Blockaden erkennen

„Mentale Blockaden entstehen häufig durch ein Gegenspiel von Absichten und Gegenkräften“, betont Spiesberger. Hemmende Gegenkräfte, die sich Bestzeiten und Höchstleistungen in den Weg stellen, sind Ängste, Zweifel und Befürchtungen. „Vor dem Hintergrund dieser Dualität gilt es nun, konkrete Lösungsansätze zu erarbeiten: Alte, blockierende Denkmuster werden durch neue, gegenwartsbezogene Strategien ersetzt.“
Das vielzitierte „positive Denken“ hilft allerdings nur kurzfristig, „es kann sogar kontraproduktiv wirken, weil sich der Sportler erst recht wieder zu viel inneren Druck aufbaut“, erläutert Spiesberger. Unter Anleitung von Mentaltrainern lernen Athleten dagegen zunächst, die oft schon in der Kindheit wurzelnden und im Unterbewusstsein verankerten mentalen Blockaden zu erkennen.

Optimaler Spannungszustand

Ein Gutteil der geistigen Kraft, sein Erfolgspotenzial auszunützen, kommt schließlich von konkreten Visualisierungen. „Top-Athleten erzählen immer wieder, sie hätten ihre größten Erfolge zuvor Tausende Male im Kopf vorweggenommen – genau darum geht es beim mentalen Doping“, sagt Spiesberger. Die langjährige deutsche Weltrekordhalterin im Hochsprung, Heike Henkel, berichtete etwa, sie sei den alles entscheidenden Versuch zuvor „10.000 Mal im Kopf gesprungen“.
Neben klaren inneren Vorstellungen von Bewegungsabläufen gehört zum Mentaltraining auch das nötige Selbstvertrauen und der Glaube an die Fähigkeit, die Träume vom Sieg realisieren zu können. „Zum Aufbau einer solchen guten inneren Stimmung werden auch Hilfsmittel wie Videos oder Musik eingesetzt: sie helfen dem Sportler, sich in einen optimalen Spannungszustand zu versetzen“, schildert Spiesberger.
Die Kraft, ihren Weg konsequent zu verfolgen, schöpfen Spitzensportler zudem aus ihren Zielen: Thomas Muster etwa hat sein Ziel, einmal das Turnier von Paris zu gewinnen, mit vehementem Einsatz verfolgt und auch erreicht. „Mit Hilfe von mentalem Coaching erlangen Athleten die Fähigkeit, ihre Ziele zu definieren, zu verfolgen und schließlich zu realisieren“, erläutert Spiesberger.
Mentale „Tools“, die den Aufbau mentaler Stärke beschleunigen und festigen, sind zudem ein probates Mittel, um unabhängig von Doping zu werden. „Sie stärken das Selbstvertrauen der Sportler und geben ihnen die nötige innere Sicherheit“, betont Spiesberger.

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