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Sportmedizin 31. Jänner 2008

Blaue Athleten

Die präventive Wirkung von Sport bei vielen chronischen Erkrankungen belegen wissenschaftliche Untersuchungen. Das betonten Sportmediziner, die sich heuer bereits zum 23. Mal bei der Internationalen Sportärztewoche in Zell am See einfanden.

Die Bedeutung von Lungenerkrankungen nimmt in den letzten Jahren zu. Zu den häufigsten zählen COPD und Asthma bronchiale. Von den zehn häufigsten zum Tode führenden Krankheiten ist die COPD die einzige, deren Häufigkeit zunimmt. Sogar im Leistungssport zeigt sich eine Zunahme von Asthma bronchiale sowie eine ansteigende Einnahme von bronchodilatatorischen Substanzen bei Wettkämpfen.
Belastungsdyspnoe und Husten sind die häufigsten Symptome. Handelt es sich beim Asthma bronchiale um eine reversible Lungenfunktionseinschränkung, ist die COPD durch eine nicht vollständige reversible Atemflussbehinderung charakterisiert. Die Diagnose der COPD wird infolge der Beschwerden festgelegt, aber vor allem anhand der Lungenfunktionsuntersuchung mit Festlegung der Atemflussbehinderung (Messung der Einsekundenkapazität; FEV1). Beim Asthma wird eine Lungenfunktion mit Provokationsuntersuchung zur Feststellung der bronchialen Hyperreaktivität durch­geführt. Im Leistungssport wird zur Diagnose des Exercise induced Asthma (EIA) auch eine eukapnische Hyperventilationsuntersuchung (EVH) veranlasst.
Bronchodilatatorische Substanzen wie Beta-2-Sympathomimetika, Anticholinergika, Theophylline und Kortikosteroide stehen auf der Dopingliste und können bei Sportlern nur mit einer Bewilligung eingesetzt werden. Ob und inwiefern diese Substanzen die Leistungsfähigkeit beeinflussen, wird widersprüchlich diskutiert. Bei COPD führen die Medikamente zwar zu einer Verbesserung der Symptome und der Lebensqualität sowie zu Veränderungen der Lungenfunktion, aber langfristig kann die pulmonale Funktionsverschlechterung nicht aufgehalten werden.

Deutliche Leistungsminderung

Während kontrollierte und gut eingestellte Asthmatiker eine normale Leistungsfähigkeit erbringen, zeigt sich bei COPD-Patienten relativ früh eine deutliche Minderung. Häufig lässt sich die eingeschränkte Leistungsfähigkeit bei COPD-Patienten nicht auf die pulmonale Erkrankung zurückführen. Schuld daran haben vor allem die veränderte Atemarbeit unter Belastung, oft infolge einer Dekonditionierung sowie eine systemische Veränderung – insbesondere im Bereich der Skelettmuskulatur.
Die maximale Sauerstoffaufnahme als Indikator der Leistungsfähigkeit stellt einen unabhängigen Prädiktor hinsichtlich der Lebenserwartung dar, d.h. Patienten mit schlechterer Leistungsfähigkeit haben ein erhöhtes Mortalitätsrisiko.
Rehabilitationsprogramme führen nicht nur zu einer gesteigerten Leistung, sondern dank entsprechender Schulungen (Atem- und Ernährungsberatung) ebenso zur Erhöhung physischer und sozialer Aktivitäten und somit auch zu Vorteilen hinsichtlich der Lebensqualität. Bislang konnte aufgrund fehlender Rehabilitations-Langzeitprogramme keine deutliche Besserung der Mortalität beobachtet werden, allerdings ließ sich ein präventiver Effekt hinsichtlich der Lungenfunktionsabnahme durch jahrelange körperliche Aktivität belegen.
Bei Hobby- wie Leistungssportlern sind verschiedene Trainingsformen möglich. Ein Programm sollte aus einem Ausdauer- und Krafttraining sowie einem entsprechenden Atemmuskeltraining bestehen. Vor Trainingsbeginn sollten etwaige Kontraindikationen ausgeschlossen sowie individuell anhand eines Leistungstests auch die Form, die Intensität und der Umfang festgelegt werden. Zur Steigerung der Leistungsfähigkeit sind eine systematische Anpassung sowie regelmäßige Kontrollen sinnvoll.
Rezente Studien zeigen, dass regelmäßige Bewegung nicht nur den Erkrankungsverlauf, sondern möglicherweise auch die Entwicklung einer obstruktiven Lungenerkrankung günstig beeinflussen kann.

Dr. Karin Vonbank, Abteilung für Pulmologie, Universitätsklinik für Innere Medizin IV, AKH-Wien.

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