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Sportmedizin 4. Oktober 2007

Vom Mäusekäfig in die Kraftkammer

Die Doping-Jäger forschen seit langem, um den Nachweis von Wachstumshormonen oder diversen Epo-Varianten zu ermöglichen. Zukünftig heißt es für sie, Gen-Doping zu erkennen und zu verhindern.

Dr. Alfred Engel, Vorstand der Abteilung für Orthopädie im Wiener SMZ-Ost, gab bei einer Veranstaltung des Panathlon Clubs Wien in den Räumen des Anti-Doping-Labors einen Einblick in die hier beforschte Problematik. In der Medizin ist die Forschung weit fortgeschritten (etwa in der Rheumatherapie). „In den nächsten Jahren wird eine Fülle von Medikamenten auf uns zukommen, die in diesem Bereich wirksam werden“, erklärte der Mediziner.
Als mögliche Ansatzpunkte im Sport sieht Engel das Muskelwachstum und die Ausdauerleis­tung. Mögliche Folgen, die in Tierversuchen erkannt und in der Rinderzucht schon angewendet wurden, sind erschreckend. So habe die Muskelmasse einer Maus innerhalb eines Monats von 15 auf 27 Prozent zugenommen. Nicht durch Training, sondern durch Ausschalten des Proteins Myostatin, das im Körper für die Beschränkung des Muskelwachstums sorgt. Dies würde bei bestimmten Krankheiten durch Verzögerung des Muskelabbaus verlängerte Lebenserwartung bedeuten, könnte bei Missbrauch aber ins Gegenteil umschlagen.
„Wenn man in die Kiste des Gen-Dopings greift, ist das eine Geschichte, bei der man den Ausgang nicht kennt. Das sind Vorstellungen, die ins Horrorkabinett hineinreichen“, warnte der Olympia-Arzt. Auf einen Zeitpunkt, wann es den ersten gen-manipulierten Olympiasieger geben könnte, wollte sich Engel nicht festlegen. Da seien die Entwicklungen nicht abschätzbar.
Dr. Günter Gmeiner, der Leiter des von der Welt-Anti-Doping-Agentur akkreditierten Labors in Seibersdorf, berichtete von einem Tierversuch mit einem Affen, bei dem ein EPO-produzierendes Gen eingeschleust wurde. EPO fördert die Bildung der im Ausdauerbereich so wichtigen roten Blutkörperchen. Dabei sei der Hämatokritwert immer mehr angestiegen, das Blut immer mehr verdickt. „Wie schalte ich das wieder ab, wie werde ich das wieder los, wenn es einmal läuft?“, sprach Gmeiner das große Problem der Gen-Manipulation an.
Das Einschleusen der manipulierten Gene in die Körperzellen könnte auf zwei Arten funktionieren: durch „Andocken“ an Viren, die in die Zellen eindringen, oder mittels Stromstoß durch die Zellmembran, nachdem zuvor die Zellwand abgebaut wurde.

Noch nicht nachweisbar

Eine Nachweismethode für Gen-Doping gibt es laut dem Chemiker Gmeiner derzeit nicht. Doch einige Dinge stimmen optimistisch. So konnte bei dem Test mit dem Affen das nicht wie normal in der Niere, sondern im Muskel gebildete EPO im Test nachgewiesen werden. Ein möglicher Weg zum Nachweis führe laut Engel grundsätzlich über jene Substanzen, mit deren Hilfe Gene transportiert werden, ein anderer Ansatzpunkt sei die Festsetzung von Grenzwerten auch für körpereigene Hormone.

Dr. Rainer Schröckenfuchs, Ärzte Woche 40/2007

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