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Sportmedizin 13. November 2007

Es lebe der Sport

Das Sportarztdiplom ist eine beliebte Zusatzausbildung. Nicht zuletzt wegen der attraktiven Weiterbildungsveranstaltungen wie der kommenden Sportärztewoche.

 Dolomiten
Im Frühtau zu Berge ist der Sportmediziner unterwegs.

Foto: Dr. Erich Altenburger

Der Unfallchirurg OA Dr. Erich Altenburger ist für die Programmkoordination der Sportärztewoche verantwortlich. Mit der Ärzte Woche sprach der engagierte Sportarzt über den Wert sportlicher Betätigung in allen Lebenslagen.

Sie sind Organisator der Sportärztewoche. Warum das große Engagement in Sachen Sportmedizin?
Altenburger: Vor 25 Jahren hat mir ein Orthopäde wegen Verdacht auf M. Bechterew geraten, besser keinen Sport mehr zu betreiben. Ich würde mir wünschen, dass kein Arzt einem Patienten Sport verbietet – es gilt das Gegenteil: „Machen Sie Sport!“

Für welche Fachrichtungen ist eine Sportmedizinerausbildung sinnvoll?
Altenburger: Das ist ein Diplom der Ärztekammer, welches verliehen wird, sobald eine bestimmte Stundenanzahl erreicht ist. Insgesamt sind das 120 Stunden Theorie und 120 Stunden Praxis, die man auf verschiedenen Kongressen und sportmedizinischen Veranstaltungen sammeln kann. Zusätzlich gibt es sportmedizinische Grundkurse mit einem physikalischen, orthopädisch-traumatologischen und internistischen Teil. Diese Grundkurse bieten die jeweiligen Landesärztekammern an. Innerhalb von drei Jahren kann diese Ausbildung absolviert werden. Besonders häufig ist die Kombination dieser Ausbildung mit Orthopädie und Unfallchirurgie, Innerer oder Physikalischer Medizin.

Sehen Sie Ihren Schwerpunkt eher im Spitzen- oder im Breitensport? Und welchen Beitrag kann die Sportmedizin angesichts stets zunehmender Stoffwechselerkrankungen leisten?
Altenburger: Das Gros unserer Patienten besteht aus Breitensportlern. Unser Beitrag: Wir Sportmediziner können als Vorbild wirken, wenn wir selbst sportlich sind. Viel wichtiger jedoch ist es, dass wir dem frischgebackenen Sportler helfen, die richtige Sportart auszusuchen. Die Sportart soll ja auf die Möglichkeiten und Bedürfnisse des Patienten abgestimmt und falschen Trainingsmethoden ein Riegel vorgeschoben werden. Der Sportarzt muss beispielsweise von bestimmten Formen des Krafttrainings abraten, um das Herz-Kreislauf-System zu schonen.

In den letzten Monaten sind mehrere Studien erschienen, die Krafttraining auch im höheren Alter als sinnvoll erscheinen ließen. Ein Widerspruch?
Altenburger: Das ist genau die Kluft, die ein Sportmediziner erst überbrücken muss. Der Sportarzt muss erst erklären, was Krafttraining eigentlich ist. Krafttraining mit dem eigenen Körpergewicht ist in jedem Lebensalter absolut empfehlenswert. Krafttraining mit Hanteln, bei dem die Maximalkraft verbessert wird, ist aus sportmedizinischer Sicht abzulehnen. Darüber müssen wir aufklären. Ein Bodybuilder ist ja beispielsweise nicht in der Lage, sein eigenes Körpergewicht zu heben, während ein Geräteturner das noch mit 50 Kilogramm Zusatzgewicht schafft.

Welche Sportarten empfehlen Sie Ihren Kollegen, um sich fit zu halten?
Altenburger: Die effektivste Sportart ist sicher das Laufen. Hier hat man mit dem geringsten Zeitaufwand den größten Gewinn, was Ausdauer und kardiovaskuläres System betrifft. Radfahren ist natürlich ebenfalls sinnvoll, vor allem bei bestehendem Übergewicht. Die Grundvoraussetzung ist jedenfalls das Ausdauertraining, das jeder machen sollte.
Korrektes Dehnen nach dem Sport ist ebenfalls empfehlenswert. Dafür ist es notwendig, herauszufinden, welche Muskelgruppen aufgrund angelernter Bewegungsmuster nicht belastet werden. Wer auch die Gegenspieler der jeweiligen Muskelgruppen belastet, muss weniger dehnen.

Das Angebot an verpflichtendem Sportunterricht ist sehr gering. Ist das eine präventivmedizinische Verfehlung?
Altenburger: Mittlerweile gibt es unzählige Studien, die zeigen, dass die sportliche Aktivität im Kindesalter die Grundlage für ein gesundes Erwachsenenleben schafft. Körperlich ebenso wie intellektuell: Sport regt die Synapsenbildung an, Teamsportarten fördern die soziale Intelligenz. Es ist mir unverständlich, warum die Sportstunden reduziert werden, wo doch auch der Anteil übergewichtiger Kinder stets ansteigt, was ich auch in meiner Ordination bemerke. Die Kinder selbst haben ja durchaus einen Bewegungsdrang, der nur von uns Eltern unterbunden wird. Je mehr man im Kindesalter in Sachen Sport und Koordination tut, desto besser.

Welchen Stellenwert hat sportliche Betätigung bei chronischen Erkrankungen?
Altenburger: Medizinisches Training ist auch bei chronischen Erkrankungen immer sinnvoll. Egal in welchem Alter, egal mit welchen Vorbelastungen. Die Sportart und die Intensität der Belastung muss natürlich auf die individuelle Leistungsfähigkeit abgestimmt werden. In diesem Zusammenhang möchte ich die Sturzprophylaxe erwähnen: Sturzpatienten füllen unsere Krankenhäuser mit Schenkelhalsfrakturen. Viele alte Menschen leiden unter ausgeprägter Sturzangst – koordinatives Training kann hier Abhilfe schaffen.

Inwieweit ist Doping auch unter ambitionierten Hobbysportlern ein Thema?
Altenburger: Ich bin prinzipiell gegen Doping und rate jedem Sportler, bei dem ich übergroßen Ehrgeiz bemerke, strikt davon ab. Doping im Spitzensport betrifft direkt ja nur einen sehr kleinen Personenkreis. Und hier passiert das Doping leider und auch Gott sei Dank – meist unter ärztlicher Kontrolle. Viel schlimmer ist das Dopingproblem aber im Breitensport. Ich unterstelle, dass man in praktisch jedem Fitnesscenter die Möglichkeit hat, an alles heranzukommen, was es gibt. Die Substanzen werden dann kritiklos auf Empfehlung von Trainingskollegen konsumiert, Erythropoetin beispielsweise: global wird wesentlich mehr Erythropoetin produziert und verkauft, als für die Behandlung sämtlicher nierenkranker Patienten benötigt wird. Da fließt wohl so einiges durch die falschen Kanäle – und Kanülen.

Dr. Rainer Schröckenfuchs, Ärzte Woche 46/2007

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