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Sportmedizin 4. Juli 2006

Wachsende Einsatzmöglichkeiten der optischen Bewegungsanalyse

Um Bewegungsabläufe und -techniken sowie eventuelle Fehlbelastungen beurteilen zu können, ist die Möglichkeit einer objektiven und quantitativen Beobachtung notwendig.

Die Aufnahmekapazität des menschlichen Auges ist begrenzt, so dass technische Hilfsmittel bei der Aufgabe einer differenzierten Bewegungsbeobachtung zwingend bzw. notwendig sind. Technische Hilfsmittel im Sport haben neben einer hinreichenden Güte sowohl im Hinblick auf die räumliche als auch auf die zeitliche Auflösung weiteren Kriterien zu genügen, wie etwa der zeitlichen Verfügbarkeit der Informationen, aber auch der Rückwirkungs- und Störungsfreiheit der eingesetzten Verfahren.

Umfassende Informationen

Neben der Beobachtung von Bewegungen und Bewegungstechniken zur Beurteilung der Bewegungsgüte, der Zweckmäßigkeit von Bewegungslösungen und der Bewegungstechnik gestatten Bewegungsanalysen maßgebliche Informationen zu den Belastungen des muskuloskelettalen Systems. Dabei sind es nicht allein Gelenkwinkelbewegungen und Bewegungsumfang, sondern auch Gelenkmomente und Gelenkkräfte, die im besonderen Interesse der Analyse stehen. Damit bildet die differenzierte und vor allem quantitative Bewegungserfassung die Voraussetzung für die mechanische Belastung aktiver und vor allem passiver Strukturen des Bewegungsapparates im Sport und insbesondere im Leistungssport. Die Belastungsanalyse stellt die Grundlage dar, die sportliche Technik oder eine spezifische Bewegungsform in Bezug auf eine mögliche Nähe zu den ultimativen Belastbarkeitsgrenzen der biologischen Strukturen einzuordnen und ein entsprechendes Risikopoten­zial zuzuweisen. Damit wird die Bewegungsanalyse in ihrem umfassenden Ansatz ein zentrales Instrument, auf der einen Seite Bewegungstechnik zu beurteilen und zu optimieren und auf der anderen Seite die mit der Bewegungshandlung einhergehenden mechanischen Belastungen zu erfassen und hinsichtlich ihrer Wirkungen auf das muskuloskelettale System zu beurteilen. Bewegungsanalysen werden umso aufwändiger und komplexer, je schneller, dynamischer und großräumiger der zu analysierende Ablauf ist. Die im Labor durchgeführte Analyse etwa des menschlichen Ganges erscheint technisch deutlich einfacher als jene des Durchfahrens einer Torkombination beim Riesenslalom.

Technische Verbesserungen

In den letzten zehn Jahren gab es erhebliche technische Verbesserungen, so dass das Einsatzfeld der optischen und videobasierten Analyseverfahren ständig wächst und die Anwendungshäufigkeit in einer Vielzahl von Sportarten zunimmt. Ein wichtiges Anwendungsgebiet ist etwa die Analyse von mechanischer Belastung, da in ihr ein bedeutendes Potenzial für die Prävention von Überbeanspruchungen in Sport und bei körperlicher Aktivität im Allgemeinen gesehen wird. Dieses Potenzial ist heute noch weitestgehend unbekannt und bleibt folglich oft ungenutzt.

Prof. Dr. Gert-Peter Brüggemann,
Institut für Biomechanik und Orthopädie,
Deutsche Sporthochschule Köln

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