zur Navigation zum Inhalt
 
Sportmedizin 4. Juli 2006

Strukturdiagnose vor Schmerztherapie

Im Bereich des Bewegungsapparates ist der Arzt vor allem mit Rezeptorenschmerz konfrontiert. Vordringlichste Aufgabe ist daher, eine entsprechende Diagnose mit den schmerzhaften Strukturen/Rezeptoren zu erstellen, um eine Therapiestrategie festlegen zu können.

Eine exakte Diagnose muss mehrere Punkte berücksichtigen. Als Erstes die Beschreibung der Schmerztopik. Ebenso einfach gestaltet sich die Festlegung der Aktualität der Beschwerden. Die größten Probleme bereitet meist die Zuordnung der Beschwerden zu einer bestimmten oder mehreren Strukturen (Bandscheibe, Bänder, Gelenke, Muskeln etc.). Hier ist vor allem die klinische Erfahrung und das technische Rüstzeug an Untersuchungstechniken der entscheidende Schlüssel zum Erfolg. Erst nach Erhebung dieser Befunde sollte das therapeutische Vorgehen, angepasst an die Situation, erfolgen. Die Unterscheidung zwischen akutem und chronischem Schmerz ist die erste wichtige Hürde in der Auswahl des passenden Therapieregimes. Der akute Schmerz bedarf in seiner Therapie prinzipiell des Reizabbaus, das heißt, hier sollte beruhigend auf die entsprechenden Rezeptoren eingewirkt werden. Dies kann sowohl in Form einer medikamentösen Therapie – wobei hier NSAR die Medikamente der ersten Wahl darstellen – als auch durch Einflussnahme auf periphere wie zentrale Rezeptoren im Bereich des Bewegungsapparates, z.B. durch Infiltrationen und manuelle Techniken, erfolgen. Bei starken Schmerzen sollten neben NSAR auch Opiate in Erwägung gezogen werden. Hier kann sowohl die systemische Gabe eines Opiates wie auch die lokale Verabreichung erfolgreich sein. Letztere ist vor allem im Bereich von Gelenken zielführend. Bei chronifiziertem Schmerz ist der primäre Ansatz eine Reiz­setzung. Hier werden vor allem spezifische Reize an den Bewegungsapparat gebracht, um eine Veränderung der Situation hervorzurufen. Dies kann durch infiltrative Maßnahmen erfolgen, wie Nadelungen, Triggerpoint-Behandlungen, Bandansätze, periartikuläre Maximalpunkte etc. Eines der größten Probleme im Bereich des Sportes sowie generell am Bewegungsapparat ist die große Fixierung auf die Pathomorphologie. Jedoch finden sich sehr häufig Sportler (und Patienten), die keine Traumaanamnese haben und deren Röntgenbild weitgehend unauffällig ist. In diesen Fällen gelingt es durch so genannte Hilfsuntersuchungen meist nicht, eine entsprechende suffiziente und fundierte Diagnose zu erstellen. Im Vordergrund stehen bei diesen Patienten funktionelle Beschwerden, wobei funktionelle Diagnosemethoden zum Einsatz kommen sollten. Dieses exakte Beharren auf einer richtigen und strukturierten Diagnose, vor allem auf der so genannten Strukturdiagnose, liegt in der Tatsache, dass nur so auch ein erfolgreicher Therapieansatz gefunden werden kann. Hier gilt als wichtiger Leitspruch, dass die Therapie – wenn möglich – immer an der (den) schmerzhaften Struktur(en) ansetzen sollte. Kommt ein Schmerz aus einer Gelenkstruktur, sollte über das Gelenk behandelt werden; kommt er aus der Muskulatur, sollte über die Muskulatur behandelt werden. Ebenso sollte ein Befund an der Haut auch über die Haut therapiert werden. Diese so einfach klingenden Merksätze sind in der Praxis allerdings meist nicht so einfach und regelmäßig umzusetzen.

Dr. Christoph Michlmayr
Facharzt für Orthopädie, Rohrbach in OÖ

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben