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Sportmedizin 4. Juli 2006

Propriozeptives Training bei chronischer Lumbalgie

Ursprünglich für Hochleistungssportler zum Aufwärmen konzipiert, bringt die einfach durchzuführende Methode der Ganzkörpervibration eine Besserung der motorischen Kontrolle und aktiviert Patienten mit chronischer Lumbalgie.

Seit eineinhalb Jahren wird am Landesklinikum Mostviertel Am­stetten-Mauer im Rahmen der neurologischen Rehabilitation und Schmerztherapie die mechanische Ganzkörperschwingungsbehandlung (Zeptoring, siehe Abbildung) bei zentralen (vornehmlich extrapyramidalen) Bewegungsstörungen, bei endoreaktiven Depressionen sowie bei chronischen Schmerzzuständen aus dem Bewegungs- und Stützapparat angeboten.

Konzipiert für Hochleistungssportler

Die Methode der multidimensionalen stochastischen Ganzkörpervibration mittels Zeptor wurde ursprünglich zum Training und „warming up“ von Hochleistungssportlern konzipiert. In weiterer Folge wurde bei Parkinsonpatienten unter einer Behandlung mittels Zeptor eine eindeutige Tremorreduktion und Besserung der motorischen Kontrolle beobachtet. Erklärend dafür konnte in tierexperimentellen Studien gezeigt werden, dass eine enge Beziehung zwischen striatalem Dopamin­metabolismus und Aktivitätsausmaß bei Übungsaufgaben besteht. Interessant dabei ist die Beobachtung, dass sowohl Laufgeschwindigkeit als auch Laufdauer den Dopamin-Turnover proportional beeinflussten. Auf der anderen Seite zeigte ein weiteres tierexperimentelles Übungsmodell unterschiedliche Änderungen der Aminosäurelevels von GABA, Methionine, Glutaminsäure und Aspartat in Plasma und Muskel, wobei aufgrund dieser Ergebnisse auf eine übungsbedingte Stoffwechsel­adaptation geschlossen wurde.

Verschiedene Wirkungen

Unterschiedliche Übungsformen wie „erzwungene versus freiwillige Übungen (forced versus voluntary exercise)“ lassen im Experiment unterschiedliche Effekte erkennen, wobei sich die so genannte freiwillige Übungsform mittels Laufrad durch eine erhöhte ­nor­adrenerge und GABA-erge Transmission auszeichnete, sich als antidepressiv erwies und anxiolytische Effekte erkennen ließ. Experimentelle Untersuchungen bei Menschen lassen in PET- und fMRI-Studien auf eine zentrale Neurotransmittermodulation bzw. auf eine nachweisbare Aktivierung kortikaler und subkortikaler Regionen schließen. Was die Beeinflussung von Depression und der Schmerzperzeption durch das propriozeptive Training mit dem Zeptor betrifft, so gibt es bislang keine Berichte. Unsere bisherigen Beobachtungen zeigten, dass durch das einfach durchführbare propriozeptive Training mit dem Zeptor auch Patienten mit chronischer Lumbalgie rasch aktiviert und zudem in ihrer Stimmungslage erkennbar aufgehellt werden konnten. Es handelt sich beim „Zeptoring“ um eine scheinbar passive physikalische Behandlungsmethode, die von den Patienten in einem überraschend hohen Ausmaß gerne angenommen wird und im Vergleich mit der TENS-Methode in unserer Beobachtungsserie hinsichtlich Schmerzkontrolle besser bewertet wurde. Das von Hubert L. Rosomoff proklamierte Konzept „work through the pain“ kann mit dieser Behandlungsmethode hervorragend realisiert werden. Patienten mit Hüft- oder Kniegelenksproblemen werden vorläufig von dieser Behandlung ausgeschlossen.

Literatur bei den Verfassern
Prim. Dr. Berthold Kepplinger
(Neurologie/Schmerztherapie, Landesklinikum
Mostviertel Amstetten-Mauer und Neurologie,
Landesklinikum Mostviertel Amstetten),
Dr. Astrid Kainz
(Neurologie, Landesklinikum Mostviertel Amstetten)
Prof. Dr. Halina Baran
(Karl Landsteiner Institut f. Schmerztherapie u. Neurorehabilitaition Mauer/Amstetten; Institut für Physiologie, VMU Wien)
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