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Sportmedizin 4. Juli 2006

Gezielte Bewegung bei chronischen Erkrankungen

Neben Anamnese und Erhebung der Leistungsfähigkeit ist auf zugrunde liegende Erkrankungen sowie auf das Beschwerdebild Rücksicht zu nehmen.

Die medizinische Trainingstherapie unterscheidet sich im Wesentlichen nicht von der Medikamentenverschreibung. Man braucht eine Indikation, muss die Kontraindikationen kennen, die Art des Trainings festlegen, die Dosierung, die Intensität und den Umfang. Vor jeder medizinischen Trainingstherapie sollte die Anamnese stehen, die sowohl die medizinische als auch die Trainingsanamnese umfassen sollte. Die Indikation zur Trainingstherapie ist vielfältig. An oberster Stelle sollte unabhängig vom Alter und von der Grunderkrankung die eingeschränkte Leistungsfähigkeit (unter 90 Prozent des Normwertes) stehen. Zu den häufigsten Indikationen zählen neben den HerzKreislauf-Erkrankungen, wie KHK und arterielle Hypertonie, die Hyperlipidämie, der Diabetes mellitus, die Osteoporose und depressive Erkrankungen. Hinsichtlich der Erhebung der Leistungsfähigkeit stehen eine Reihe unterschiedlicher Möglichkeiten zur Verfügung, wobei die Fahrradergometrie sicher die am häufigsten angewendete Methode ist. Wichtig wäre eine symptomlimitierte Belastungsuntersuchung, da nur dann eine exakte Festlegung der aktuellen Leistungs-fähigkeit möglich ist und ein darauf aufbauendes Training durchgeführt werden kann. Kontraindikationen zur medizinischen Trainingstherapie stellen jeder akute Infekt, jede Exazerbation bzw. Entgleisung einer chronischen Erkrankung dar oder Veränderungen am Stützapparat, die ein Training nicht möglich machen. Die Wahl des Trainings ist einerseits vom Patienten und andererseits von der zugrunde liegenden Erkrankung bzw. dem Beschwerdebild abhängig.

Individuell abgestimmtes Trainingsprogramm

Anhand der erhobenen Leistungsparameter mittels Ergometrie lässt sich ein auf den Patienten abgestimmtes Trainingsprogramm erstellen, das Angaben über die Trainingsart, die Intensität, den Trainingsumfang und die entsprechenden Trainingssteigerungen umfassen sollte. Während für das Ausdauertraining ein Home Training versus ein Training an einem entsprechenden sportmedizinischen Trainingszentrum zur Verfügung steht, sollte das Krafttraining stets in spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Beginnt ein Patient mit einem Training, so ist eine Kontrolle nach drei Monaten empfehlenswert. Später sollten dann jährliche Kontrollen stattfinden. Oft ist es schwierig, Patienten davon zu überzeugen, dass ein regelmäßiges Training notwendig ist. Aber der Patient merkt sehr rasch, inwiefern ein Training seine Lebensqualität verbessern kann – ganz abgesehen von den zahlreichen positiven Effekten auf die verschiedensten Körperorgane, die durch ein regelmäßiges Training bewirkt werden. Um die Motivation zu erhalten, ist es oft besser, das Training zu variieren. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass eine entsprechende Intensität und der entsprechende Trainingsumfang beibehalten werden.

Dr. Karin Vonbank
Univ.-Klinik für Innere Medizin IV,
Abteilung für Pulmologie, AKH-Wien

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