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Sportmedizin 6. März 2006

Freizeit- und Sportunfälle nehmen zu

Jeder zehnte Österreicher verunglückte im Jahr 2003, so die Bilanz der Unfallstatistik, die im Oktober 2004 gemeinsam vom Bundesministerium für Gesundheit und Frauen, dem Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) und dem Institut „Sicher Leben“ präsentiert wurde. Mit 72 Prozent entfiel der größte Teil der insgesamt 831.000 Unfälle auf den Bereich Heim, Freizeit und Sport. 21 Prozent ereigneten sich bei der Arbeit und in der Schule, weitere sieben Prozent im Straßenverkehr.

Seit den 90er Jahren konnte ein fast durchgehender Rückgang tödlicher Unfälle in Österreich festgestellt werden. Dieser positive Trend wurde 2003 leider gebrochen: Erstmals war wieder ein deutlicher Anstieg an Unfalltoten zu verzeichnen. Es müssen in Zukunft daher noch stärker als bisher Maßnahmen gesetzt werden, um diesem Trend entgegenzuwirken.

Nation der Schifahrer

Österreich ist eine Nation der Schifahrer. Nicht umsonst sind die Rennläufer die beliebtesten und bekanntesten Sportler. Begünstigt durch die Lage des Landes im Herzen der Alpen, sind unsere Wintersportgebiete auch im Rest Europas als Urlaubsorte beliebt. Große Teile der österreichischen Wirtschaft sind auf den Wintersport ausgerichtet. Acht Millionen Freizeit-Wintersportler sind jährlich auf Österreichs Schipisten unterwegs. Die negative Seite: 90.000 Schiläufer und Snowboarder verletzen sich jedes Jahr, 67.000 davon bedürfen Spitalsbehandlung. Laut einer Studie ist das Unfallrisiko am Nachmittag um 50 Prozent höher als am Vormittag. Allein zwischen 14 und 16 Uhr ereignen sich 38 Prozent aller Schiunfälle. Die Hauptursachen für die Schiunfälle am Nachmittag sind nach Angaben des Instituts „Sicher Leben“ Müdigkeit, mangelnde Konzentration und Kraftlosigkeit. Besonders gefährdet sind Menschen, die sich überfordern, schwer essen und Alkohol konsumieren. Mehr Pausen und kontrolliertes Fahren sowie ausreichende Flüssigkeitszufuhr (kein Alkohol) könnten das Verletzungsrisiko senken. Eine weitere Verletzungsursache sind mangelhaft gewartete Schibindungen. Jeder zweite Schifahrer ist mit einer nicht richtig eingestellten Bindung unterwegs, das dürfte auf 20 Prozent der Schiläufer zutreffen. Seltener, dafür aber meist schwerer sind die Verletzungen durch Zusammenstöße (etwa acht Prozent der Unfälle). Eine Untersuchung des Instituts „Sicher Leben“ hat ergeben, dass die Pistenregeln zur Vermeidung von Zusammenstößen weitgehend unbekannt sind. Der Trend zu Carving Schi hält an und verdrängt immer mehr den „normalen“ Schi. Die Verletzungsverteilung nach Region ergibt einen geringen Zuwachs an Verletzungen des Kniegelenkes und viel mehr der oberen Extremität. Die Gruppe der Carver wird von Männern dominiert. Als Folge von Kollisionen bei höherer Geschwindigkeit treten Verletzungen des Kopfes und des Rumpfes auf.

Zahl der Snowboarder steigt

Die Zahl der Snowboarder steigt im Gegensatz zu der der Schifahrer weiter. 90 Prozent der Snowboarder sind unter 30 Jahre. Der Softboot dominiert. Auch bei den Snowboardern werden schlechte Pistenverhältnisse zum Unfallzeitpunkt als Ursache genannt. Es kommt vor allem zu Verletzungen der oberen Extremität, Handgelenk und Schulter. Wegen hoher Risikobereitschaft finden sich auch hier zunehmend Verletzungen des Kopfes und der Wirbelsäule. Helm und Protektoren werden derzeit immer weniger verwendet, obwohl dadurch das Verletzungsrisiko deutlich minimiert werden könnte.

OA Dr. Erich Altenburger,
HUMANIS Klinikum NÖ, Abteilung für Unfallchirurgie
Wiener Ring 3–5, 2100 Korneuburg

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