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Sportmedizin 6. März 2006

Magenschutz ist bei Schmerztherapie erforderlich

In der modernen Schmerztherapie werden einzeln und auch in Kombination Analgetika, Antiphlogistika, Opiate und Psychopharmaka eingesetzt. Der Magendarmtrakt und die Leber sind am häufigsten von Nebenwirkungen betroffen. Das gilt vor allem bei längerer Einnahme der Präparate.

Bei nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) ist die Inzidenz von Ulzera im oberen Gastrointestinaltrakt (GI) innerhalb der ersten drei Monate der Therapie am höchsten. In endoskopischen Studien über diesem Zeitraum betrug die Inzidenz von Ulzera duodeni vier bis 15 Prozent, von Ulzera ventriculi zehn bis 40 Prozent. Die meisten verliefen asymptomatisch. Das Risiko eines klinisch signifikanten Ulkus lag allerdings bei einem Prozent. Bei ständiger Einnahme von NSAR manifestiert sich das klinische signifikante Ulkus häufig nicht als Bauchschmerz, sondern in Form einer Blutung oder Perforation. Zusätzliche Risikofaktoren für klinisch signifikante Ulzera des oberen GI-Trakts sind Ulzera in der Vorgeschichte, Alter über 65 Jahre, gleichzeitige Einnahme von Kortikoiden und/oder Antikoagulantien. Weitere Risikofaktoren sind Komorbiditäten. Bei Hochrisikopatienten, die eine niedrig dosierte NSAR-Dauertherapie benötigen, schützt ein Protonenpumpenblocker (PPI), z.B. Pantoloc®, wirksam vor klinisch relevanten Ulzera. Dies gilt vor allem für Patienten mit Ulzera in der Anamnese. Selektive Hemmer der Cyclooxygenase-2 (COX-2), Coxibe, sind eine Weiterentwicklung unselektiver NSAR, die sowohl die COX-1 als auch die COX-2 hemmen und mit weniger gastrointestinalen Nebenwirkungen assoziiert sind. Dies zeigte sich im direkten Vergleich der Coxibe mit den nicht-selektiven NSAR als auch in Metaanalysen. Dieser Vorteil verschwindet allerdings bei gleichzeitiger Einnahme von Azetysalicylsäure. Aufgrund kürzlich festgestellter kardialer Nebenwirkungen mussten einige Vertreter dieser Substanzklasse vom Markt zurückgezogen werden (z.B. Vioxx®). Derzeit am Markt befindliche Coxibe werden unter Abwägung kardialer Risikofaktoren bei Patienten mit erhöhtem Risiko für gastrointestinale Nebenwirkungen eingesetzt. Es muss auch bemerkt werden, dass in jüngsten Studien Diclofenac als nicht-selektives NSAR nur ein moderates Risiko für Ulzera im GI-Trakt darstellt. Die Rate gastrointestinaler Ulzerationen unter Diclofenac ist innerhalb der ersten drei Monate der Therapie der Rate der Coxibe ähnlich. Bei gleichzeitiger Einnahme von PPI kann auch dieses moderate Risiko auf die Rate der Coxibe gesenkt werden. Auch der untere Gastrointestinaltrakt kann von Nebenwirkungen der NSAR betroffen sein. In Autopsien wurden in 8,4 Prozent der chronischen Anwender von NSAR Ulzera im Dünndarm gefunden. Perforationen sind möglich.

Hinterleitner, Ärzte Woche 11/2001

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