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Sportmedizin 4. April 2006

Von Tennisarmen und Schidaumen

Bei der Epicondylitis radialis handelt es sich um eine äußerst lästige, schmerzhafte und unter Umständen auch sehr langwierige Erkrankung. Die Infiltration mit einem Lokalanästhetikum mit oder ohne Kortison bringt rasche Behandlungserfolge. Die Nachbehandlung des klassischen Schidaumens (Läsion des ulnaren Seitenbandes am Daumengrundgelenk) hängt von dem Grad der Verletzung ab. Beim klassischen Schidaumen beschränkt sich auf eine Ruhigstellung mit Tape, Schiene beziehungsweise Gips und anschließender Mobilisation der ruhiggestellten Gelenke.

Die häufigste Pathologie der oberen Extremität im Sport ist eindeutig die Epicondylitis radialis („Tennisarm“). Diese Problematik findet man meist in den klassischen Rückschlagsportarten wie Tennis, Squash, Tischtennis, Badminton etc. Sie ist oft der Grund für eine Monate lange erzwungene Wettkampf - beziehungsweise Sportabstinenz. Es handelt sich hierbei um ein klassisches Überlastungssyndrom mit einer chronischen Entzündung und konsekutiver Fibrose am Ursprung von M. extensor radialis brevis et longus, M. extensor digitorum communis und eventuell M. extensor carpi ulnaris. Ursächlich ist immer ein Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit, prädisponierend ein Alter von über 35 Jahren.

Klinische Diagnose

Die Diagnose Epicondylitis wird prinzipiell immer klinisch gestellt. Sie äußert sich durch nach proximal oder distal ausstrahlende Schmerzen, Schwächegefühl im Handgelenk, Schmerzen bei der Extension (beziehungsweise Radialabduktion) gegen Widerstand und einen typischen lokalen Druckschmerz am Epicondylus lateralis humeri. Therapeutisch sollte in der Akutphase das Hauptaugenmerk auf die analgetische und antiphlogistische Therapie gelegt werden. Hier stehen die medikamentöse Therapie mit NSAR und physikalische Maßnahmen wie Kryotherapie, Iontophorese, frequenzmodulierte Ströme oder auch die Röntgenschwachbestrahlung zur Verfügung. Die schnellsten Erfolge bringt sicherlich die Infiltration mit einem Lokalanästhetikum mit/ohne Kortison (dieses aber maximal 2-3 Mal im Abstand von drei Wochen) direkt an den Schmerzpunkt. Die Langzeitergebnisse sind in diesem Fall jedoch schlechter als bei allen anderen Therapieformen. Das hängt vermutlich mitunter damit zusammen, dass aufgrund der raschen Schmerzfreiheit auf begleitende Therapiemaßnahmen verzichtet beziehungsweise wieder zu früh mit der Sportausübung begonnen wird. In der subakuten Phase sollte unbedingt mit physio- und trainingstherapeutischen Ansätzen wie aktives und passives Stretching der betroffenen Muskeln, Querfriktionen, sowie leichte Kräftigungsübungen der Handgelenksextensoren begonnen werden. Begleitend hat sich die Ultraschalltherapie sehr bewährt (Smidt 2003).
Neuere Verfahren wie zum Beispiel die extrakorporale Stoßwellentherapie haben in den letzten Studien leider noch nicht die gewünschten Ergebnisse gezeigt (Speed 2002, Haake 2002) und sollten nur bei längerer (sechs Monate) Therapieresistenz zur Anwendung kommen. Der Schlüssel zum langfristigen Therapieerfolg ist aber eindeutig das Erkennen einer möglichen Pathomechanik und einer anschließenden Ursachenbekämpfung im Sinne einer Bewegungsmodifikation in der jeweiligen Sportart. Ziel ist, über Aufteilung der Kraftmomente auf andere Muskelgruppen die Belastung auf das Muskelursprungsgebiet am Epicondylus möglichst zu minimieren. Dies gelingt häufig durch kleine Änderungen im Bereich der Ausrüstung (zum Beispiel Schläger, Griffstärke, Bespannung etc.) oder viel häufiger durch Optimierung in der Technik der Bewegungsdurchführung. Erst bei absolutem Therapieversagen der konservativen Behandlung inklusive aller begleitenden Maßnahmen sollte eine Operation (Denervierungs-OP nach Wilhelm) empfohlen werden. Die Ergebnisse sind leider unterschiedlich und die Rezidivrate verhältnismäßig hoch. Die Epicondylitis medialis („Golferellbogen“), die hauptsächlich beim Golf beziehungsweise bei Sportarten mit hoher Valgusbelastung vorkommt, ist wesentlich seltener, dafür aber meist hartnäckiger und therapieresistenter. Ursache und Pathomechanik ist spiegelverkehrt ähnlich der Epicondylitis lateralis, die Therapie praktisch ident.

Handgrifflähmung der Radfahrer

Eine weitere sportassoziierte Pathologie der oberen Extremität im Bereich der Hand ist die so genannte Handgrifflähmung bei Radfahrern. Es handelt sich um ein Nervenkompressions-Syndrom im Bereich der Loge de Guyon, das sich je nach Schädigungsort mit Parästhesien, Taubheit und Schmerzempfindlichkeit im Ulnarisversorgungsgebiet der Hand äußert. Bei länger bestehenden Beschwerden kann es auch zu verminderter Handgriffkraft und Atrophie der intrinsischen Handmuskulatur kommen. Die klinische Diagnose sollte durch ein NLG beziehungsweise EMG bestätigt werden. Das Ausschalten der Schädigungsfaktoren (geänderte Handposition, Lenkeradaptation, Körperposition am Rad etc.) führt auch hier zu langfristigen Erfolgen. Therapeutisch stehen medikamentöse und physikalische Maßnahmen (Ultraschall, Elektrotherapie) im Vordergrund. Auch eine ergotherapeutische Schienenversorgung ist möglich. Eine andere Aufgabe der konservativen und rehabilitativen Sportmedizin ist die Nachbehandlung von handgelenksnahen Frakturen (36 Prozent aller Verletzungen beim Snowboard) und des klassischen Schidaumens.

M. Sudeck rechtzeitig erkennen

Hier gilt das Hauptaugenmerk vor allem der Prophylaxe und Therapie von eventuellen Spätfolgen nach der unfallchirurgischen Erstversorgung. Neben der Bekämpfung von Ödem, Schmerz, Durchblutungsstörungen sowie Bewegungseinschränkungen ist das rechtzeitige Erkennen und Behandeln einer Reflexdystrophie (M.Sudeck, RSD) besonders wichtig. Bei der RSD, die sich durch diffusen, tief liegenden Schmerz, Ödem, Bewegungseinschränkung und Hautveränderungen (livid, marmoriert, warm) äußert, sind vor allem in der Akutphase einige grundlegende Dinge zu beachten:

  • Schmerzvermeidung
  • Vermeidung von statischer Muskelarbeit (behindert den venösen Rückfluss)
  • Vermeidung von starken thermischen Reizen
  • Bewegung ohne starke Belastung oder Erschütterung im Alltag

Das Therapiespektrum reicht von der medikamentösen Versorgung mit NSAR und Calcitonin (zur Vermeidung eventueller Spätfolgen am Knochen) über die Elektrotherapie und Lymphdrainage bis hin zur lokalanästhetischen Blockade des Ganglion stellatum bei längerer Therapieresistenz. Die Nachbehandlung des klassischen Schidaumens (Läsion des ulnaren Seitenbandes am Daumengrundgelenk) hängt von dem Grad der Verletzung (siehe Tab.1) ab und beschränkt sich auf eine mehr oder weniger lange Ruhigstellung mit Tape, Schiene beziehungsweise Gips und anschließender Mobilisation der ruhiggestellten Gelenke. Sinnvoll ist eine konsequente Rezidivprophylaxe mittels Tapeverband, speziellen Orthesen, Spezialhandschuhen (mit Bewegungseinschränkung der Radialabduktion des Daumens), aber auch durch Verwendung schlaufenloser Schistöcke, da sich die automatisch lösenden Sicherheitsschlaufen nicht bewährt haben.

Dr. Lukas Trimmel, Ärzte Woche 1/2004

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