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Sportmedizin 4. April 2006

Diagnose und Therapie von Wirbelsäulenverletzungen

Die am häufigsten verletzten Regionen sind wie bei den nicht-sportbedingten Verletzungen die untere Halswirbelsäule von C6-C7 sowie der thorakolumbale Übergang von T12-L1.

Zur Statistik: Die Häufigkeit von Verletzungen im Skisport beträgt etwa 2-6 Verletzungen/1.000 Skitage. 2-4 Prozent dieser Verletzungen betreffen Wirbelsäule und/oder Rückenmark. Für alle Wirbelsäulenverletzungen (WSV) wurde eine Häufigkeit von 0,075/1.000 Skitage angegeben. Eine neurologische Zusatzverletzung wurde in 17-36 Prozent der Fälle beobachtet. Für die Halswirbelsäule (HWS) lag diese Rate mit 41 Prozent deutlich höher im Vergleich zu 14 Prozent an der Brust- und Lendenwirbelsäule (BLWS). Das Verhältnis männlich:weiblich beträgt für WSV 3,4:1.
Auffallend war der Unterschied zwischen Ski- und Snowboard-Unfällen in einer vergleichenden Untersuchung: In der Ski-Gruppe betrug die Häufigkeit einer WSV 0,01/1.000 Ski-Tage und die Patienten waren im Mittel 34,5 Jahre alt. In der Snowboard-Gruppe war die Häufigkeit viermal höher mit 0,04/1.000 Snowboard-Tagen und die Patienten waren durchschnittlich 22,4 Jahre alt. Das verletzungsträchtigere Risikoprofil zeigte sich auch bei der Unfallursache: 77 Prozent der WSV wurden bei den Snowboardern durch Sprünge aus >2m Höhe verursacht, bei den Skifahrern lediglich 20 Prozent. Die HWS war in den Untersuchungen in 1/3 der Fälle betroffen, die BLWS in 2/3. Die am häufigsten verletzten Regionen sind wie bei den nicht-sportbedingten Verletzungen die untere HWS von C6-C7, der thorakolumbale Übergang von T12-L1, und eine leichte Häufung findet sich noch an der mittleren BWS um T6/T7.

Wichtige Verletzungszeichen

Für die Erstbehandlung sind präklinisch die folgenden Verletzungszeichen wichtig:

  • Schmerzen,
  • äußere/offene Verletzungen,
  • Neurologie/Querschnitt und
  • sichtbare Fehlstellungen.

Für den Transport sind die Ruhigstellung der HWS im Stiffneck sowie die achsgerechte Bergung und Lagerung der BLWS zu berücksichtigen. Bei neurologischen Ausfällen wird die medikamentöse Therapie mit Methylprednisolon i.v. nach NASCIS II empfohlen, obwohl diese Behandlung nicht mehr unumstritten ist. Zu der heute üblichen Standarddiagnostik zählen an der HWS die Röntgenuntersuchung in 2 Ebenen mit zusätzlicher transoraler Densaufnahme. Bei Unsicherheit oder nachgewiesener Verletzung sollte ein CT mit biplanaren Rekonstruktionen angefertigt werden. Zum Ausschluss einer diskoligamentären Instabilität oder zur Überprüfung der Stabilität einer gefundenen Läsion sollte die geführte Funktionsuntersuchung unter Durchleuchtung im seitlichen Strahlengang erfolgen. Zum Nachweis einer rein diskoligamentären Verletzung kann selten ein MRI notwendig sein. Die Standarddiagnostik für die BLWS besteht aus einem Röntgen in 2 Ebenen und einem CT mit biplanaren Rekonstruktionen.

Behandlungskonzepte

Für stabile Verletzungen mit geringer Fehlstellung wird die funktionelle Therapie ohne äußere Ruhigstellung empfohlen. Bei Berstungsbrüchen sowie Distraktions- und Rotationsverletzungen wird die operative Behandlung mit kombinierter Stabilisierung durchgeführt, dabei wird zunächst von dorsal mit einem Fixateur interne reponiert und stabilisiert. Danach kann die thorakoskopische ventrale interkorporelle Spondylodese zur Abstützung und Fusion des zerstörten Bewegungssegmentes angeschlossen werden.

Prof. Dr. Christian Knop, Ärzte Woche 1/2004

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