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Sportmedizin 4. April 2006

Nachbehandlung von Schulterverletzungen

Die Ätiologie von Schulterschmerzen bei Sportlern hängt eng mit der Pathomechanik der diversen Bewegungsabläufe zusammen.

In alle therapeutische Überlegungen muss die mögliche Pathomechanik des Bewegungsablaufes von Überkopfsportarten (siehe Tab.) einbezogen werden. Neben der akuten Schädigung des Kapsel-Labrum-Komplexes bei traumatischer vorderer Schulterluxation kann es durch häufige Abduktions-Außenrotations-Bewegungen bei Überkopfsportarten auch zu einer chronischen Instabilität durch rezidivierende Mikrotraumen kommen. Neben der mechanischen Instabilität nach Schulterluxation konnten auch sensomotorische Defizite bei Sportlern nachgewiesen werden. Ein Koordinationstraining der sensomotorischen Regelkreise stellt daher das zentrale Element in der Nachbehandlung dar. Unter dem Begriff des „Sensomotorischen Trainings“ versteht man den Ausgleich von muskulären Dysbalancen einzelner Muskelgruppen der Rotatorenmanschette. Ziel ist eine harmonische Feinabstimmung zwischen den großen, kräftigen Muskelgruppen (M. deltoideus, oberer Trapezius, Scapulastabilisatoren und -rotatoren) und den feinsteuernden Muskeln der Rotatorenmanschette (Supraspinatus, Subscapularis, Infraspinatus, Teres minor).

Therapie in der Frühphase

In der Frühphase stehen Schwellungs- und Schmerztherapie, isometrisch zentrierende Übungen und Haltungsschulung unter Einbeziehung der individuellen Statik und Dynamik der Wirbelsäule im Vordergrund. Elektrotherapeutische Maßnahmen (Iontophorese, Impulsströme, Ultraschall) können unterstützend eingesetzt werden. Beginnend mit Übungen in der geschlossenen Bewegungskette und Kräftigungsübungen der Schulterblattmuskulatur erfolgt der weitere Übungsaufbau individuell je nach Funktionszustand des Patienten. Sehr bewährt haben sich in dieser Phase modifizierte Liegestützübungen und Seilzugübungen in PNF-Mustern. Erst wenn eine gute Schulterblattstabilität in der Bewegung sichergestellt ist, ist eine weitere Steigerung zu Übungen in der offenen Bewegungskette und intensiveren Kraftausdauerübungen sinnvoll. Insbesonders der M. subscapularis und der M. biceps (Caput longum) sind muskuläre Synergisten der vorderen Gelenkskapsel und sollten besondere Beachtung im Übungsprogramm finden. Geräteorientiertes Training kann ergänzend eingesetzt werden. Am Übergang zum sportartspezifischen Training werden auch reaktive Übungen, Übungen mit exzentrischen Komponenten und höheren Bewegungsgeschwindigkeiten eingebaut. Das Wiedererlernen einer schmerzfreien sportartspezifischen Überkopfbewegung stellt höchste Ansprüche an den Behandler, der in enger Zusammenarbeit mit dem Trainer auch die Häufigkeit und Intensität der Trainingseinheiten abstimmen muss. Die Wiederaufnahme von Überkopfsportarten ist oft nur mit einem dosierten Wiedereinstieg und vorsichtigem Trainingaufbau zu realisieren.

OA Dr. Walter Bily, Ärzte Woche 1/2004

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