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Sportmedizin 4. April 2006

Update: Versorgung von Hüftfrakturen

Zu den folgeschwersten Verletzungen im Bereich des Hüftgelenkes zählen Frakturen des Acetabulums, die in der Regel aus direkter starker Stoßeinwirkung axial auf die Gelenkspfanne resultieren. Während unverschobene Frakturen einer konservativ-funktionellen Therapie gut zugänglich sind, erfordern verschobene Acetabulumfrakturen grundsätzlich eine operative Behandlung.

Dabei gilt es, eine weitestmögliche Gelenksanatomie wieder herzustellen, um einem Funktionsverlust beziehungsweise der Entstehung einer posttraumatischen Arthrose entgegenzuwirken. Als operative Maßnahme erster Wahl stehen eine offene Reposition und Stabilisation mit Plattenosteosynthese zur Verfügung. Vermehrt an Bedeutung gewinnt die computer-navigierte perkutane Verschraubung auch unverschobener Brüche, da die damit verbundene minimale Invasivität eine frühfunktionelle Nachbehandlung ermöglicht. Dennoch ist als Folge einer lege artis versorgten Acetabulumfraktur von einer deutlich erhöhten Wahrscheinlichkeit der Entwicklung einer posttraumatischen Coxarthrose auszugehen.
Die am häufigsten anzutreffende Verletzung am Hüftgelenk ist die Fraktur des medialen Schenkelhalses. Dabei hängt die Prognose der Heilung wesentlich von Patientenalter, Dislokationsgrad, Frakturform und Versorgungsintervall ab, insbesondere betreffend die Entwicklung einer posttraumatischen Hüftkopfnekrose, welche ebenfalls in einer Coxarthrose endet. Bei dieser Verletzung ist nahezu ausschließlich die primäroperative Versorgung indiziert. Als minimal-invasives Verfahren kommt in erster Linie die perkutane Verschraubung zur Anwendung: über eine Stichinzision werden insgesamt drei kanüllierte Titanschrauben in den Schenkelhals eingedreht.
Als Alternativverfahren kommt die Stabilisation mit einer dynamischen Hüftschraube in Frage. Mit der bei diesem Verfahren zu erwartenden höheren Stabilität der Frakturversorgung ist jedoch eine invasivere Operationstechnik erforderlich, da weit mehr Weichteilgewebe eröffnet werden muss, um dieses Osteosynthesesystem einbringen zu können. In bestimmten Fällen, bei welchen die Prognose der Hüftkopfvitalität oder der zu erwartenden Coxarthroseentwicklung entsprechend schlecht ist, kann die primäre endo-prothetische Versorgung als das Mittel der Wahl angesehen werden: dabei wird das proximale, den Hüftkopf tragende Fragment entfernt und durch eine Hüftgelenksendoprothese ersetzt. Die damit verbundene höhere Invasivität kann durch die „Einzeitigkeit“ eines solchen Eingriffes gerechtfertigt werden. Eine bei schlechter Prognose vorangegangene Osteosynthese, welche in eine Hüftkopfnekrose mündet, erfordert eine Implantatentfernung und endoprothetische Versorgung in einer oder zwei weiteren operativen Sitzungen. Die Invasivität einer endoprothetischen Versorgung konnte in den vergangenen zwölf Monaten durch die Einführung eines minimalinvasiven, intermuskulären Zuganges („two-incision technique“) deutlich reduziert werden. Ein Sonderstellung nehmen periprothetische Brüche des proximalen Femurs ein. Dabei kommt praktisch ausschließlich eine operative Versorgung in Frage. Je nach Bruchform, Alter, Prognose und vorbestehendem Implantat kommen dabei ein Implantatwechsel sowie stabilisierende Maßnahmen wie Verplattung, Cerclage oder ein Kombination aller zur Anwendung. Die Versorgung von per- und subtrochantären proximalen Oberschenkelbrüchen erfolgt ebenfalls ausschließlich operativ: bei unkomplizierten Brüchen ist die dynamische Hüftschraube mit etwaig längerer Plattenausführung indiziert. Bei komplexeren Brüchen steht eine intramedulläre Stabilisierung mit einem proximalen femur Nagel (PFN) zur Verfügung. Alle Verfahren haben dasselbe Ziel: eine raschestmögliche Mobilisation des Patienten.

Prof. Dr. Thomas Klestil, Dr. Barbara Curda, Dr. Karin Hausberger, Dr. Romed Sailer, Ärzte Woche 1/2004

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