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Sportmedizin 4. April 2006

Drittgradig offene Unterschenkelfrakturen

Drittgradig offene Unterschenkelfrakturen sind durch einen hohen Anteil von Infektionen, Fehlstellungen, Pseudarthrosen und Amputationen gekennzeichnet.

Bereits am Unfallort erfolgt die Korrektur großer Fehlstellungen, Entfernung von Fremdkörpern, „Wundreinigung“, steriler Wundverband sowie Ruhigstellung in einer pneumatischen Schiene. Das Öffnen des Schutzverbandes sollte dann erst unter sterilen Bedingungen im Operationssaal erfolgen. Die Operation selbst wird mit einer exakten Wundreinigung und Wunddebridement begonnen, bei stark verschmutzten und gequetschten Wunden muss 48 Stunden postoperativ ein second look mit neuerlichem Debridement durchgeführt werden. Mehrere Stabilisierungsverfahren stehen bei der Versorgung offener Unterschenkelfrakturen zur Auswahl. Bei Schaftfrakturen wird der verriegelte unaufgebohrte Marknagel vorgezogen. Die alternative Behandlung mit Fixateur extern wird von vielen Patienten als unbequem empfunden und erlaubt in seltenen Fällen eine frühzeitige Vollbelastung. Als neuere Alternative wird der Fixateur intern als Liss und LCP (locked compression plate) mit winkelstabilen Schrauben angewendet. Die aufgebohrte Verriegelungsmarknagelung führt statistisch signifikant zu höheren Infektionen und wird aus diesem Grund von uns abgelehnt. Die Weichteildeckung erfolgt durch einen Muskelschwenklappen mit Spalthautdeckung oder freien Hautlappen.

Fallstudie Hermann Maier

Hermann Maier erlitt am 24.8. 2001 bei einem Motorradunfall eine drittgradige offene Unterschenkelfraktur rechts sowie schwere Beckenprellungen mit sekundärer neurogener Läsion. Die operative Versorgung erfolgte durch Debridement, Reinigung der Weichteile, Reposition und Stabilisierung der Unterschenkelfraktur mit einem ungebohrten Unterschenkelverriegelungsnagel. Die Weichteildeckung am rechten Unterschenkel erfolgte durch einen faszio-kutanen Oberarmlappen. Nach Abklingen der akuten Symptomatik von Seiten der Beckenprellung konnte er nach 14 Tagen an die Normalstation übernommen werden. Unter stationären Bedingungen wurde bereits mit der physikalischen Therapie begonnen, fortgeführt im Sanatorium Radstadt. Die ambulante Rehabilitation erfolgte am Olympiastützpunkt Obertauern. Vierwöchige Röntgenkontrollen zeigten anfangs eine zunehmende kallöse Überbrückung der Fraktur, im März 2002 war der Frakturspalt jedoch nach wie vor gut einsehbar, so dass eine Stoßwellentherapie mit gleichzeitiger Entfernung sämtlicher Verriegelungsbolzen durchgeführt wurde. Danach kam es zu zunehmender Durchbauung der Fraktur, im Juli 2002 konnte Maier mit dem uneingeschränkten Renntraining beginnen. Im August 2002 erlitt Maier bei einem Abfahrtstraining in Chile neuerlich eine Quetschverletzung der Wadenmuskulatur. Eine zu kurze Rehabilitation führte zu einer weiteren Verletzung im Oktober 2002 in Sölden, die zu einer längeren Rehabilitationspause führte. Erst im Jänner 2003 konnte er neuerlich mit dem Renntraining beginnen. Nach knöcherner Konsolidierung der Fraktur und in Abstimmung seines Rennkalenders wurde der Marknagel im März 2003 entfernt.

OA Dr. Arthur Trost, Ärzte Woche 1/2004

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