zur Navigation zum Inhalt
© shakzu / iStock
 
Sportmedizin 19. Oktober 2015

Geprellt und gezerrt

Sport als häufige Ursache für Verletzungen

Sport hält fit, geht aber mit einem erhöhten Verletzungsrisiko einher. Bei harmlosen Prellungen und Zerrungen können verschiedene Präparate helfen, den Schmerz in den Griff zu bekommen.

Ein Sturz beim Laufen, ein Fehltritt beim Turnen, und schon ist es passiert: Sport belegt in der Liste der Unfallursache einen Spitzenplatz. Am häufigsten treten Zerrungen und Prellungen im Bereich von Muskeln und Gelenken auf.

Eine Prellung entsteht durch stumpfe Gewalteinwirkung wie einen Stoß oder einen Aufprall. Zerrungen sind dagegen das Resultat von schnellen ruckartigen Bewegungen. Neben Muskelzerrungen kommt es im Bereich der Gelenke häufig zu Bänderzerrungen. Bänder sind dabei jene Faserverbindungen zwischen den Gelenkknochen, die eine optimale Gelenkführung und Stabilität ermöglichen.

Symptome. Prellungen und Zerrungen äußern sich in meist heftigen Schmerzen, Schwellungen und funktionelle Bewegungseinschränkungen. Häufig entstehen Blutergüsse, die zwar von außen nicht immer sichtbar sind, aber sehr schmerzhaft sein können. Besonders bei Zerrungen verstärken sich die Beschwerden bei Gebrauch des betroffenen Körperteils und lassen in Ruhe stark nach.

Topika

Gern werden von den Betroffenen verschiedene Topika angewendet, die auf die betroffene Stelle aufgetragen werden. An Wirkstoffen stehen dabei beispielsweise nicht steroidale Antirheumatika (NSAR), Pflanzenextrakte und Heparin zur Verfügung. Ebenso werden aber auch homoöpathische Arzneimittel eingesetzt.

NSAR. Sie wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend. Häufig werden Diclofenac und Ibuprofen eingesetzt. Alternativen sind Piroxicam und Felbinac. Entscheidender Vorteil der lokalen Anwendung ist die Reduktion von systemischen Nebenwirkungen wie gastrointestinale Beschwerden. Für den Tennis- und Golfellenbogen sowie Prellungen am Knöchel sind wirkstoffhaltige Pflaster mit Diclofenac auf dem Markt.

Pflanzenextrakte. Auch mit pflanzlichen Schmerzsalben und -gelen können Therapieerfolge erzielt werden. Auszüge aus Arnikablüten (Arnicae flos, Arnica montana) wirken bei äußerlicher Anwendung entzündungshemmend, wundheilungsfördernd und schmerzlindernd. Zudem werden die Durchblutung und die Resorption von Blut aus Ergüssen gefördert. Für Beinwellwurzel (Symphyti radix, Symphytum officinale) und Beinwellkraut (Symphyti herba, Symphytum xuplandicum) konnte eine gute abschwellende und schmerzlindernde Wirkung belegt werden. Auch die Wundheilung und die Regeneration des verletzten Gewebes werden unterstützt. In der Apotheke kann dem Schmerzlinderung suchenden Kunden auch ein Salbenverband angeraten werden. Dafür wird das Präparat dick aufgetragen, sodann mit Küchenfolie abgedeckt und mit einer elastischen Binde fixiert.

Heparin. Das gerinnungshemmende Polymer wirkt bei der Anwendung auf der Haut antiödematös und kann bei Schwellungen als unterstützende Therapie eingesetzt werden.

Homöopathika. Arnika findet bei Verletzungen auch als homöopathische Zubereitung Verwendung. Es ist Mittel der Wahl bei Prellungen mit Schmerzen, Schwellungen und Bluterguss. Bei Zerrungen eignet sich oft Bryonia (Bryonia alba, Weiße Zaunrübe). Bryonia wird bei Verletzungen von Muskeln und Gelenken angewandt, die mit stechendem Schmerz einhergehen und bei Ruhe besser werden. Rhus toxicodendron (Giftsumach) wirkt im Gegensatz dazu am besten bei Schmerzen und Gelenkproblemen, die sich durch kontinuierliche Bewegung bessern. Zudem ist eine Salbe auf dem Markt, die eine Kombination aus 14 homöopathischen Einzelsubstanzen enthält und bei stumpfen Verletzungen wie Verrenkungen, Prellungen und Blutergüssen eingesetzt wird.

Eine ölige Zubereitung zum Auftragen enthält neben Campher, Lavendelöl und Quarz homöopathisch potenzierte Eisenhutknollen (Aconitum napellus e tubere ferm). Das hochgiftige Alkaloid Aconitin darf als Bestandteil von äußerlich anzuwendenden Präparaten in der Homöopathie apothekenpflichtig abgegeben werden, wenn die Endkonzentration die vierte Dezimalpotenz nicht übersteigt.

Systemisch

Neben der lokalen Therapie können Sportverletzungen auch systemisch behandelt werden. Bei tieferliegenden Gewebeschäden bieten sich orale NSAR in den für die Selbstmedikation zugelassenen Tagesdosen an. Eine Therapiealternative sind proteolytische Enzyme wie Bromelain und Trypsin, die die Freisetzung von entzündungsfördernden Botenstoffen reduzieren. Verschiedene Hersteller bieten auch Nahrungsergänzungsmittel und diätetische Lebensmittel an, die Nährstoffe für den Knochen- und Bindegewebsstoffwechsel enthalten.

Homöopathisch. Als Mittel der Wahl bei Sportverletzungen (Prellungen, Zerrungen, Verrenkungen, Verstauchungen) gilt Rhus toxicodendron (Glob. D12). Arnica montana in Form von Globuli (D6) wird besonders bei Blutergüssen eingesetzt. Bei Bänderzerrungen hat sich Ruta graveolens (Weinraute, Glob. D6) bewährt.

Beratungstipps

Hobbysportler sollten darüber aufgeklärt werden, dass der betroffene Körperteil neben der Behandlung mit Sportsalben geschont werden muss. Training unter Schmerzen kann den Heilungsverlauf verzögern.

PECH-Schema. Die Abkürzung steht für Pause, Eis (Kühlen), Compression (bzw. Kompression) und Hochlagern des verletzten Körperteils. Das Kühlen sollte unverzüglich am Unfallort über gut 20 Minuten erfolgen. Hier können Kältekompressen, Kältesprays oder kühlende Gele empfohlen werden. Etwa eine Viertelstunde nach dem Unfall ist Kühlen sinnlos und kann den Heilungsprozess sogar behindern. Bei stärkeren Schmerzen und Schwellungen hilft das Anlegen eines Druckverbands aus breiten Mittel- oder Langzugbinden zur Kompression. Anschließend sollte das betroffene Körperteil bis zu 24 Stunden hochgelagert werden. Auf diese Weise können Flüssigkeitsabtransport und Blutzufuhr positiv beeinflusst werden.

Arztbesuch bei entsprechender Schwere anraten

Starke Bewegungseinschränkungen oder Schmerzen, größere offene Wunden oder ausgeprägte Schwellungen können ein Hinweis auf schwere Verletzungen sein. Zudem sollte bei Gelenkverletzungen abgeklärt werden, ob beim Unfall ein knackendes Geräusch zu hören war. In diesem Fall besteht der Verdacht auf Bänderriss, der ärztlich behandelt werden muss. Tritt zwei Tage nach dem Unfall trotz Selbstbehandlung keine spürbare Besserung ein, ist ebenfalls ein Arztbesuch anzuraten.

Springer Medizin

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben