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Sportmedizin 12. Oktober 2015

Happy Jogger

Laufen macht offenbar glücklich. Verantwortlich dafür können Botenstoffe sein, ähnlich dem THC der Hanfpflanze.

Wer regelmäßig lange Strecken läuft, kennt das Hochgefühl, das sich bei vielen Menschen einstellt, wenn sie erst einmal eine gewisse Distanz zurückgelegt haben. „Läuferhoch“ wird dieser Gemütszustand auch genannt. Verantwortlich dafür machte man bisher Endorphine, die bei körperlicher Ertüchtigung vermehrt ausgeschüttet werden. Das stimmt nur zum Teil.

Zumindest bei Mäusen spielen so genannte Endocannabinoide, körpereigene Botenstoffe, die ähnlich wie die Wirkstoffe der Hanfpflanze an die Cannabinoid-Rezeptoren im Körper andocken, eine entscheidende Rolle für die Entstehung des Läuferhochsymtpoms. Das haben Wissenschaftler um Johannes Fuss vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf entdeckt.

Die Forscher ließen 16 Mäuse fünf Stunden lang in einem Laufrad rennen. Anschließend unterzogen sie die Tiere verschiedenen Verhaltenstests und verglichen die Ergebnisse mit denen einer Kontrollgruppe, die sich zuvor nicht sportlich betätigt hatte. Dabei zeigte sich, dass jene Nager, die vor den Tests im Schnitt rund 6,5 Kilometer an Strecke zurückgelegt hatten, danach weniger ängstlich und schmerzempfindlich waren. Im Blutplasma der Tiere fanden Fuss und seine Kollegen neben Endorphinen auch erhöhte Konzentrationen des Endocannabinoids Anandamid.

Legten sie die Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 der Zellen der Mäuse lahm, an die Anandamid üblicherweise andockt, hatte der Langstreckenlauf keinen positiven Einfluss mehr auf das Verhalten der Tiere: So flohen Nager, denen die CB1 Rezeptoren an Nervenzellen in bestimmten Bereichen des Vorderhirns fehlten, nach einem ausgiebigen Lauf etwa genauso schnell aus einer dunklen Box wie eine Kontrollgruppe, der kein Laufrad zur Verfügung gestanden hatte.

Regelrecht high

Fuss und seine Kollegen schließen daraus, dass ein funktionsfähiges Endocannabinoid-System offenbar einen großen Anteil daran hat, dass man durch Laufen regelrecht „high“ werden kann. Ob sich die Erkenntnisse aber tatsächlich auch auf den Menschen übertragen lassen, ist noch unklar. Aus früheren Studien weiß man immerhin, dass menschliche Langstreckenläufer neben Endorphinen vermehrt Anandamid ausschütten.

In seinem Tierversuch konnte das Team um Fuss keine Veränderung bei den Mäusen feststellen, wenn es statt den Cannabinoid-Rezeptoren die Andockstellen für Endorphine blockierte. Manche Aspekte des Läuferhochs lassen sich allerdings auf diesem Wege auch nicht studieren – so kann man Nagern etwa keine Euphorie ansehen.

Da Endorphine im Gegensatz zu den Endocannabinoiden aber die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren können, halten die Forscher es eher für unwahrscheinlich, dass ihre Ansammlung im Blut zur Entstehung des Runner’s High großartig beiträgt.

Spektrum.de, Ärzte Woche 42/2015

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