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© Kirk Strickland/Thinkstock
Eine der härtesten Sportarten – aber vor allem in Österreich noch nicht sehr intensiv betrieben: Lacrosse.
 
Sportmedizin 27. April 2015

Überforderte Muskeln und Bänder

Konservativ den Heilungsprozess beschleunigen

Fußball als weitverbreitete Freizeitsportart ist einer der häufigsten Schauplätze für Sportverletzungen. Muskeln, Bänder und Gelenke sind davon in der überwiegenden Zahl betroffen. Mangelnde Vorbereitung und Überforderung sind dafür zumindest mitverantwortlich. Der Großteil der Verletzungen lässt sich mit konservativen Maßnahmen behandeln, allerdings ist eine sorgfältige Abklärung mit gezielten Fragen wichtig, um schwerwiegendere Verletzungen auszuschließen.

Sechs von zehn Sportverletzungen sind Distorsions-, Dislokations- und Bänderverletzungen. Der zweithäufigste Verletzungstyp ist die Fraktur – am häufigsten im Bereich der unteren Extremitäten. Vor allem beim Ballsport, aber auch beim Tennis oder Laufen kommt es auch häufig vor, dass Sportler mit dem Fuß umknicken und sich so ein Band zerren oder im extremeren Fall einen Bänderriss zuziehen. Gerade untrainiert reichen Geländeunebenheiten wie eine kleine Wurzel oder eine Bordsteinkante schon aus, um den Fuß aus dem stabilen Gleichgewicht zu bringen. Die Extremität hochlegen, kühlen und einen Kompressionsverband anlegen, sind bei stärkeren Folgeschmerzen die ersten Maßnahmen.

Zu wenig vorbereitet, ist der Muskel schwach

Hauptrisikofaktor für Muskelverletzungen ist mangelhaftes Aufwärmen, was zu einer relativen Minderdurchblutung führt. Dadurch fehlt die Aktivitätsbereitschaft der Muskel- und Gelenkrezeptoren. Weitere Risiken sind ungenügendes Training, Muskelermüdung durch fehlende Erholungsphasen bzw. zu viele Trainingseinheiten. Auch vorangegangene Muskeleinrisse mit Narbenbildung oder bereits bestehende Muskelverhärtungen, so Partenheimer, erhöhen das Risiko für Muskelverletzungen.

Die meisten Muskelverletzungen entstehen durch ein Überdehnen über das physiologische Maß hinaus und daraus entstehende strukturelle Schädigung. „Entsprechende Bewegungsmuster sind ein plötzliches Anhalten bzw. Abbremsen, rasche Beschleunigungen sowie Brems-Beschleunigungs-Kombinationen“, beschreibt Partenheimer: „Hierdurch kommt es zu einer kurzzeitig überhöhten Muskelschnellkraft mit maximaler Kontraktion. Neben diesen Mechanismen können auch direkte Traumen im Sinne von Kontusionen Muskelverletzungen hervorrufen.“

Wie, wann und in welchem Zusammenhang?

Um die Art der Verletzung bestimmen zu können, sind einige Fragen zum Auftreten und der Art des Schmerzes hilfreich: „Wobei ereignete sich die Verletzung? Gab es einen Kontakt mit einem Gegenspieler oder trat die Verletzung ohne Fremdeinwirkung auf? Was für einen Charakter hatte der initiale Schmerz?“ Ein eher spitz stechender Schmerz deutet auf eine akute Muskelschädigung hin, ein eher dumpfer und krampfartiger Schmerz auf eine neurogene Schädigung, ein plötzlich auftretender Schmerz eher auf eine akute Schädigung hin als ein sich langsam steigernder Schmerz. Langsam sich steigernde Schmerzen nehmen häufig über Nacht zu, da das sich entwickelnde Hämatom auf die umliegenden Strukturen drückt. Wird die Muskelverletzung nicht entsprechend gekühlt, so lässt sich im Bereich der Muskelschädigung eine Schwellung tasten.

Das PECH-Schema als Erstmaßnahme

Die erste Maßnahme in der konservativen Therapie ist das PECH-Schema: Pause, Eis, K(C)ompression und Hochlagerung. „Generell kommen sowohl lokale als auch systemische Maßnahmen zur Anwendung“, so Partenheimer: „Neben der lokalen Behandlung spielt auch die systemische Therapie in der Versorgung von Muskelverletzungen eine wichtige Rolle. Hierbei kann eine Vielzahl an oral zu verabreichenden Medikamenten zur Anwendung kommen.“

Für die medikamentöse Behandlung stehen Enzyme, die Vitamine A, C und E, die in der Frühphase der Regeneration und Reparation von Bedeutung sind und nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAR) zur Verfügung. NSRA spielen in der Therapie von Muskelverletzungen durch Schmerzreduktion und durch Hemmung der Ausschüttung von Gewebemediatoren in der Akutphase eine wichtige Rolle. Darüber hinaus können alle gängigen und üblichen Formen der Physiotherapie zum Einsatz kommen.

Ziel aller Behandlungsmaßnahmen ist, die sekundäre Destruktionsphase soweit wie möglich einzudämmen und die sich anschließende Reparations- und Remodellierungsphase zu verkürzen und zu unterstützen.

Quellen: A. Partenheimer: Konservative Behandlung von Muskelverletzungen, in: Trauma Berufskrankh 2013,

15[Suppl 1]:75–80, Pressemeldung Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin

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