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Sportmedizin 4. April 2006

Wintersportverletzungen der Tibia

Unterschenkelfrakturen stellen immer noch einen sehr hohen Prozentsatz aller Wintersportverletzungen dar und haben – vor allem was ihre Verletzungsschwere betrifft – zugenommen.

Zur Behandlung dieser Frakturen müssen verschiedenste Kriterien beachtet werden:

  •  Die Lokalisation der Fraktur (diaphysär, metaphysär, diametaphysär und Frakturen mit zusätzlicher Gelenksbeteiligung).
    Bei der Behandlung der diaphysären Tibiafrakturen steht die intrameduläre Osteosynthese im Vordergrund, d.h. die Marknagelung, wobei wir der unaufgebohrten Technik den Vorzug geben. Metaphysäre Frakturen im distalen Bereich können ebenfalls noch mit dem Marknagel versorgt werden, wenn hier auch die Möglichkeit einer Plattenosteosynthese besteht. Im proximalen metaphysären Bereich wird die Plattenosteosynthese bevorzugt, wobei vor allem minimalinvasive Techniken mit winkelstabilen Implantaten die Methode der Wahl sind.
  •  Das Alter des Patienten. Bei kindlichen Frakturen bevorzugen wir im Schaftbereich die elastisch stabile Marknagelung, ebenfalls eine minimalinvasive Methode, die dem Kind das Tragen eines Gipsverbandes erspart und die frühfunktionelle postoperative Behandlung mit frühzeitiger Belastung erlaubt. Bei kindlichen metaphysären Frakturen oder diametaphysären Frakturen wird die Plattenosteosynthese bevorzugt, weil dieses Implantat unter der Haut liegt und die gefürchteten Pininfektionen, wie sie nach Fixateur extern-Osteosynthesen auftreten können, hintanhält
  •  Die Knochenqualität (normaler oder osteoporotischer Knochen).

Sie ist bei der Versorgung der Unterschenkelfrakturen immer mehr ein wichtiger Faktor, weil das Alter der Patienten, die Wintersport betreiben und sich dabei auch verletzen, ständig zunimmt. So ist es heute nicht selten, Patienten nach Schiunfällen zu behandeln, die das 70. Lebensjahr überschritten haben. Für die Behandlung von Frakturen im osteoporotischen Knochen ist natürlich für die Diaphyse ebenfalls der Marknagel die Methode der Wahl, wenn auch hier eine zusätzliche Verriegelung in beiden Ebenen unbedingt notwendig ist und auch eine vorübergehende Entlastung sinnvoll erscheint. Im metaphysären Bereich wird von uns bei diesen Patienten die Plattenosteosynthese bevorzugt, und hier vor allem die winkelstabilen Platten, die gerade im osteoporotischen Knochen eine entscheidende Verbesserung darstellen. ö Die Weichteilsituation. Hierbei ist nicht nur von Bedeutung, ob es sich um offene oder geschlossene Frakturen handelt. Offene Frakturen sind bei Wintersportverletzungen eher selten, die Weichteilschädigung ist jedoch häufig wesentlich größer, als auf dem Röntgenbild vermutet wird. Besonders hinweisen möchte ich in diesem Zusammenhang auf das Kompartmentsyndrom. Schon das drohende Kompartmentsyndrom erfordert eine akute Intervention, und zwar die Spaltung aller 4 Unterschenkelkompartments. Besonders wichtig sind ein rascher Transport und eine schnelle diagnostische Abklärung, die die Grundvoraussetzungen darstellt, um die richtigen notwendigen therapeutischen Schritte einzuleiten.

Prim. Dr. Franklin Genelin, Ärzte Woche 6/2004

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