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Sportmedizin 5. August 2005

Auch Asthmatiker dürfen zum Korallenriff

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Taucher mit deutlich eingeschränkter Leistungsfähigkeit immer mehr gestiegen. Abgesehen von den therapeutischen Möglichkeiten, die das Tauchen bietet, stellt es auch eine vielversprechende Möglichkeit zur Selbstwertsteigerung und Wiedereingliederung von behinderten und chronisch kranken Menschen dar. 
Bewegung in der Schwerelosigkeit unter Wasser bedeutet einerseits eine erhöhte Bewegungsfreiheit, allerdings kann das Unfallrisiko durch die Behinderung oder Erkrankung erhöht werden. Aus der Fülle der möglichen Einschränkungen soll kurz die Problematik beim Tauchen mit Querschnittläsionen bzw. Asthma bronchiale beschrieben werden.

Tauchen mit Querschnittläsionen

Je nach Höhe der Läsion ist der querschnittgelähmte Taucher auf die Unterstützung durch seine Tauchpartner angewiesen. Tauchen kann für den Rollstuhlfahrer nicht nur eine Steigerung des Selbstwertgefühls bedeuten, sondern wird auch vermehrt in der Rehabilitation (Verminderung der Spasmen) eingesetzt. Das Tauchen mit Querschnittpatienten erfordert nicht nur deutlich mehr Betreuer (an Land, im Boot, im Wasser), sondern ist auch an verschiedene Voraussetzungen geknüpft:

  • vollkommen intakte Haut (tägliche Kontrolle)
  • Kontrolle über Harn- und Stuhlentleerung (Katheter)
  • kein Harnwegsinfekt
  • mindestens 2 Liter Vitalkapazität
  • keine bronchiale Hyperreaktivität 
  • unauffälliges EEG

Auch die Tauchausrüstung muss entsprechend adaptiert sein (siehe Kasten). 
Tauchen mit Asthma bronchiale
Lange Zeit wurde Asthma bronchiale als absolute Kontraindikation für den Tauchsport angesehen. Die Gefahr liegt in einer regionalen Überblähung, dem Air-trapping ("gefangene Luft"), mit der Möglichkeit, über Verletzung der Alveolarsepten ein Barotrauma der Lunge mit einer arteriellen Gasembolie oder/und einen Pneumothorax mit Mediastinal-/Hautemphysem zu entwickeln. 
Auf Grund der hohen Prävalenz der Erkrankung, aber auch wegen der unterschiedlichsten Auslösefaktoren hat hier ein teilweises Umdenken stattgefunden, wobei einige Asthmaformen allerdings nach wie vor nicht mit dem Tauchen vereinbar sind. 

Dazu gehören das exercise-induced Asthma, das pseudoallergische Asthma (Analgetika-Asthma-Syndrom), das psychogen getriggerte Asthma und die allergische bronchopulmonale Aspergillose. 
Relative Kontraindikationen stellen das Infektasthma und das Refluxasthma dar. 
Neben der Asthmaform ist auch noch der Schweregrad des Asthmas von Bedeutung. Lediglich bei der schwächsten Form, dem milden, intermittierenden Asthma (FEV1 oder PEF über 80% Sollwert; Symptome seltener als 2x/Woche am Tage; weniger als 2x/Monat nächtliche Symptome) kann eine Tauchtauglichkeit bei entsprechender Schulung und Selbstkontrolle (Peakflowmeter) sowie regelmäßigen lungenfachärztlichen Kontrollen mit entsprechenden Auflagen erteilt werden:

  • 20 min. vor dem Tauchgang:Inhalation eines Beta-2-Adrenergikums; 
  • Vermeidung von Kälte-Stress
  • langsamere Auftauchgeschwindigkeit (max. 8m/min)
  • 5 Minuten Sicherheitsstop bei 3 bis 5 Meter

Es besteht trotz aller Abklärung und Vorsichtsmaßnahmen beim Asthmatiker ein höheres Unfallrisko!

Prim. Dr. Ernst Schenk, Ärzte Woche 29/2002

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