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Sportmedizin 5. August 2005

Untersuchung der Tauchtauglichkeit

Sporttauchen ist im Normalfall weder übermäßig gefährlich, noch kann es unmittelbar als Leistungssport betrachtet werden; es findet jedoch in einem dem Menschen ungewohnten Medium und unter hyperbaren Verhältnissen statt.
Obwohl es im Gegensatz zu den Berufstauchern und Druckluftarbeitern für Sporttaucher weder eine gesetzliche Regelung über die Durchführung einer solchen Untersuchung noch über die ärztliche Qualifikation des Untersuchers gibt, wird von nahezu allen Tauchschulen ein ärztliches Zeugnis über die so genannte Tauchtauglichkeit - "Fitness for Recreational Scuba Diving"- vor Antreten eines Tauchkurses verbindlich gefordert, hauptsächlich aus dem Grund, einer Haftung bei möglichen Gesundheitsschäden zu entgehen. Rechtlich gesehen handelt es sich bei der Tauchtauglichkeitsuntersuchung für Sporttaucher um einen konsulativen Akt mit präventivem Charakter, bei dem es festzustellen gilt, ob medizinische Einwände gegen die Ausübung des Tauchsports bestehen. 
Bei der Ausstellung dieses Attestes besteht jedoch grundsätzlich eine Übernahmehaftung, welche im Schadensfall herangezogen werden kann - daher und auch auf Grund der ständig zunehmenden Erkenntnisse auf dem Gebiet der Tauch- und Hyperbarmedizin muss gefordert werden, dass die Untersuchung und Beratung von Tauchern nur von entsprechend ausgebildeten Ärzten durchgeführt wird. 

Neben tauchphysiologischen und tauchmedizinischen Kenntnissen (Auswirkungen des erhöhten Umgebungsdruckes, der erhöhten Teildrucke, geänderte Wärmleitfähigkeit, Saturations- und Desaturationsvorgänge unterschiedlicher Gewebe mit Inertgasen, erhöhte Atemwiderstände der Tauchgeräte, veränderte Medikamentenwirkungen, Kindertauchen etc.) sollen auch den zusätzlichen Anforderungen beim Wracktauchen, Höhlentauchen, Bergseetauchen, Eistauchen, Mischgastauchen oder Technical Diving Rechnung getragen werden können.
Die Anzahl der Kontraindikationen würde den Rahmen des Artikels sprengen, so werden hier nur einige Besonderheiten der Tauchtauglichkeit herausgegriffen (für die Interessierten: im Jahr 2001 ist ein ausführliches Manual über "Tauchtauglichkeit" gemeinsam von den drei deutschsprachigen tauchmedizinischen Gesellschaften GTÜM, Deutschland, ÖGTH, Österreich, und SGUHM, Schweiz, erschienen). 

Untersuchungsgang 

Neben der körperlichen Untersuchung und einer allgemeinen und tauchspezifischen Anamnese (Anzahl der Tauchgänge, maximale Tiefe, Probleme beim Tauchen bzw. Druckausgleich, bereits erlebter Tauchunfall) spielt die Beachtung psychischer Faktoren eine große Rolle, um Personen, die zu Panik-reaktionen mit konsekutiver Unfallgefahr neigen, zu erfassen. 
Generell sollten Menschen, die an Erkrankungen leiden, deren Symptome entweder den Taucher unmittelbar gefährden (zum Beispiel Schwindel, Übelkeit, Bewusstseinseintrübung, Atemnot, Schmerzen, Gleichgewichtsstörungen...) oder leicht Panik auslösen, nicht tauchen. Ebenso ist ein Tauchverbot bei Erkrankungen auszusprechen, die ein Barotrauma verursachen können (zum Beispiel Emphysemblasen). 
Neben einer Otoskopie (beide Trommelfelle müssen intakt und gut einsichtig sein) gehören noch ein Ruhe-EKG, eine Ergometrie (bei über 40-Jährigen mit mehreren Risikofaktoren), eine Spirometrie (FEV1/VC über 75% Sollwert) und zumindest beim Erstkontakt ein Thoraxröntgen zu den Basisuntersuchungen, ebenso ein Blutbild, Blutzucker, BUN, Kreatinin und ein Harnstreifen. Bei Frauen ist eine Schwangerschaft auszuschließen.
Zur Dokumentation der Untersuchung und der Ergebnisse hat die ÖGTH (Österreichische Gesellschaft für Tauch- und Hyperbarmedizin) einen Untersuchungsbogen entworfen.
Bei der Beurteilung der Tauchtauglichkeit kommt den luftgefüllten Organen und Hohlräumen eine zentrale Bedeutung zu. Sowohl beim Ab- wie auch beim Auftauchen muss sich das Luftvolumen den äußeren Druckbedingungen anpassen können (Druckausgleich). Ist dies nicht möglich, entstehen zunächst durch Überdehnung (Druckdifferenz) Schmerzen, in weiterer Folge können Organschäden (Barotraumen) entstehen. 

Kontraindikationen

Daher stellen Erkrankungen oder Anomalien, die zu solchen, oft deletären Zwischenfällen führen können, Kontraindikationen dar und sind bezüglich der Tauchtauglichkeit kompromisslos zu beurteilen. 
Im Bereich des HNO-Traktes sind dies Zustandsbilder wie zum Beispiel Cerumen, akute oder chronische Entzündungen des Mittelohres oder der Tuben und Exostosen. 
Ein St.p. Spontan-Pneumothorax stellt wegen der Rezidivgefahr eine absolute Kontraindikation dar, ebenso akute Entzündungen der Lunge, Emphysemblasen oder höhergradige bronchiale Obstruktionen. Das Problem "Asthma und Tauchen" wird in Teil 3 unserer Tauchserie gesondert besprochen. 

Prim. Dr. Ernst Schenk, Ärzte Woche 28/2002

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