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Sportmedizin 5. August 2005

Vor dem Training gezielt aufwärmen

Bisher wurde angenommen, dass
statisches Dehnen der Muskeln vor und nach dem Sport die Leistung steigert, die Verletzungsgefahr verringert und auch die Regeneration der Muskeln fördert.

Das stimmt nach Aussage von Prof. Jürgen Freiwald von der Universität Berg in Wuppertal weder für den Hochleistungs- noch für den Freizeitsport. Viele Untersuchungen hätten inzwischen die falschen Annahmen über die Vorteile des Dehnens widerlegt, sagte Prof. Jürgen Freiwald von der Bergischen Universität im Wuppertal auf einer Veranstaltung der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin in Hamburg.
Durch statisches Dehnen vor Sportarten, die schnelle und maximal kräftige Leistungen verlangen, dazu gehören zum Beispiel Sprünge und Sprints, nehme die Leistung sogar um zwei bis 23 Prozent ab, berichtete der Sportmediziner. Das Dehnen sei auch nicht sinnvoll vor dem Krafttraining in einem Fitnesscenter.

Verletzungsprophylaxe

Sinnvoll sei dagegen ein allgemeines und spezielles Aufwärmen. Nur die Muskelpartien, die für die anschließende Beweglichkeit benötigt werden, zum Beispiel die Hüftbeuger bei Sportlern, die sich auf den Hochsprung vorbereiten, sollten gedehnt werden.
Vergleichsuntersuchungen mit mehreren tausend US-amerikanischen Rekruten haben ergeben, dass auch die Gefahr einer Verletzung mit dem Dehnen nicht abnehme, betonte Freiwald. Ursache von Verletzungen seien dagegen eher Ermüdungserscheinungen und Konzentrationsmangel.
Gerade jetzt zu Beginn der Skisaison sollte eine Aufklärung über die Verletzungsprophylaxe Aufwärmen starten. „Aufwärmen verbessert nicht nur die Muskel- und Herzkreislaufeigenschaften, sondern steigert auch die Seh-, Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsleistung“, sagte Freiwald. Geeignet sind nach Studien Sprung- und Laufübungen wie Joggen auf der Stelle, Hampelmann und Sidesteps.

Visusverbesserung

Unter anderem hatten dreizehn Sportstudenten in den Alpen an drei Testtagen ein herzkreislaufaktivierendes Aufwärmprogramm, ein Stretching-Programm und einen Kontrollversuch ohne körperliche Aktivität absolviert. Die 20 minütigen Aufwärmprogramme begannen mit einem Sehtest, die Tests wurden zehn, 20 und 30 Minuten nach dem Aufwärmen wiederholt. Veränderungen bei der Sehschärfe gab es lediglich beim herzkreislaufaktivierenden Aufwärmprogramm. Im Mittel verbesserte sich die Sehschärfe um eine Dreiviertel-Visusstufe. Durch das warm up erhöhte sich die Sauerstoffversorgung im Gehirn, die Netzhaut-Durchblutung nahm zu, das räumliche Sehen, die Kontrastempfindlicheit und das Bewegungssehen wurden verbessert.
Statisches Dehnen nach dem Sport verhindert nach Aussage von Freiwald zudem die schnelle Regeneration der Muskulatur. Die Begründung: Durch das Dehnen werden Blutgefäße in der Muskulatur komprimiert, und die optimale Blutversorgung wird gestört. Der Sportmediziner empfiehlt, nach intensiven sportlichen Belastungen mit viel Laktatbildung auf das Dehnen zu verzichten.

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