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Sportmedizin 5. August 2005

Hilfsmittel gegen den "inneren Schweinehund"

Richtig dosiertes Ausdauertraining ist ein entscheidender Faktor zur Vorbeugung chronischer Krankheiten. Auf der MEDICA wird ein Präventivmediziner sein Motivationskonzept präsentieren.

"Empfehlen Sie Ihren Patienten ein Mini-Trampolin als Sportgerät für Zuhause. 30 Minuten Tanzjogging machen Spaß und sind ideal für die Ausdauer", rät Prof. Dr. Gerd Schnack, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Präventivmedizin. Durch den schwingenden Boden werden die Rücken- und Beingelenke entlastet, zusätzlich wird die Koordination geschult. Schnack nennt noch einen weiteren Vorteil des Indoor-Trainings: "Im Unterschied zum Joggen oder Walken muss man nicht bei jedem Wetter hinaus oder abends im Dunkeln noch durch den Park laufen." Als Trainingsanreiz setzt der Präventionsmediziner auf Musik: Tango, Klassik, Schlager oder Disco-Musik - je nach Geschmack. Vor allem aufsteigende Dreiklänge, häufige Quart- oder Sextsprünge oder ein punktierter Rhythmus wirkten motivierend. "Das Lied "Tea for Two" ist ein Titel, bei dem fast jeder sofort beginnt, im Takt mitzuwippen", nennt Schnack ein bekanntes Beispiel.

Stretching & "Mega-Schlaf"

Zur Krankheitsprävention eignet sich auch die Intensiv-Stretching-Methode. Dabei werden verkürzte Muskel-Sehnen-Gruppen nach einer Belastung mindestens sieben Sekunden lang gedehnt. "Bei intensiver Belastung sollte man alle zwei Stunden ein Stretching einschieben", rät Schnack. Zur Verstärkung des Erholungseffektes eignen sich auch bei diesen Übungen Melodien mit absteigender Tendenz. Das beruhigt angeblich. Und auch bei der Berufs- und Sporterkrankung RSI (Repetitive Strain Injury) empfiehlt der Mediziner Dehnungsübungen. Die schmerzhafte Muskel- und Sehnenerkrankung entsteht durch wiederholte und monotone Fehlbelastungen. Zu den Hauptursachen zählt beispielsweise die Arbeit an Computer-Tastaturen.
Zum Stressmanagement setzt Schnack das repetitive Meditations-training (RMT) ein. Auch im stressigen Hausarzt-Alltag findet der "Mega-Schlaf" Platz. Ein stilles Plätzchen und 15 Minuten Zeit genügen: In die Hocke gehen, vorbeugen und damit den Hüftlendenmuskel entlasten (Kutschersitz); die Augen und auf die Atmung konzentrieren. "Das RMT ist ein regelrechtes Gehirn-Stretching, das aktuelle Verspannungen im Bewusstsein lösen und auslöschen kann", so Schnack. Das Wichtigste ist die Wiederholung. Die Entspannung geht über Musik, über eine Schaukelbewegung oder über einen Leitsatz, der synchron zur Atmung gesprochen wird.

Arthrose-Prophylaxe

"Heute sind nicht mehr das Heben und Tragen von Lasten die Ursache für Rücken- und Gelenkschmerzen, sondern falsche Gehtechniken wie die absatzbetonte Vorfußbelastung", betont Schnack. Der Verschleiß von Gelenken lässt sich oft nur mit operativen Korrekturen bis hin zum kostenintensiven totalen Gelenkersatz beherrschen. Die rückenentlastende Swing-Technik kann Abhilfe schaffen und zur Arthrose-Prophylaxe beitragen: "Dabei wird der Fuß gelenkschonend nach vorne und hinten abgerollt", erklärt Schnack. "Rollen statt stöckeln lautet dann die Devise."

MEDICA, weltgrößte Medizinmesse mit angeschlossenem Kongress, 19. bis 22. November 2003, Düsseldorf.

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