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Sportmedizin 13. Juli 2005

Sport für bewegungshungrige Arthrotiker

Bei Sport und arthrotischen Gelenken müssen Art und Intensität der Belastung stets individuell abgewogen werden, je nach Gelenkbelastungen durch Beruf oder Hobby und Lokalisation der Arthrose.

Pathologisch-anatomisch liegt der Arthrose eine Chondrozyteninsuffizienz zugrunde. Die erforderliche Syntheseleistung zur Produktion der hyalinen Grundsubstanz (Proteoglykane) wird dadurch reduziert. Im gesunden Knorpel ermöglicht das große Wasserbindungsvermögen der Proteoglykane den hohen onkotischen Druck innerhalb des Knorpels, wodurch die ausgeprägte Druckbelastungsfähigkeit und die reibungsfreie Artikulation des Knorpels gewährleistet wird. Die reduzierte Leistung der Chondrozyten bedingt das Absinken des onkotischen Druckes, damit eine Demaskierung der Kollagenfasern und eine Aufrauhung der Knorpeloberfläche, dies führt zum Elastizitätsverlust des hyalinen Gelenkknorpels. Bei vermehrter Belastung der subchondralen knöchernen Strukturen kommt es zu Osteophyten und Verdichtungen der subchondralen Bezirke. Diese Veränderungen prägen die Osteoarthrose. Privatdozent Jürgen Freiwald, Bewegungswissenschafter der Bergischen Universität in Wuppertal, spricht von einer Zwickmühle.

Keine generelle Empfehlung

Einerseits hat Bewegung positive Effekte. Gelenkstoffwechsel und Transport von Ernährungsstoffen und metabolischen Abbauprodukten werden angeregt, die mechanische Stimulation verstärkt die Aktivität der Chondrozyten. Zusätzlich wirkt Sport präventiv gegen Herz-Kreislaufkrankheiten und Osteoporose. Andererseits könne derselbe Patient auf die gleiche Belastung zu einem anderen Zeitpunkt mit Schmerzen, Entzündung und Degeneration reagieren, so Freiwald. Auch angepasste sportliche Bewegungen könnten Ursache für Arthrose sein. Eine generelle Empfehlung standardisierter Bewegungsprogramme sei damit hinfällig. Diese Fragen sollten, abgesehen von den klinischen und radiologischen Befunden, geklärt werden, um die passenden Sportarten bei Arthrose empfehlen zu können, die das Fortschreiten der Erkrankung nicht beschleunigen:ö Gibt es beruflich oder durch Freizeitsport bedingte Über- und Fehlbelastungen an Gelenken, und wie oft treten Zeichen einer aktivierten Arthrose (Schmerzen, Schwellung) auf?

  • Ist die gewünschte Sportart bereits früher ausgeübt worden?
  • Wie alt ist der Patient, und bringt er die nötigen Voraussetzngen zum Erlernen von Neuem mit?
  •  Wie ist die Intensität der derzeitigen sportlichen Aktivität biomechanisch einzuschätzen?
  • Besteht bei dem Patienten die Gefahr, dass er nach Verordnung von Analgetika, die Schmerzfreiheit dazu nützt, um sportliche Extremleistungen zu vollbringen?
  •  Wie steht es um die Muskeln des betroffenen Gelenkes? Ist ein Muskeltraining mit Krankengymnastik notwendig?

Eine regelmäßige und maßvolle körperliche Belastung der Arthrosepatienten wird allgemein als sinnvoll angesehen. Klassische Ausdauersportarten Die Autoren der jüngeren Literatur sind sich darin einig, dass sich Arthrose und Sport ergänzen und nicht gegenseitig ausschließen. Einige der wichtigsten Ziele des Sports sind dabei Schmerzlinderung, Funktionserhaltung und Funktionsverbesserung, positive psychologische Effekte wie Ablenkung von Schmerz und Motivation zur Bewegung. Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention empfiehlt gleichmäßige, rhythmische Bewegungen wie bei den klassischen Ausdauersportarten, Joggen und Nordic Walking seien also zu bevorzugen. Zu vermeiden seien Sportarten mit großer Impulsbelastung und mit Extrembewegungen der Gelenke.

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