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Sportmedizin 16. Juni 2014

Verflixt und zugenäht – und das an einem einzigen Tag

Bei einem Kreuzbandriss von Fußballprofis erfolgen Diagnose und Eingriff bereits am Tag des Unglücks.

Profis kennen und fürchten sie gleichermaßen, die Diagnose Kreuzbandriss. Darunter in Fußballkreisen klingende Namen, wie Sami Khedira, Holger Badstuber oder Lothar Matthäus und Michael Owen, die am eigenen Leib erfahren mussten, wie diese Knieverletzung eine blühende Karriere kurzfristig stoppt.

Ein Riss des vorderen Kreuzbandes ist nicht nur bei Hobbysportlern, sondern auch bei Profisportlern eine gefürchtete Verletzung des Kniegelenkes. Besonders bei Fußballspielern kommt es zu dieser Verletzung sehr häufig, wobei die Versorgungsstrategie oft über die weitere Karriere entscheidet.

Grundsätzlich unterscheidet sich die Versorgung eines Amateur- oder Hobbyspielers nicht von jener eines Profifußballers. Mit einem großen Unterschied: Bei Profispielern ist vor allem der Faktor „Zeit“ entscheidend. Denn ein Berufsfußballspieler kann es sich nicht leisten, lange Rekonvaleszenzzeiten zu beanspruchen. Trainer, Fans und Medien fordern die schnelle Rückkehr ihrer Stars auf das „Feld der Träume“. Zudem haben die Profis im Vergleich zu anderen Berufssparten eine relativ kurze Karrierezeit.

Verletzungstypen

Beim Kreuzbandriss im Fußballsport muss man zwei grundlegende Verletzungstypen unterscheiden:

1. Kontaktverletzung

2. Non-Kontakt-Verletzung

Bei der Kontaktverletzung kommt es zum Kreuzbandriss im Zuge des Einflusses eines Gegenspielers, häufig beim Zweikampf um das runde Leder (klassischer Verletzungsmechanismus: Reingrätschen). Durch den Kontakt mit dem Gegenspieler kommt es zur gewaltvollen Verdrehung des Kniegelenkes und dadurch zum Riss des vorderen Kreuzbandes. Aufgrund der hohen einwirkenden Energie kommt es häufig zu Begleitverletzungen der Seitenbänder oder Menisken im Knie.

Die Non-Kontaktverletzung ist häufiger als Kontaktverletzungen und entsteht, wie der Name schon nahelegt, ohne gegnerisches Einwirken. Der häufigste Mechanismus ist das Landen auf einem Bein nach einem Kopfball oder das Wegknicken des Standbeines bei einer schnellen Richtungsänderung beim Dribbling. Begleitverletzungen sind dabei jedoch seltener.

Was passiert danach?

Es sollte möglichst rasch eine Magnetresonanz-Untersuchung durchgeführt werden, um die Verdachtsdiagnose „Kreuzbandriss“ zu sichern. Im Rahmen der bildgebenden Analyse können auch Begleitverletzungen bestätigt oder ausgeschlossen werden.

Das Ziel der Behandlung ist die Wiederherstellung eines stabilen Kniegelenkes. Beim hochaktiven Sportler ist dies am ehesten durch eine Operation zu erreichen. Dabei wird das gerissene vordere Kreuzband durch eine körpereigene Sehne ersetzt. Begleitverletzungen wie Meniskusrisse werden gleich mitversorgt.

Nach dem Eingriff ist eine intensive Physiotherapie notwendig, um die Muskulatur aufzubauen, und um Beweglichkeit und Koordination zu verbessern.

Besondere Fußballprofis

Für einen Fußballprofi in seinen besten Jahren bedeutet die Diagnose Kreuzbandriss einen massiven Karriereknick mit zumindest sechsmonatigem Ausfall und dementsprechend Einbußen bei Werbeeinnahmen und Vertragsgehältern. Dementsprechend muss vor allem der Zeitfaktor, bei Diagnose und Behandlung der Verletzung berücksichtigt werden.

Eine MR-Abklärung noch am Tag der Verletzung ist unablässig, ebenso wie die allumfassende Versorgung des Kreuzbandrisses und der Begleitverletzungen möglichst in einem einzigen Eingriff. Bereits am Tag der Operation beginnt bereits die Physiotherapie mit Gangschulung und isometrischem Muskeltraining.

Die Entlassung aus dem Spital ist meist am Tag nach der OP möglich. Die meisten Spieler wenden sich in dieser Phase an den Vertrauens-Therapeuten und an eine Spezialeinrichtung für sportspezifische Rehabilitation.

Die nächsten Monate sind geprägt von intensiver Physiotherapie bis hin zur vollständigen Wiedereingliederung in die Mannschaft, etwa sechs Monate nach der Operation. Oft kümmern sich mehrere Therapeuten im Schichtwechsel um die Rehabilitation ihres Patienten, um das rasche Comeback zu gewährleisten. Dieses ist möglich, wenn die Muskulatur annähernd seitengleich auftrainiert, das Knie schmerzfrei, stabil und frei beweglich ist – zumeist bereits nach sechs Monaten.

Priv. Doz. Dr. Patrick Weninger ist als Oberarzt im Knie-Team des Orthopädischen Spitals Speising tätig.

www.dr-weninger.at

Patrick Weninger, Ärzte Woche 25/2014

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