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Nicht müde zu werden verspricht eine neue Skischuh-Entwicklung aus Dorfgastein, die nun sportwissenschaftlich untersucht werden soll.
 
Sportmedizin 16. Oktober 2013

Skischuh-Doktor erfand neue Sohle für komfortableres Skifahren

65-jähriger Unternehmer aus Gastein ließ sein System patentieren - Sportmediziner der MedUni Wien planen Studie im kommenden Winter.

Von seinen Bewundern wird er "Skischuh-Doktor" genannt: Franz Egger (65), Sportartikelhändler in Dorfgastein im Salzburger Pongau, hat spezielle, bereits patentierte Skischuheinlagen entwickelt, die ein komfortableres Skifahren ermöglichen und vor allem die Kniegelenke schonen. Im Vergleich zur herkömmlichen Skischuhbauweise sind bei „Easystand“ die Zehen höher gestellt als die Ferse.

 

"Dadurch wird der Skifahrer in eine Vorlagestellung gebracht. Das führt zu einer exakteren Skiführung und zu einer besseren Kontrolle über die Ski", schilderte der Erfinder.

Seit 37 Jahren fertigt der 65-jährige, verheiratete Vater von vier Kindern Skischuhe nach Maß an. Er kann auch Elefantenfüße angenehm "verpacken". Seit vier Jahren feilt er an dem neuen System "Easystand". "Der Schuh ist das wichtigste Element im Skilauf. Mehr als 80 Prozent der Skifahrer verwenden zu große Schuhe. Die Folge: Sie haben keinen Halt und sind unsicher unterwegs."

Der Pongauer setzte seine Idee, die im Laufe der Zeit immer konkreter wurde, in die Tat um: "Ich drehe den positiven in einen leicht negativen Sohlenstand um. Der Skifahrer fällt bei einem erhöhten Zehenstand nicht nach hinten, er geht automatisch in die Stellung, die er beim Skifahren einnehmen soll. Dieser Vorteil kommt auch dem Kinderskilauf zu gute. Kinder fahren mit starker Rückenlage, und es gibt bis heute nachweislich keine geeigneten Skischuhe, diese Position zu korrigieren."

Schonung der Gelenke 

Für Egger ergeben sich aus der Funktion "Toes over heels" noch weitere Vorteile für den "Normalverbraucher": Exakter Fersensitz, höhere Zehenfreiheit, punktgenaue Schwungauslösung. "Waden- und Oberschenkelmuskulatur werden merklich entlastet, die Gelenke geschont." Im Fokus steht ein müheloseres Skifahren. Seine "revolutionäre Idee" sorge für weniger Verletzungen und habe damit positive Auswirkungen auf die Volkswirtschaft, sind sich Egger und sein Unterstützer, der ehemalige Atomic-Geschäftsführer Ewald Fritz Schrempf, einig.

Studie geplant

Sportmediziner der Uni Wien erstellen in der kommenden Wintersaison mit dem Sportarzt des Universitäts- und Landessportzentrums Salzburg (ULSZ) in Rif, Thomas Sinnißbichler, eine Studie über die positiven Auswirkungen von "Easystand" auf den Bewegungsapparat. Zudem wertet die Skischuhfirma Head die Ergebnisse eines Skischuhtests vor zwei Wochen auf dem Stilfser Joch mit Profi-Skifahrern und ehemaligen Weltcupläufern aus. Die Bewertung des Salzburger Berg- und Skiführers und Skilehrer-Ausbildners Gerhard Angerer fiel positiv aus: "Kommt der Skifahrer in die Rückenlage, bleibt der Druck auf der Sohle und er bringt den Ski noch um die Kurve. Bei einem herkömmlichen Schuh würde er viel leichter die Kontrolle über den Ski verlieren." Die Erfindung bringe große Vorteile in allen Leistungsklassen, von Kindern bis zu Experten.

Was dem Erfinder noch fehlt, ist der Abschluss eines Lizenzvertrages. "Wir haben schon mehrere Patente angemeldet. Ich bin zuversichtlich, dass eine große, namhafte Firma dieses System übernimmt und Skischuhe mit ‚Easystand‘ produziert", versprüht er Optimismus. Schon im vergangenen Winter wurden umfangreiche Tests mit Skischuherzeugern wie Head, Rossignol, Lange, Tecnica und Nordica durchgeführt. "Tester und Vertreter der Entwicklungsabteilungen sind überzeugt, dass es sich um ein Zukunftsprojekt handelt. Sie rechnen mit einer erfolgreichen Umsetzung in der Serienproduktion." Für das erste möglich Verkaufsjahr 2015/16 wird die erzielbare Absatzmenge auf 50.000 Paar geschätzt. Der Weltmarkt liege derzeit bei rund drei Millionen Paar, sagte Egger.

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