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Frühsport auf nüchternen Magen lässt die Kilos nicht schneller purzeln.
 
Sportmedizin 7. Oktober 2013

Fitnessmythen unter der Lupe

Was stimmt – und was nicht?

In kaum einem Bereich gibt es so viele Weisheiten und Mythen wie im Sport und der Fitness. Etliche davon erweisen sich jedoch bei genauerer Überprüfung als falsch.

Mythos 1: Mit Nüchterntraining nimmt man schneller ab

Viele Sportler erhoffen sich durch ein morgendliches Ausdauertraining vor dem Frühstück eine größere Gewichtsabnahme im Vergleich zu einem Training nach einer kohlenhydrathaltigen Mahlzeit. „In Studien konnte zwar gezeigt werden, dass der relative Anteil der Fettverbrennung an den insgesamt verbrannten Kalorien bei nüchternem Training höher ist“, informierte Prof. Dr. Dr. Winfried Banzer, Leiter der Abteilung Sportmedizin an der Universität Frankfurt/M. Den Rückschluss, dass ein solches Training deshalb auch zu einer höheren Gewichtsreduktion führt, lasse diese Beobachtung allerdings nicht zu: „Denn bei einem Nüchterntraining ist nur eine deutlich reduzierte Trainingsintensität und damit ein geringerer Gesamtenergieverbrauch möglich“, so der Sportmediziner. Erforderlich für den Abnahmeerfolg sei aber bekanntlich eine negative Energiebilanz.

Man müsse sich klar machen, sagte Banzer, dass die Energiebereitstellung im Organismus prinzipiell immer auf die gleiche Weise erfolgt, unabhängig davon, ob der Mensch nüchtern ist oder Nahrung aufgenommen hat: „Daher ergibt sich bei gleicher Leistung auch kein Unterschied im Kalorienverbrauch. Nüchterntraining ist zum Abnehmen deshalb nicht besser geeignet als Training mit Kohlenhydratverfügbarkeit“. Zudem bestehe insbesondere bei Sport-Einsteigern, die nach nächtlicher Nahrungskarenz trainieren, die Gefahr einer Unterzuckerung. „Für den gewichtsbewussten Freizeitsportler ist es insgesamt wichtiger, seine Herz-Kreislauf-Leistungsfähigkeit zu verbessern, als auf eine optimale Fettverbrennung zu achten“, betonte Banzer.

Mythos 2: Hüftgold lässt sich gezielt wegtrainieren

Ein besonders hartnäckiger Mythos besagt, dass es möglich ist, bestimmte Problemzonen durch gezielte Übungen wegzutrainieren. „So möchten Männer oft ihren Bierbauch und Frauen ihre Reiterhosen loswerden“, sagte Banzer. Dies sei allerdings nicht möglich: „In aktiven Muskeln wird zwar kurzfristig eine höhere Fettabbaurate beobachtet als in inaktiven Muskeln, es deutet aber alles darauf hin, dass sich diese Fettdepots nach dem Training wieder auffüllen“. Dazu komme, dass Übungen, die nur wenige bzw. kleine Muskelgruppen in Anspruch nehmen, nicht genug Energie verbrauchen, um nennenswerte Mengen an Fett abzubauen. „Für eine erhebliche und damit auch sichtbare Fettreduktion ist die relativ lang anhaltende Arbeit von möglichst vielen, großen Muskelgruppen erforderlich. Optimal sind aerobe Trainingsformen wie z. B. Joggen, Walken oder Radfahren“, riet Banzer.

Auch wenn es nicht möglich ist, das Hüftgold oder die Reiterhosen durch Sit-ups und Beinpresse loszuwerden, sorgen sie dennoch für einen Muskelaufbau und eine Stärkung des gesamten Körpers, und sollten deshalb – wie andere Kräftigungsübungen auch – selbstverständlich Teil jedes Trainingsplans sein.

Quelle: 44. Deutscher Sportärztekongress, Frankfurt/M., 6. bis 7. September 2013

springermedizin.de, Ärzte Woche 41/2013

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