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Sportmedizin 30. September 2013

Alles ist möglich – beim Sport mit Typ-1-Diabetes

Was müssen Patienten mit einer Erkrankung an Diabetes mellitus Typ 1 bei der Sportausübung beachten?

Bei guter Stoffwechseleinstellung können Patienten mit einer Erkrankung an Diabetes mellitus Typ 1 beim Sport auf allen Leistungsebenen mit Gesunden mithalten. Für ein gefahrloses Sporttreiben sollten sie dennoch sorgfältig auf ihre Stoffwechseleinstellung achten.

Dank der modernen Insulintherapie können Patienten mit Typ-1-Diabetes heute ein nahezu normales Leben führen. „Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Betroffenen auch Sport oder sogar Leistungssport treiben wollen“, sagt Dr. Sandra Boehncke vom Institut für Diabetologie, Endokrinologie, Hypertensiologie und Ernährung der Universitätskliniken Genf/Schweiz. Wie bei gesunden Personen wirkt sich sportliche Betätigung auch bei Menschen mit Typ-1-Diabetikes günstig auf die Fitness, das kardiovaskuläre Risikoprofil und das allgemeine Wohlbefinden aus.

„Für Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes kann es ein Stück Lebensqualität bedeuten und ein wichtiges integratives Moment sein, wenn sie beim Sportunterricht mitmachen dürfen“, ergänzt die Endokrinologin.

Zur Wirkung körperlicher Aktivität auf mikrovaskuläre Erkrankungen, die Qualität der glykämischen Kontrolle, den Blutdruck und die Betazellfunktion liegen dagegen keine positiven oder lediglich limitierte Daten vor. „Die Praxisleitlinie der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) kommt daher zu dem Schluss, dass regelmäßig durchgeführter Ausdauersport bei Typ-1-Diabetikern zwar vom Grundsatz her das kardiovaskuläre Risikoprofil und den HbA1c-Wert verbessern kann, langfristig aber keine allgemein brauchbare Therapieoption zur Verbesserung der Stoffwechseleinstellung ist“, so Boehncke [1].

Sport treiben bei Typ-1-Diabetes

Bei Stoffwechselgesunden wird die pankreatische Insulinsekretion bei körperlicher Aktivität und dem dabei absinkenden Blutzuckerspiegel reduziert. Im Gegensatz dazu bleibt der Insulinspiegel bei insulinbehandelten Diabetikern entsprechend dem Wirkprofil des injizierten Präparats erhöht. Wenn der Patient nicht die Insulinmenge anpasst oder die Kohlenhydratzufuhr entsprechend erhöht, kommt es zu einem konsekutiven Blutzuckerabfall. Bei längerer Dauer der Bewegung und bei bereits zu Beginn der Muskelarbeit bestehender Normoglykämie kann daher rasch eine Hypoglykämie entstehen.

„Prinzipiell können Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 jede Sportart ausüben. Dennoch gibt es Risikosportarten wie Tauchen, Fallschirmspringen, Extremklettern oder Drachenfliegen, die nur von Menschen ausgeübt werden sollten, die sich sehr gut mit der individuellen Glukoseregulation auskennen. Vor dem Beginn einer derartigen Belastung muss der Blutglukosewert konstant über 180 mg/dl liegen“, sagt Boehncke.

Sporttauglich?

Zur Prüfung der Sporttauglichkeit von Patienten mit Typ-1-Diabetes empfiehlt die Endokrinologin eine sorgfältige kardiovaskuläre Begutachtung sowie Untersuchungen zur Feststellung mikrovaskulärer Folgeerkrankungen. „Im Idealfall sollte der HbA1c-Wert im Zielbereich liegen, der Patient sollte seit einem Jahr keine Hypoglykämie gehabt haben, eine erhaltene Hypoglykämiewahrnehmung haben, keine Albuminurie aufweisen und zu einer eigenständigen Therapieanpassung in der Lage sein.

Patienten mit Insulinpumpen müssen gut geschult sein und diese zuverlässig bedienen können“, forderte Boehncke. Nach Möglichkeit sollten die Patienten zudem nicht unter Neuropathien, Retinopathie oder Nephropathie leiden.

Ergänzend rät Boehncke dazu, bei einer Sporttauglichkeitsuntersuchung auch die Füße der Patienten sorgfältig zu begutachten und in der Anamnese dezidiert nach Beschwerden wie der Claudicatio intermittens, Schmerzen und Parästhesien zu fragen. Außerdem sei es wichtig, die Patienten auf die Notwendigkeit einer regelmäßigen Kontrolle der Füße hinzuweisen. „Denn aus einer kleinen Blase kann beim Diabetiker schnell ein diabetisches Fußsyndrom werden, das im schlimmsten Fall eine Vorfußamputation erforderlich macht“, mahnt Boehncke.

Sogar Triathlon-Teilnahme ist möglich

Wenn sie die Kriterien der Sporttauglichkeit erfüllen, sind Menschen mit Typ-1-Diabetes in der Lage, sogar extreme sportliche Leistungen zu erbringen. In einer Studie zur Ausdauer-Leistungsfähigkeit wurden zehn Patienten mit Typ-1-Diabetes über einen Zeitraum von drei Jahren beobachtet, in dem sie drei Triathlon-Wettkämpfe über die Langdistanz absolvierten [2]. „Es zeigte sich, dass die Patienten in der Lage waren, diese extreme Ausdauerleistung bei entsprechender Adaptation der intensivierten Insulintherapie sowie einer Anpassung der Ernährung zu erbringen. Ihre Wettkampfergebnisse entsprachen denen altersgleicher, nicht-diabetischer Athleten“, berichtet Boehncke. Aus den Beobachtungen lasse sich schlussfolgern, dass ein Typ-1-Diabetes keine Kontraindikation für die Ausübung von Ausdauersport ist.

 

Literatur:

[1] Kemmer FW et al. Diabetologie, 2011; 6: S176–S179

[2] Boehncke S et al. Dtsch Med Wochenschr 2009; 134: 1–6

Quelle: Fortbildung Innere Medizin u. a. Themen: „Sport und Bewegung bei Diabetes mellitus Typ 1 und beim metabolischen Syndrom“, 44. Deutscher Sportärztekongress vom 6.-7. September 2013 in Frankfurt/M.

springermedizin.de/sw/IS, Ärzte Woche 40/2013

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